Baumarktkette
Praktiker steht vor der Pleite

Die Baumarktkette Praktiker ist zahlungsunfähig. Der Vorstand prüft, für welche Teile Insolvenzanträge gestellt werden. Gläubiger hatten neuen Geldspritzen nicht zugestimmt – und hoffen jetzt, glimpflich davonzukommen.
  • 41

Düsseldorf/HamburgDie Baumarktkette Praktiker steht vor der Pleite. Das Hamburger Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitern erklärte am Mittwochabend, Gespräche über die weitere Finanzierung der Sanierung seien gescheitert. Damit sei Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig. Der Konzern hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht, nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war.

Damit führt an der Insolvenz kein Weg mehr vorbei. „Der Vorstand wird für die Unternehmensgruppe prüfen, für welche Gesellschaften der Unternehmensgruppe Insolvenzanträge zu stellen sind und wird so bald wie möglich die Ergebnisse dieser Prüfung veröffentlichen“, hieß es in der Mitteilung.

Die Aktien der Baumarktkette reagierten am Donnerstag mit einem Kursrutsch auf die drohende Insolvenz. Zuletzt brachen die Papiere um rund 70 Prozent auf 0,11 Euro ein, nachdem sie bereits zur Wochenmitte um knapp 20 Prozent abgestürzt waren.

Zumindest eine Teilentscheidung ist offenbar aber bereits gefallen. Die ertragsstärkere Tochter Max Bahr sowie das Auslandsgeschäft sind von der Insolvenz wohl nicht betroffen, hieß es in einem Schreiben des Praktiker-Vorstands an die Mitarbeiter, das der dpa am Mittwochabend vorlag.

Konzernweit hat Praktiker rund 18.000 Mitarbeiter, davon knapp 7000 im Ausland. Der Konzern betreibt nach Firmenangaben fast 430 Bau- und Heimwerkermärkte in neun Ländern, davon über 300 in Deutschland (Hier finden Sie die 168 Praktiker-Filialen auf einer Karte).

Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen, die Sanierung war in vollem Gange. Die Geschäftsentwicklung der Praktiker AG aber sei ins zweite Quartal 2013 hinein durch den schneereichen langen Winter, anhaltend niedrige Temperaturen und einen damit verbundenen massiven Einbruch der Baumarktkonjunktur stark beeinträchtigt worden, schrieb der Vorstand. Dadurch seien die „positiven Effekte“ der Neupositionierung überlagert worden. „Der Konzern geriet dadurch in eine angespannte Liquiditätssituation.“

Die Banken hatten Finanzkreisen zufolge schon am Dienstag signalisiert, dass sie zu weiteren Finanzspritzen für Praktiker nicht mehr bereit seien. „Es hat keinen Sinn mehr, weitere Löcher zu stopfen“, hatte ein involvierter Banker gesagt. Der österreichische Großaktionär Alain de Krassny (Donau Invest) wäre bereit gewesen, noch einmal Geld nachzuschießen.

Praktiker hätte kurzfristig 30 bis 35 Millionen Euro zum Überleben gebraucht. Eigentlich wollte der erst im Herbst 2012 installierte Vorstandschef Armin Burger das Geschäft in diesem Jahr auf ein solides Fundament stellen. Doch schon der Jahresstart verhagelte. Der Konzernumsatz ging in den ersten drei Monaten gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um mehr als zehn Prozent auf 570 Millionen Euro zurück. Der Verlust lag mit 118 Millionen Euro deutlich über dem Vergleichswert von 72 Millionen Euro. Der Konzern setzte 2012 rund drei Milliarden Euro um.

Ursache für die schwachen Zahlen waren für die Heimwerkerbranche der lange Winter und der damit verzögerte Start in die Frühjahrssaison. Doch die fiel wetterbedingt wieder mau aus, die Gartenabteilungen der Baumärkte blieben auf Pflanzen und Gartengerät zunächst sitzen. Praktiker legt seinen nächsten Quartalszahlen Ende Juli vor.

Kommentare zu " Baumarktkette: Praktiker steht vor der Pleite"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @hellboy

    Ha,HA,HA sleten so gelacht

  • In welchem Szenario leben Sie denn?
    Sie verwechseln da wohl was!

    Neid und Missgunst gibt es hauptsächlich in unserer westlichen kapitalistischen Leistungsgesellschaft!
    Sie scheinen noch nicht weit rumgekommen zu sein!
    Sonst wüssten Sie, das die Menschen die nicht dem westlichen Konsumzwang unterworfen sind, viel freundlicher und hilfsbereiter sind als diejenigen in unserer "Zombi-Smarthphone-Dumpfbackengesellschaft!

  • @Vorhersehbar
    Strapazieren sie den Fredi nicht mit so etwas, ich fürchte das versteht er nicht bei seiner ganz links Außen Ansicht.
    Kommunisten können nur Neid und Hetze gegen alle die verbreiten, die durch eigenen Fleiß und Können Erfolgreich sind. Nur auf deren Kosten leben die gerne.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%