Baumärkte in Deutschland
Bis aufs Teppichmesser

Baumärkte in Deutschland liefern sich einen aggressiven Preiskampf. In keiner anderen Branche ist die Selbstzerfleischung so ausgeprägt. Doch in Wahrheit herrscht in den meisten selbst ernannten Heimwerkerparadiesen die blanke Angst. Eine Handelsblatt-Reportage.

DÜSSELDORF. Malerisch windet sich die Waldstraße über sanfte Hügel. Wenige Kilometer hinter dem saarländischen Neunkirchen taucht eine Hand voll Gebäude auf – das Örtchen Kirkel. In einem dreigeschossigen weißen Bau in einer Straße mit dem heimelig klingenden Namen „Am Tannenwald“ räkelt sich Wolfgang Werner, Vorstandschef der Baumarktkette Praktiker, in seinem Schreibtischstuhl – und skizziert seinen europaweiten Schlachtplan.

Expandieren will er – in Deutschland vorzugsweise mit dem Neuerwerb Max Bahr, im Ausland durch die Ausbreitung der Praktiker-Heimwerkerkette. 15 bis 20 neue Filialen sollen noch in diesem Jahr ans Netz gehen, 2008 will der Praktiker-Chef die Schwelle von 100 Auslandsstandorten knacken. „Spaßwiese“ nennt Wolfgang Werner neue Länder wie Rumänien – und schaut dabei entspannt auf die grüne Abgeschiedenheit vor seinem Fenster.

Fast 300 Kilometer weiter nördlich, in Wermelskirchen hat Obi, Deutschlands größte Baumarktkette, ihren Stammsitz – am Hang des Bergischen Landes mit Blick auf Schieferfassaden und grasgrüne Schlagläden. Auch dieses Städtchen liegt etwas versteckt: „Am besten fahren Sie an der Autobahnraststätte ab und nehmen den Schleichweg durch den Wald“, rät die Obi-Sprecherin.

Die Idylle hier, etwa 40 Kilometer östlich von Köln, ist allerdings trügerisch. Seit langem schon fehlt Obi-Chef Sergio Giroldi der Blick für die Schönheiten der Natur. Der energiegeladene Italiener drängt auf umfangreiche Zukäufe. Vollmundig kündigt er an, die Zahl seiner deutschen Standorte um 50 auf 400 zu erhöhen. Den Marktanteil werde man, schüchtert der Obi-Chef seine Wettbewerber ein, deutlich ausbauen.

Wer sich auf die Suche nach Deutschlands aggressivsten Baumarktbetreibern macht, braucht gutes Kartenmaterial. Mittelalterlichen Raubrittern nicht unähnlich, haben die meisten von ihnen den Firmensitz dort hochgezogen, wo nur selten ungebetene Gäste per Zufall vorbeikommen.Fernab der großen Finanz- und Wirtschaftsmetropolen, vorzugsweise an nicht einmal mit der Bahn zu erreichenden Flecken in der Provinz, rüsten Deutschlands Do-it-yourself-Fürsten derzeit massiv auf, um sich schwächelnde Wettbewerber einzuverleiben oder ihnen Marktanteile abzuluchsen.

Die heftigsten Attacken kommen von Praktiker aus Kirkel, der mit dem schlichten wie provokanten Slogan „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“ die Wettbewerber seit Jahren zur Weißglut und die Heimwerker in den Kaufrausch treibt. Inzwischen ist Praktiker der Nummer eins, Obi, ganz dicht auf den Fersen.

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