Bau des Großflughafens

„Es geht nicht um eine Pommesbude“

Nicht nur der Brandschutz, auch das Check-In, der Bodenverkehr und weitere Abteilungen des neuen Hauptstadtflughafens sind längst nicht fertig. Berlins Bürgermeister beschwichtigt, der Bundesverkehrsminister schäumt.
Update: 12.05.2012 - 18:24 Uhr 8 Kommentare
Hier wird noch lange gebaut: Ein Arbeiter in Belrin-Schönefeld auf dem Dach des Flughafens Berlin Brandenburg. Quelle: dapd

Hier wird noch lange gebaut: Ein Arbeiter in Belrin-Schönefeld auf dem Dach des Flughafens Berlin Brandenburg.

(Foto: dapd)

Schönefeld/Berlin„Die wären doch niemals in drei Wochen fertig geworden“, sagt ein Besucher und trifft den Eindruck vieler Gäste. Die Blicke richten sich auf die Baustelle einige Meter hinter der schmucken Glasfassade des neuen Hauptstadtflughafens. Auf den Publikumstagen „Rund ums Terminal“ war an diesem Wochenende das Gelände für Besucher geöffnet. Nach dem Desaster um die geplatzte Eröffnung erlebten die Berliner und Brandenburger zwiespältige Gefühle. Wo an manchen aufgeräumten Stellen nur noch die Passagiere fehlen, erinnert der Airport andernorts mehr an einen Rohbau.

Klaus Wowereit ist ebenfalls gekommen. „Sie können selber auch sehen, wie weit der Flughafen schon ist“, ruft der Regierende Berliner Bürgermeister den Menschen vor der Bühne zu. Einige lachen darüber, andere buhen, wieder andere klatschen - auch die Menge ist heute gespalten. Die Flughafengesellschaft will die Bitternis der vergangenen Tage mit Zufriedenheit über das große Interesse der Bürger verdrängen. „Schon mehr als 50 000 Besucher hatten wir am ersten Tag, und wir freuen uns darüber sehr“, meint ein Flughafensprecher.

Dies klingt fast wie Ironie, denn wenige Tage nach der Absage des Eröffnungstermins für den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) werden immer mehr Details zum Ausmaß der technischen Mängel bekannt. Laut einem Bericht von Experten des Münchner Unternehmens Orat, das für den Probebetrieb mit verantwortlich ist, sind wichtige Bereiche von Check-in über Boarding bis hin zu Bodenverkehr nur zu 52 Prozent betriebsbereit. Die Flughafengesellschaf hält aber an ihrer Darstellung fest, dass diese Schwierigkeiten einer termingemäßen Inbetriebnahme nicht im Wege gestanden hätten.

Klaus Wowereit (SPD) sagte, er hoffe, dass nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ein „neuer, belastbarer Termin“ bekanntgegeben werden könne. Wowereit ist zugleich Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft. Ursprünglich war angekündigt worden, Anfang nächster Woche einen Termin zu nennen. Wowereit entschuldigte sich noch einmal für die Probleme bei der Fertigstellung, die er als „mittlere Katastrophe“ bewertete. Er schloss ein personelles Nachspiel nicht aus. Man werde die gemachten Fehler aufarbeiten „und gegebenenfalls müssen auch Konsequenzen gezogen werden“. Er schloss dabei aus, dass ein Mitarbeiter aus dem „unteren Bereich“ für die Chefs geopfert werde.

Flughafen-Chef Rainer Schwarz, der ebenfalls auf der Veranstaltung sprach, drückte sein Bedauern über die Verzögerung aus. Man habe das Flughafen-Fest „unter anderen Vorzeichen geplant“. Wegen Mängeln beim Brandschutz war die für den 3. Juni geplante Eröffnung auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Fluggesellschaften rechnen nun nicht mit einer Öffnung vor dem Herbst. Die Lufthansa kündigte bereits Schadenersatzforderungen gegenüber der Flughafengesellschaft an.

Schließlich scheinen die Probleme größer zu sein als bisher angenommen. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ zieht aus dem im April vorgelegten Bericht der Orat-Experten den Schluss, dass der neue Airport auch mit funktionierender Brandschutzanlage am 3. Juni nicht startklar gewesen wäre. Dem widersprach ein Flughafensprecher am Samstag auf dapd-Anfrage. Nach seinen Angaben funktionieren 52 Prozent der Prozesse zu 100 Prozent. Der Rest sei „nicht immer zuverlässig“, die Probleme hätte man aber durch andere Maßnahmen in den Griff bekommen und den Flughafen termingemäß eröffnen können.

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8 Kommentare zu "Bau des Großflughafens: „Es geht nicht um eine Pommesbude“"

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  • Ich kann dem Benutzer Peter nur Recht geben. Die Unzuverlässigkeit mit der Termine von einer Woche zur nächsten eingehalten werden ist unterirdisch (Planungszuverlässigkeit liegt bei ca. 50%). Eine Planung der Abläufe unter Einbeziehung der Leute die dann auch für die Ausführung zuständig sind (Montageleiter der Subunternehmer), kann hier Wunder wirken.
    Das Last Planner System ist hier m.E. ein echt starker Hebel, um endlich zuverlässig planen zu können (Planungszuverlässigkeit von mehr als 80% sind damit üblich). Damit würde so eine Peinlichkeit nicht passieren, denn selbst wenn der Termin dann realistischer Weise später ist, er ist mit größerer Wahrscheinlichkeit einzuhalten, als nur der "Wunschtermin".

  • Flughafen BER - "Münchhausen".
    Solche Nieten in Nadelstreifenanzug planen auch den Schallschutz hier wo nichts stimmt. Kein Wunder das hier keiner unterschreibt! Denn der Schallschutz steht erst zu 5 Prozent.
    Scheint wieder eine Menge Geld in die eigene Tasche geflossen zu sein, daß man später wieder für die ganzen Sexpartys braucht.
    "Wir haben die besten Experten für unseren Flughafen". - Ja vielleicht im Geldkassieren. Politiker sind verärgert - die Hohlköpfe sind doch dafür verantwortlich. Wenn andere so ihr Geschäft führen würden wie diesen Flughafen, müssten wie wohl frühzeitig Insolvenz anmelden.

    Es ist schief gegangen, die Champagnergesellschaft Wowereit, Platzeck, Schwarz soll endlich abtreten!!!

    Fam. Wegner, Mahlow.

  • Wie immer - wann verstehen die Bauherren endlich,
    A) das der Preis als vergabekriterium alleine nicht ausreicht und
    B) das man keine Terminplanung braucht, sondern eine Produktionsplanung und die Terminplanung quasi ein Apfallprodukt der Produktionsplanung ist.
    Eventuell denken die Bauherren mal über Lean Construction (Lean Management im Bauwesen) und den Lean Planner Ansatz nach.
    Schönen Sonntag noch.

  • Irrelevant für Vroniplag.

    Schauen sie sich die Arbeit im Netz an, die hat gerade mal die Qualität einer mit befriedigend zu bewertenden Bachelorarbeit.
    Und das er von seinem Promotionsthema der Optimierung von Großbauprojekten keine Ahnung hat, hat Herr Körtgen ja eindrucksvoll bewiesen.
    Trotzdem wird er weiter in Kassel lehren, und seinen Ruhestand bei der IHK BRB vorbereiten.

  • Ach, der Herr Verkehrsminister lebt auch noch. Ich dachte schon, die Beamten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung regieren jetzt im Verkehrsministerium. Guten Morgen Herr Ramsauer.

  • Chefplaner Manfred Körtgen schrieb neben der Arbeit für den Flughafen an seiner Dissertation.

    Folgerung: ein Fall für Vroniplag.

  • Der neue Berliner Flughafen ist ein Milliardengrab. Wirtschaftlich nicht betreibbar. Ein reiner Staatsbetrieb, geführt von Politikern ohne Wirtschaftsverständnis. Haarsträubende Fehlentscheidungen schon seit über zehn Jahren. Legitim in einer so bevölkerungsreichen Gegend am direkten Berliner Stadtrand eigentlich nicht betreibbar. Irrsinn, dort überhaupt einen neuen Flughafen zu bauen, wo es doch weit bessere, rein privat finanzierbare, Alternativen gab und gäbe. Immer aktuelle Neuigkeiten und die ganze Historie unter http://www.bvbb-ev.de/

  • "Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast warf Wowereit schwere Versäumnisse vor: „Wowereit und die Geschäftsführung waren völlig überfordert und grob fahrlässig. Als Aufsichtsratvorsitzender hat er versagt“, sagte Künast dem Magazin. Er hätte mehr nachfragen und kritische Anhaltspunkte klären müssen, um Schaden vom Unternehmen abzuhalten"

    Exakt auf den Punkt.

    Unser Wowilein ist der Prototyp dieser Aufsichtsrats-Quotenpenner aus Politik und Gewerkschaften, die sich hierdurch Zusatzeinkommen und ein "Ich-bin-wichtig-Gefühl" genehmigen, in der Sache und gemessen an den Aufsichtspflichten aber völlige Versager sind.

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