Bauern in Neuseeland: Mit Hobbits durch die Milchkrise

Bauern in Neuseeland
Mit Hobbits durch die Milchkrise

Neuseeland ist das wichtigste Milch-Exportland der Welt. Doch der Einbruch der Preise lässt viele Bauern mit Verlust arbeiten. Immer mehr Farmer satteln daher auf den blühenden Hobbit-Tourismus um.

AucklandDer neuseeländische Bauer Ian Diprose hatte früher der Milchwirtschaft einen Großteil seiner Einnahmen zu verdanken. Heute stützt er sich auf den Tourismus.

Fallende Milchpreise treiben die Viehhöfe in die roten Zahlen und ziehen ländliche Betriebe in Mitleidenschaft. Doch Diprose und seine Frau Joy verdienen mittlerweile mehr Geld mit Touristen als andere Farmer mit ihren Kühen. Das liegt daran, dass ihr Weideland in Waikato, dem Kerngebiet der neuseeländischen Milchwirtschaft, etwa 16 Kilometer von Hobbingen entfernt liegt - dem Nachbau des Hobbit-Dorfes von Bilbo Beutlin im Auenland, das für die beiden Filmtrilogien „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ von Peter Jackson nachgebaut wurde.

„Viele Leute, die hier durchreisen, sind Hobbit-besessen“, sagt der 73-jährige Diprose. In seiner De Preaux Lodge in Matamata bietet er den Besuchern ein Zimmer, Frühstück, eine Mahlzeit und das authentische Erlebnis einer neuseeländischen Farm für 175 Neuseeland-Dollar, umgerechnet knapp 103 Euro, pro Nacht. „In unserem Städtchen gibt es etwa 30 Cafés und Gastronomiebetriebe, weil die Touristen vorbeikommen.“

Die Diproses sind vor fünf Jahren ins Beherbergungsgeschäft eingestiegen. Damals war es nur ein Hobby, um die Pensionsvieh-Einnahmen aufzubessern – doch mittlerweile ist es ihr Hauptgeschäft. Vier von fünf Milchviehbauern in Neuseeland, dem größten Milchexportland der Welt, werden nach Angaben der Zentralbank in dieser Saison mit einem Verlust arbeiten, während der weltweite Einbruch der Milchpreise ins dritte Jahr geht. Das dämpft die Ausgabefreude der Farmer und das Wirtschaftswachstum insgesamt, auch wenn der florierende Tourismus den Schock etwas abmildert.

„Ich habe den Weidepreis für eine Kundin ziemlich drastisch gesenkt, weil ich weiß, dass sie eine junge Landwirtin ist und dass sie zu kämpfen hat“, sagt Diprose, der zwei Söhne in der Milchwirtschaft hat. „Die Auswirkungen auf sie sind gravierend. Die Finanzlage der Milchviehhalter lastet mir jeden Tag auf dem Herzen.“

Während die Landwirte ihren Gürtel enger schnallen, nimmt die Nachfrage nach Düngemitteln, Maschinen und tierärztlichen Diensten ab. Auch die Einzelhändler in den ländlichen Gebieten bekommen das zu spüren. Der Umsatz der Firma Giltrap Agrizone, die Heuballenpressen und Traktoren verkauft, ging nach Aussage von Geschäftsführer Andrew Giltrap auf Jahressicht um 30 Prozent zurück. „Wir fahren Achterbahn und müssen das einfach aussitzen“, sagt er.

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Milch statt Wolle

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