Baubranche
Hochtief auf Risikokurs

Hochtief hat seine Gewinnprognose gesenkt. Grund sind zwei Projekte der Unternehmensgruppe Leighton in Australien, die dem Konzern Probleme bereiten. Das ist nicht die einzige Baustelle, die Hochtief beseitigen muss.
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DüsseldorfHochtief-Chef Frank Stieler dürfte sich in diesem Jahr besonders auf den Silvesterabend freuen. „Die beiden schwierigen Projekte in Australien werden dieses Jahr fertig“, sagte Stieler bei einer Veranstaltung am Mittwochabend in Düsseldorf. „Das ist die gute Nachricht für uns.“

Er meint die beiden Großprojekte, eine Mautstraße im australischen Brisbane und eine Entsalzungsanlage im Bundesstaat Victoria. Wegen vieler Probleme dort hatte Leighton seine Gewinnprognose Ende März für dieses Jahr um umgerechnet rund 198 Millionen Euro gesenkt. Das zwang Stieler wiederum, den erwarteten Konzerngewinn von Hochtief von 288 Millionen auf knapp unter 180 Millionen Euro zu senken.

Aber das Geschäft in Australien bleibt risikoreich. Zwar hat Stieler dafür gesorgt, das Risikomanagement bei der 54-Prozent-Beteiligung zu verbessern. So hat er einen reinen Risikomanager bei Leighton installiert. Zuvor lagen die Aufgaben des Chefjustiziars und des Risikomanagers in einer Hand. „Außerdem haben wir Systeme eingeführt, damit Risiken gleich zur Holding gemeldet werden“, sagte Stieler.

Doch das neue System wirkt nur bei Neuaufträgen. Das sind aber nur rund zehn Milliarden des heutigen Auftragsbestands von rund 45 Milliarden Australischen Dollar (etwa 35 Milliarden Euro). Es bleiben also etwa Altaufträge von 35 Milliarden Dollar. „Davon kommen etwa elf Milliarden aus dem Bergbaugeschäft“, erklärte Stieler. Deren Risiken seien gut kalkulierbar. Auch unter den restlichen Aufträgen seien noch viele überschaubare kleinere. „Den Rest schauen wir uns sehr genau an“, sagte Stieler.

Risikoreich bleibt es auch bei der zweiten Baustelle Elbphilharmonie. Beim spektakulären Hamburger Konzertgebäude streitet Hochtief seit Jahren mit der Stadt Hamburg und den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron über Baupläne und Geld. Die Parteien schieben sich gegenseitig die Schuld zu, wer für höhere Kosten und die erheblichen Bauverzögerungen verantwortlich ist.

Jetzt hofft Stieler auf eine Einigung. „Wir haben der Stadt Hamburg einen Vorschlag unterbreitet.“ Jetzt liege es an der Stadt zu reagieren. Aber eines stellte er gleich klar: „Wir werden nicht noch einmal etwas unterschreiben, bei dem wir schon von vornherein wissen, dass es nicht funktioniert.“

Offen ist auch noch, wann Hochtief einen Käufer für seine Flughafensparte findet. Im vergangenen Jahr war der Verkauf im zweiten Anlauf gescheitert.

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