Baumarkt
Praktiker muss sparen

Die Baumarktkette Praktiker leidet unter ihrem Auslandsgeschäft - rechnet aber weiter mit einem positiven Gewinn. Wobei Praktiker in den ersten neun Monaten unter den Erwartungen blieb.

HB FRANKFURT. Die Baumarktkette Praktiker bleibt angesichts nach wie vor schleppender Geschäfte im Ausland vorsichtig und setzt vor allem auf Einsparungen. Die Kette, die in Deutschland die Marken Praktiker und Max Bahr führt, will sich zudem weiter mit aggressiven Verkaufsaktionen zurückhalten, um den Gewinn nicht noch stärker zu drücken. Im dritten Quartal habe es bei der größten Konzernmarke Praktiker nur acht Tage lang die Sonderaktion "20 Prozent auf Alles" gegeben und damit nur noch halb so lang wie im Vorjahresquartal, sagte Praktiker-Finanzvorstand Thomas Ghabel am Donnerstag in Kirkel. Im vierten Quartal sollen es noch weniger werden. Trotz der verstärkten Sparbemühungen brach der operative Gewinn um fast ein Drittel - und damit stärker als von Experten erwartet - auf 34,3 Mio. Euro ein.

Zwischen Juli und Ende September litt das Unternehmen vor allem unter einem schwachen Auslandsgeschäft, das rund ein Drittel zum Konzernumsatz beiträgt. Neben der schwierigen Konjunkturlage drückte hier vor allem der starke Euro aufs Ergebnis. Praktiker-Chef Wolfgang Werner sieht daher nach wie vor keinen Grund zum Aufatmen. "Die konjunkturelle Unsicherheit ist trotz manch positiver Signale weiterhin groß. Ein konjunktureller Aufschwung, verbunden mit anhaltend niedriger Inflationsrate und allenfalls moderat steigenden Arbeitslosenzahlen, wäre für den Praktiker Konzern die beste Ausgangsbasis für die Rückkehr in die Erfolgsspur, also für weiteres profitables Wachstum." Dieser Aufschwung könne in Deutschland schon 2010 spürbar werden, in den Auslandsmärkten eher später."

Werner blieb beim Ausblick daher weiter zurückhaltend und bestätigte die Aussagen vom Sommer. Er rechnet auch nach Ablauf von neun Monaten für das Gesamtjahr mit einem moderaten Rückgang des Umsatzes und einem "angemessenen, positiven" operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Unternehmenswerte (EBITA). 2008 hatte Praktiker rund 3,9 Mrd. Euro umgesetzt und operativ 129,1 Mio. Euro verdient. In den ersten neun Monaten sank der Umsatz um 5,0 Prozent auf 2,86 Mrd. Euro. Das EBITA sank um 51 Prozent auf 53,2 Mio. Euro. Dabei fielen die Rückgänge im Ausland deutlich höher aus als im Inland. Unter dem Strich verdiente Praktiker in den ersten neun Monaten 7,5 Mio. Euro und damit 87,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die Konzernspitze will angesichts der nach wie vor schleppend verlaufenden Geschäfte das Geld weiter zusammenhalten. Die Sicherung der Liquidität habe oberste Priorität, sagte Finanzvorstand Ghabel. "Aus diesem Grund werden alle Bestrebungen zur Kostensenkung, zur Begrenzung der Investitionen und zum Abbau der Vorräte unverändert fortgeführt", sagte er. Ende September hatte der Konzern eigenen Angaben zufolge Finanzmittel in Höhe von 500 Mio. Euro, denen Verbindlichkeiten in Höhe von 200 Mio. Euro gegenüberstanden. Damit sei die finanzielle Flexibilität auf hohem Niveau gehalten worden, sagte er. Das Niveau der flüssigen Mittel soll bis Ende des Jahres zwischen 200 und 250 Mio. Euro gehalten werden. Die Investitionen sollen dieses Jahr die Marke von 80 (2008: 117,6) Mio. Euro nicht überschreiten.

Die im MDax notierte Aktie sackte zu Handelsbeginn um bis zu acht Prozent ab. In der ersten Handelsstunde erholte sich das Papier dann etwas und notierte zuletzt noch vier Prozent im Minus bei 9,40 Euro. Das Papier hatte sich allerdings in den vergangenen drei Monaten deutlich besser als die meisten Einzelhandelswerte entwickelt. Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers ein besseres Ergebnis in Deutschland erwartet. Ein Händler sagte, dass Praktiker vor allem beim Gewinn enttäuschte. Beruhigend sei dagegen der bestätigte Ausblick, auch wenn der Aufschwung im internationalen Geschäft "eher später" kommen könnte. Die nächste Unterstützung im Chart liege nun bei 9,00 Euro.

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