Bayreuther Festspiele
Freundeskreis wird weiter bevorzugt behandelt

Die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth hat sich durchgesetzt: Der Freundeskreis der Wagner-Festspiele muss bei seinem Kartenkontingent trotz Kritik des Rechnungshofs keine Abstriche machen. Andere Gruppen sollen dagegen zurückstecken.
  • 0

DÜSSELDORF. Das ist ein Ergebnis der Sitzung des Verwaltungsrats der Festspiele, der sich mit einem Prüfbericht des Bayerischen Obersten Rechnungshof befasste. Der Mäzen-Kreis sichert der Festspielleitung um Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier im Gegenzug finanzielle Hilfe bei Baumaßnahmen zu.

Die Prüfer hatten bemängelt, dass von den 53 900 Karten für die Festspielwochen nur knapp 60 Prozent in den freien Verkauf gehen. Der Rest ist für bestimmte Gruppen reserviert. Das größte Kontingent mit knapp 14 000 Karten bekommt der Freundeskreis mit 5125 Mitgliedern, der den Festspielen regelmäßig Millionensummen spendet.

"In Hinsicht auf die anstehenden Investitionen bleibt das Kontingent der Gesellschaft der Freunde unangetastet", sagte Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl nach der Sitzung dem Handelsblatt. Er ist auch Mitglied des Verwaltungsrats.

Das Festspielhaus ist dringend sanierungsbedürftig. Teile der Fassade bröckeln, es gibt statische Probleme. Zudem soll eine neue Probebühne gebaut werden. "Wäre die Gesellschaft der Freunde nicht da, würden die öffentlichen Haushalte damit überlastet", sagte Hohl. "Wir bleiben Teil der Wagner-Familie", sagte der Vorsitzende des Freundekreises, der frühere bayerische Finanzminister Georg von Waldenfels. Er verspricht sich mehr Transparenz von einem Vertrag, der ab 2012 das Kartenkontingent an die Entwicklung der Mitgliederzahl des Freundeskreises koppeln soll.

Der Verwaltungsrat hat die Festspielleitung beauftragt, die übrigen Kontingente ab 2012 zu überprüfen. So könnte etwa bei den Gewerkschaftskarten oder bei Stipendiaten gekürzt werden. Zudem soll die Festspielleitung besser gegen den Graumarkt, auf dem Karten zu Fantasiepreisen angeboten werden, vorgehen. Sie soll dem Verwaltungsrat neue Ideen vorstellen - etwa, ob die Namen auf den Karten wieder kontrolliert werden können. "Das war eine sehr sachliche Diskussion. Den Kritikpunkten des Rechnungshof wird spätestens ab 2012 spürbar Rechnung getragen", sagte Hohl.

Bis Jahresende sollen die Vorschläge der Leitung stehen. In einem Vierteljahr trifft sich der Verwaltungsrat aus den Vertretern der Festspiel-Eigner Bund, Land, Stadt und Freundeskreis wieder.

Kommentare zu " Bayreuther Festspiele: Freundeskreis wird weiter bevorzugt behandelt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%