Baumarktkette
Praktiker hält trotz Klagen an Sanierungsplan fest

Anleger klagen gegen den Sanierungsplan der darbenden Baumarktkette. Doch die Praktiker-Führung will sich davon nicht beirren lassen. Nun geht der Streit um die Rettung des Händlers vor Gericht.
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HamburgDer angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker will sich durch mehrere Klagen von Aktionären gegen Beschlüsse der Hauptversammlung nicht von seinem Sanierungszeitplan abbringen lassen. "Es gibt im Zusammenhang mit der Hauptversammlung acht Anfechtungsklagen beim Landgericht Saarbrücken", sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag am Unternehmenssitz im saarländischen Kirkel.

Dies sei jedoch kein Grund, einzelne Sanierungsschritte aufzuschieben. Die zuständige Kammer für Handelssachen bestätigte die Zahl der Einsprüche, wollte sich zu Details aber nicht äußern. Am Montag war die Frist abgelaufen, in der Beschwerden bei Gericht eingereicht werden konnten.

Derartige Verfahren dauern in der Regel sechs bis neun Monate - je nachdem, ob die Kammer in die Beweisaufnahme eintritt oder nicht. Solange bleiben die Hauptversammlungsbeschlüsse bestehen. Erst wenn das Gericht ihre Nichtigkeit feststellen sollte, werden sie ungültig und das Unternehmen muss nach Alternativen suchen.

Vorstand und Aufsichtsrat von Praktiker hatten auf dem Aktionärstreffen Anfang Juli in Hamburg einen Sanierungsplan durchgesetzt, der einen 85 Millionen Euro schweren Kredit des Hedgefonds Anchorage vorsieht. Als Pfand soll Anchorage die Praktiker-Tochter Max Bahr bekommen und darüber hinaus mit Hilfe von Optionsanleihen Zugriff auf 15 Prozent der Praktiker-Aktien erhalten. Zudem sollen sich die Aktionäre mit einer Kapitalerhöhung um 60 Millionen Euro an der Rettung des Konzerns beteiligen.

Der Plan war den Haupteignern und zahlreichen Kleinaktionären heftig kritisiert worden. Die Fondsmanagerin Isabella de Krassny, die als Vertreterin der österreichischen Bank Semper Constantia und der zypriotischen Investmentgesellschaft Maseltov rund 15 Prozent der Praktiker-Aktien vertritt, hatte die Kreditbedingungen als Wucher gegeißelt.

Sie stimmte nach stundenlanger Debatte am Ende dem Konzept jedoch zähneknirschend zu, weil auf Druck der Aktionäre zwei Aufsichtsratsmitglieder durch Kandidaten aus ihrem Umfeld ersetzt werden. Dagegen kündigten mehrere Kleinaktionäre Beschwerden gegen einzelne Beschlüsse der Hauptversammlung an.

Die Aktionärsversammlung hatte sich wegen zahlreicher Fragen von Kleinaktionären an Vorstand und Aufsichtsrat sowie Zwischenrufen bis kurz vor Mitternacht gezogen. Das Treffen wurde zudem mehrfach für Beratungen zwischen den beiden Seiten unterbrochen. Hätte sich die Debatte über 24.00 Uhr hinaus hingezogen, wäre eine weitere Hauptversammlung nötig geworden.

Ein alternatives Sanierungsmodell, das die Investoren um de Krassny und den Geschäftsmann Clemens Vedder Ende Juli vorlegten, ließ Praktiker abblitzen. Vorstandschef Kay Hafner begründete dies mit Zweifeln an der Verlässlichkeit der von den Investoren gemachten Zusagen. Zudem fehlten in dem Gegenkonzept 60 Millionen der 210 Millionen Euro, die Praktiker für seine Sanierung brauche. Im Umfeld von Vedder war das Finanzkonzept auf mehr als 200 Millionen Euro beziffert worden; 100 Millionen Euro davon sollten von Banken und Lieferanten kommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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