Bauindustrie
Chinesen drängen mit Staatsgeldern nach Europa

Neue Fußballstadien und Atomkraftwerke: Chinesische Konzerne wollen in Europa bauen. Die deutsche Bauindustrie sieht die Gefahr von Dumping-Preisen – und fordert ihrerseits die Öffnung des chinesischen Markts.
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DüsseldorfMassimo Moratti strahlte. "Inter begrüßt die neuen Aktionäre, mit denen eine neue Phase der Klubgeschichte beginnt", freute sich der Präsident von Inter Mailand. Seine Freude galt dem chinesischen Staatskonzern China Railway Construction. Der steigt beim hochverschuldeten italienischen Fußballklub ein und baut ihm ein neues Stadium.

In Deutschland ist die Freude weniger groß. "Chinesische Baukonzerne steigen quasi über die Hintertür ins europäische Baugeschäft ein", sagte Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, dem Handelsblatt. Er befürchtet, dass chinesische Baukonzerne ihren europäischen Konkurrenten mit Dumpingpreisen das Leben schwermachen könnten. "Bei einem Bauprojekt in Polen lagen die Angebotspreise um ein Drittel unter denen des zweitniedrigsten Bieters", bemerkt Knipper.

Das nährt Sorgen im deutschen Markt, wo die Margen im Baugeschäft ohnehin schwach sind. Es trifft vor allem die vielen Mittelständler im Lande, die den größten Teil des deutschen Baumarktes beherrschen. Konzerne wie Hochtief und Bilfinger hingegen haben ihr Baugeschäft in Deutschland stark reduziert.

Chinesische Konzerne haben sich in den zurückliegenden Jahren in die Topliga der Branche weltweit vorgearbeitet. Während früher Anbieter aus Frankreich wie Vinci oder Bouygues Spitzenpositionen einnahmen, belegen längst drei chinesische Konzerne die ersten drei Plätze: China State Construction Engineering lag im vergangenen Jahr an der Spitze vor zwei weiteren chinesischen Konzernen. Vinci rangiert nur noch auf Platz vier.

In Europa ist das Geschäft der chinesischen Konzerne zwar noch klein. Laut Fachdienst ENR machten sie 2010 hier nur knapp drei Prozent ihres Auslandsgeschäfts. Aber sie haben große Pläne. Die China Road and Bridge Company baut zur Zeit in Belgrad eine Straßenbrücke über die Donau und will ein Angebot für die Errichtung von drei Autobahn-Teilstrecken in Serbien abgeben.

Angesichts der neuen Konkurrenz gibt sich der große österreichische Infrastrukturbauer Strabag kämpferisch. "Wir mögen den afrikanischen Markt an sie verloren haben, am europäischen konnten sie sich jedoch nicht behaupten", sagte Vorstandschef Hans-Peter Haselsteiner, dem Handelsblatt.

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