Baumarkt-Pleite
Max Bahr steht vor dem Aus

Nach der Pleite von Praktiker steht nun auch der letzte Teil des Baumarktimperiums vor dem Nichts. Ein Verkauf an ein Konsortium ist gescheitert. 3600 Arbeitsplätze stehen jetzt auf der Kippe.
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FrankfurtDie Übernahme der insolventen Baumarktkette Max Bahr mit 3600 Beschäftigten ist gescheitert. Der Dortmunder Konkurrent Hellweg habe sich nicht mit der Royal Bank of Scottland, dem Hauptvermieter von 66 Baumärkten, geeinigt, teilte der Insolvenzverwalter am Freitag mit. Die Gläubiger des einstigen Aushängeschilds des Praktiker-Konzerns hatten Hellweg bis Freitag Zeit gegeben, sich mit der RBS zu einigen. Praktiker hatte im Juli bereits Insolvenz angemeldet und Max Bahr mit in die Pleite gerissen.

Der Insolvenzverwalter will die insgesamt 73 Baumärkte von Max Bahr nun einzeln verkaufen. Dazu lägen bereits konkrete Interessenbekundungen von namhaften Unternehmen aus der deutschen Baumarktbranche für zahlreiche Standorte vor. Er hatte sich Ende Oktober für die Offerte des Hellweg-Konsortiums entschieden. In rund 230 Praktiker- und Max-Bahr-Häusern läuft der Ausverkauf bereits. Für Praktiker arbeiteten einst 20.000 Menschen, einen Käufer haben die Insolvenzverwalter aber bisher nur für drei Märkte in Luxemburg mit 200 Mitarbeitern gefunden. Die RBS werde die Max-Bahr-Standorte nun einzeln zu vermieten versuchen, hieß es in den Verhandlungskreisen.

Für mehr als die Hälfte davon stünden schon Konkurrenten wie OBI, Rewe/Toom oder Hagebau als Mieter bereit, sagten zwei Insider. Teilweise darf in die Gebäude nur ein Baumarkt einziehen. „Nun schlägt wieder die Stunde von Globus“, sagte ein anderer Insider. Der saarländische Handelskonzern war bei Insolvenzverwalter Schröder und der RBS abgeblitzt, da sein Angebot zu niedrig war. Am Donnerstag hatte Globus aber sein Interesse bekräftigt - an rund 60 Max-Bahr- und weiteren Praktiker-Standorten sowie der Firmenzentrale.

Die Max-Bahr-Mitarbeiter müssen nun hoffen, dass sie bei einem neuen Betreiber der Märkte unterkommen können. Max-Bahr-Gesamtbetriebsratschef Ulli Klose hatte bis zuletzt gehofft. Noch im Laufe des Freitags sollte die Belegschaft informiert werden. Der Insolvenzverwalter, Hellweg und die RBS wollten sich nicht äußern.

Die Verhandlungen mit Hellweg seien nicht an der Höhe der Mieten gescheitert, hieß es im Umfeld der Gespräche. Vielmehr habe die RBS eine Bürgschaft von Hellweg gefordert, die das Familienunternehmen nicht stellen konnte oder wollte. „Keiner hat sich aus der Komfortzone bewegt“, sagte ein Insider. Die Bank habe das Konzept des potenziellen Käufers skeptisch gesehen und im Falle eines späteren Scheiterns Verluste befürchtet. Denn dann wären Banken und Warenkreditversicherer besser abgesichert gewesen als der Vermieter. Ein Konsortium um die Commerzbank war bereit gewesen, die Übernahme mit einem Kredit von 65 Millionen Euro zu finanzieren.

Die RBS war erst im vergangenen Jahr zum De-facto-Vermieter der Immobilien geworden. Denn die Familie Möhrle hatte beim Verkauf von Max Bahr an Praktiker 2007 nur den Geschäftsbetrieb an den Konkurrenten abgegeben, die Immobilien waren damals aber für fast 800 Millionen Euro an den Finanzinvestor Moor Park gegangen. Dieser hatte sich dafür Kredite bei der Bank ABN Amro besorgt, die später in der RBS aufging. Seither hatten die Immobilien stark an Wert verloren, der Fonds von Moor Park ging 2012 Pleite. Globus habe die Immobilien zuletzt gerade noch mit 420 Millionen Euro bewertet, hieß es in den Kreisen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ob man das so sehen kann, weiß ich nicht.
    Letztlich muss festgestellt werden, dass das Geschäftsmodell „Praktiker – Max Bahr“ nicht tragfähig war.

    Schuldige? Nun, sicherlich primär erst einmal diejenigen, die Organe von Praktiker waren: Vorstand, Aufsichtsrat. Auch die Großaktionäre hätten eingreifen können.

    Es gibt zahlreiche, erfolgreiche Baumarkt-Ketten. Es kann also nicht ausschließlich an den Rahmenbedingungen liegen. Mieten zahlen die auch.

    Die Arbeitsbedingen bei Praktiker – Max Bahr kann ich nicht beurteilen. So schlecht können diese aber nicht gewesen sein, wenn die Angestellten dieses Geschäftsmodell verteidigen.

    Im Übrigen spricht es für den Angestellten, wenn er seinen Arbeitgeber verteidigt.

    Als Arbeitnehmer kann ich der Politik der Kanzlerin auch nicht viel abgewinnen. Herr Seehofer hat einen logischen und sinnvollen Plan, Frau Merkel Geschenke für Menschen über 65…. Wie soll ich das meinem Sohn erklären?

  • Da kannst du sicher sein, das die sich die Hände reiben. Aber mal sehen wie lange noch. Da seit Jahren nichts mehr in die Filialen investiert wurde, werden neue Mieter nicht gerade Schlange stehen. Offensichtlich sind 46 Millionen jährliche Miete für 66 Filialen noch immer nicht genug. Umgelegt auf die 3600 Mitarbeiter, muss jeder Mitarbeiter alleine für die Miete schon mehr als 1060 Euro Gewinn erarbeiten. Wie soll denn so etwas gehen?

    Aber dank der von unser allseits "beliebten" Kanzlette wird ja immer der große Vorteil der Globalisierung gepriesen. Und was jubelt sie doch immer wenn aus der Wirtschaft die Meldung: "Gewinne, Gewinne, Gewinne" kommt. Kommt die Meldung "Gewinnmaximierung" findet sie das auch ganz toll. Wo all die Gewinne her kommen, ist ihr doch völlig egal!

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