Baumärkte
Mit neuem Markenkonzept zu schnellen Erfolgen

Sparmaßnahmen allein reichen nicht aus, um die Baumarktkette aus ihrer lebensbedrohlichen Krise zu retten. Erstmal will man für Veränderungen Geld in die Hand nehmen. Bis der Kunde die wahrnimmt, vergeht allerdings Zeit.
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KaiserslauternPraktiker, nach Obi und Bauhaus die Nummer drei unter Deutschlands Baumärkten, war viele Jahre für eins berühmt: „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung.“ Vor allem Rabatte sollten die frühere Metro-Tochter im Jahr 2005 fit für die Börse machen.

Nicht ohne Folgen: Gab es die berühmte Preisaktion, kamen die Kunden in Scharen – ansonsten ließen sie sich kaum blicken. Die fehlenden Umsätze und Rabatte gingen zulasten des Ertrags. Praktiker geriet mehr und mehr ins Hintertreffen, vor allem weil die Konkurrenz auf Qualität und Service setzte.

2009 wurde sich Praktiker der Misere bewusst, das Unternehmen hatte in diesem Jahr kaum etwas verdient. Danach ging es weiter bergab.

Seit Oktober 2011 ist Sanierer Thomas Fox Chef von Praktiker. Doch Sparen allein reicht nicht, um das Unternehmen zu retten. „Die 235 Praktiker-Märkte in Deutschland brauchen ein neues Erfolgskonzept – und zwar dringend“, sagt Handelsexperte Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe.

Einer von vier Praktiker-Märkten, die Fox’ Handschrift tragen, steht in Kaiserslautern. Er wurde innerhalb von drei Monaten auf das neue Konzept umgestellt. Fox will Praktiker als einfachen und schnellen Baumarkt positionieren, der sich intuitiv erschließt. Die Gänge und Regale sind durchnummeriert. Am Eingang sitzt ein sogenannter Lotse, der dem Kunden sagt, wo er das gesuchte Produkt findet. Alle Artikel sind gemäß Preis- und Markenhierarchie in drei Kategorien eingeteilt: Rot für die Eigenmarke „Budget“, Blau für die Eigenmarke „Praktiker“ (teils von Markenherstellern produziert) und Hellgrau für Markenartikel. An jedem Regaleingang sind ausgewählte „Triples“ prominent platziert – von Kehrblechen über Wasserhähne bis hin zu Leitern.

Gemäß dem alten, neuen Slogan „Hier spricht der Preis“ will Fox am Image als günstiger Baumarkt festhalten. Dazu muss er – mit Blick auf Angebotspalette und Personaleinsatz – die Kosten in Grenzen halten. Laut Fox soll etwa die Virtualisierung des Sortiments helfen, das Dilemma zwischen Discounter und Vollsortimenter aufzulösen. Eine Idee ist das Fliesenterminal: Auf einem 42-Zoll-Touchscreen kann sich der Kunde neben den 120 vorrätigen weitere 500 Fliesen ansehen, die dann bestellt werden können.

Dagegen soll die Praktiker-Tochter Max Bahr, die mit 78 Märkten gut 30 Prozent zum Umsatz in Deutschland beisteuert und deutlich besser läuft, mit mehr Personal punkten.

Allerdings weiß auch Fox, dass Praktiker mit vielen Maßnahmen lediglich zur Konkurrenz aufholt. Zudem kostet der Umbau insgesamt etwa 150 Millionen Euro. Und das größte Problem ist die Zeit: „Bis neue Konzepte vom Kunden wahrgenommen und dann auch honoriert werden, dauert es eine Weile“, erklärt Schlienkamp. Praktiker aber braucht schnell Erfolge, denn auch in diesem Jahr wird das Unternehmen wieder Verluste machen.

Kirsten Ludowig
Kirsten Ludowig
Handelsblatt / Stellvertretende Ressortleiterin Unternehmen & Märkte

Kommentare zu " Baumärkte: Mit neuem Markenkonzept zu schnellen Erfolgen"

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  • Praktiker braucht mehr Personal und weniger sinnlose Umbauten die nur noch mehr Geld kosten!

    In den vergangenen Jahren wurde das Personal virtualisiert. Auf dem Papier ist es vorhanden, nur ist davon in den Märkten nichts zu sehen.

    Übrigens: Wenn ich schon kein Personal habe, dann verlängere ich nicht auch noch die Öffnungszeiten nur weil der Marktkauf das machte.

  • Wenn ich im Baumarkt für Baustoffe, Elektromateril, Sanitärmaterial, Werkzeuge etc. das Doppelte zahle, als im Fachhandel, dann stimmt da irgendetwas nicht mehr.
    Ist ja gut, wenn der Gewinn in jedem Jahr stärker steigen muß, als im Vorjahr. Aber irgendwann geht die Rechnung eben nicht mehr auf.
    und dabei ist noch nichtmal die sprichwörtliche Baumarktqualität angesprochen.

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