Bauern-Proteste
Milchbauern hoffen auf Lidl und Aldi

Der Milchpreis kennt seit Wochen nur eine Richtung: Nach unten. Die Bauern protestieren lautstark und fordern ein Eingreifen der Politik. Doch den wahren Schuldigen für ihre Misere sehen sie im Handel.
  • 7

DüsseldorfMartin Dahlmann hat das Desaster kommen sehen. Schon seit November vergangenen Jahres hat der Landwirt aus Wuppertal seinen Betrieb auf das Ende der Milchquote vorbereitet. So zieht er beispielsweise die Milchkühe nicht mehr selber groß, sondern kauft sie auf Auktionen. Damit kann er seine Stallkapazitäten effizienter nutzen. Auch hat Dahlmann die Direktvermarktung seiner Milch forciert.

Doch trotzdem trifft auch ihn der aktuelle Preisverfall hart. Mindestens 35 Cent pro Liter braucht er, um seinen Betrieb mit 50 und demnächst 70 Kühen auf Dauer nachhaltig zu führen, besser 40 Cent. Doch im August lag der Garantiepreis, den er von der Molkerei bekommen hat, bei nur noch 28,25 Cent plus Mehrwertsteuer. „Das zu kompensieren wird zunehmend schwieriger“, klagt Dahlmann. Jeden Monat fehlten mehrere tausend Euro Umsatz in der Kasse.

Das große Problem für viele Bauern ist, dass die Liquidität ihrer Höfe gering ist. Da hat auch das gute Jahr 2014 nur wenig Entlastung gebracht. „Wir brauchen eine Hochpreisphase von zwei bis drei Jahren, um den Investitionsstau abzubauen“, so Dahlmann. Der Preisverfall im Markt kommt da zur Unzeit. „Kollegen, die gerade investiert haben, können das nicht so ohne weiteres wegstecken.“

Für viele der rund 80.000 Milchbauern in Deutschland geht es um die Existenz. Nach Einschätzung des bayrischen Bauernverbands werden allein in diesem Jahr mehrere tausend Betriebe aufgeben müssen. Deswegen schlagen die Landwirte jetzt Alarm. Mit Protestfahrten machen sie auf ihre Situation aufmerksam und fordern die Politik zum Handeln auf.

Am Dienstag versammeln sich Bauern aus ganz Deutschland zu einer Kundgebung in München, um sich Gehör zu verschaffen.

Kommentare zu " Bauern-Proteste: Milchbauern hoffen auf Lidl und Aldi"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Frank Frei
    Höchst wahrscheinlich wurde der besagte Kommentar wegen Irrelevanz und impertinenter Wiederholung gelöscht.
    Das die Machtverhältnisse im Milchmarkt sich derart schnell und heftig geändert haben hat wohl mit den massiven Aufstockungen der Kapazitäten zu tun. Der im Artikel zitierte Betrieb stockt seine Kapazität um 40 % auf. Dabei ist er eher ein kleiner Spieler in diesem Markt.
    Auch kleine Mengen können das Marktgleichgewicht stören. Die großen Mengen stören die kurzen Denkwege der Merkelfeinde.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Seit Einführung der Milchquote haben die Bauernvertreter gewettert gegen diesen Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Jetzt sind sie freie Unternehmer. Aber kaum bläst ihnen der kalte Wind der Marktwirtschaft ins Gesicht, soll der Staat wieder eingreifen und Alimente zahlen. Ja was jetzt, sind die Bauern freie Unternehmer oder Angestellte der EU-Agrarplanwirtschaft? Etwas mehr Konsequenz bitte!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%