Baumarktkette
Hoffnungsschimmer für Max Bahr

Der Betriebsrat von Max Bahr sieht noch eine Chance für das insolvente Unternehmen: Nach wie vor seien zwei Bieter im Rennen, die die Baumarktkette kaufen wollten. So könnten sie dem Schicksal Praktikers entgehen.
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HamburgDie Dortmunder Baumarkt-Kette Hellweg hat die besten Chancen auf die Übernahme des insolventen Konkurrenten Max Bahr. Die Gläubiger des Hamburger Unternehmens sprachen sich am Donnerstag dafür aus, mit dem Konsortium um Hellweg und den ehemaligen Max-Bahr-Chef Dirk Möhrle über die Übernahme von 73 Baumärkten zu verhandeln, wie vier Insider Reuters sagten. Damit könnten 4000 der rund 7000 Arbeitsplätze bei Max Bahr gerettet werden. Bis Ende Oktober sollen die Verträge unterschriftsreif sein.

„Dann schlägt die Stunde der Wahrheit“, sagte einer der Insider. Denn hinter der Finanzierung der Offerte stehe noch ein Fragezeichen. Hellweg verhandelt den Kreisen zufolge mit einer Gruppe von Kreditgebern um die Commerzbank über einen Kredit über 60 bis 65 Millionen Euro. Als Kaufpreis seien mehr als 100 Millionen Euro im Gespräch.

Die Insolvenzverwalter und Hellweg waren zunächst nicht für Stellungnahmen zu erreichen, Praktiker wollte sich nicht äußern.

Hellweg betreibt in Deutschland 85 Baumärkte. Für weitere 50 Max-Bahr-Märkte, die bis vor wenigen Monaten noch unter der Marke Praktiker firmiert hatten, ist die Hoffnung auf Rettung dagegen schon zerstoben. Dort arbeiten bis zu 3000 Menschen. In diesen Märkten dürfte nun - ähnliche wie bei Praktiker - der Ausverkauf starten. Einige von ihnen könnten aber noch einzeln an Konkurrenten verkauft werden, hieß es im Umfeld der Insolvenzverwalter Christopher Seagon und Jens-Sören Schröder. Hellweg und der Konkurrent Globus aus dem Saarland hatten sich ursprünglich für bis zu 130 Märkte aus dem Praktiker -Konzern interessiert. Hellweg habe sein Gebot aber abspecken müssen, hieß es in Verhandlungskreisen.

Der andere Bieter, die Supermarktkette Globus aus dem Saarland, hatte ihre Kaufofferte für Max Bahr zurückgezogen. Sie hatte sich nicht mit dem Vermieter von mehr als 60 Märkten, der britischen Royal Bank of Scotland (RBS), einigen können. Globus hatte der RBS vorgeworfen, höhere Mieten zu verlangen als in der Branche üblich. Hellweg habe sich dagegen mit leichten Mietsenkungen zufriedengegeben, sagte ein Insider.

Globus war laut Verhandlungskreisen ohnehin im Hintertreffen gewesen, weil die Supermarkt-Kette im Familienbesitz so wenig für Max Bahr geboten hatte, dass eine Schließung der Märkte nach dem Ausverkauf für die Gläubiger lukrativer gewesen wäre. Max Bahr - die Kette hatte anders als Praktiker nie auf die verhängnisvolle Billigstrategie gesetzt - war als florierendes Unternehmen 2007 von der früheren Metro-Tochter gekauft worden.
Unterdessen wurde bekannt, dass die Gläubiger der ebenfalls insolventen Muttergesellschaft Praktiker AG völlig leer ausgehen werden. Praktiker-Insolvenzverwalter Udo Gröner habe Anfang des Monats Masseunzulänglichkeit angezeigt, teilte der Vertreter der Anleihegläubiger, Ingo Scholz, am Donnerstag mit. Die sogenannte „Insolvenz in der Insolvenz“ bedeutet, dass das restliche Geld allenfalls noch reicht, um die Verfahrenskosten zu decken, aber nicht, um die Forderungen der Gläubiger wenigstens zum Teil zu erfüllen. Davon betroffen sind vor allem die Zeichner einer 250 Millionen Euro schweren Anleihe, die von Scholz vertreten worden waren. An sie war die Tochter Max Bahr verpfändet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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