Bedarfsplanung mit modernster Software
Des Händlers elektronische Glaskugel

Es gibt Momente im Supermarkt, die Kunden nicht so schnell vergessen: Wenn die Lieblingsmarmelade fehlt, wenn die bevorzugte Biermarke ausgegangen ist oder keine Frischmilch in der Kühltheke steht. Für die Kunden ist das ärgerlich, für Händler kann es sich zur Katastrophe entwickeln.

DÜSSELDORF / MÜNCHEN. Bieten die Supermärkte nicht an, was ihre Kunden verlangen, geht ihnen nicht nur Umsatz verloren. Viele enttäuschte Verbraucher kehren den Läden womöglich für immer den Rücken und füllen ihren Einkaufswagen kurzerhand beim Konkurrenten um die Ecke.

Das kann sich im beinharten Wettbewerb kein Händler mehr leisten. Alle großen Anbieter steuern daher ihre Bedarfsplanung heute mit modernster Software. Der Clou: Die Programme berechnen Prognosen über das Kaufverhalten der Kunden und verteilen die Artikel danach vollautomatisch auf die Filialen.

Von dieser Strategie profitieren junge Softwarefirmen. Als einer der Ersten machte sich Andreas von Beringe Mitte der 90er-Jahre daran, dass Händler mit Hilfe von Software die richtige Ware in ausreichender Zahl in den Regalen haben. Mit seinem Partner, dem Wuppertaler Statistikprofessor Gerhard Arminger, gründete er in der Schweiz die SAF Simulation, Analysis and Forecasting AG. „Heute machen wir für jedes Shampoo und jede Packung Windeln in jeder Filiale blitzschnell eine eigene Verkaufsprognose“, sagt von Beringe. Anbieter wie Forseason, Remira, NCR, Wincor Nixdorf und SAP sind mit eigenen Vorhersage-Werkzeugen nachgezogen.

Das Verfahren ist bei allen Softwarefirmen ähnlich: Grundlage der Planung für jeden einzelnen Artikel sind historische Absatzzahlen in jeder Filiale und an einzelnen Tagen. Die Programme beachten, ob es sich um eine Zeit vor wichtigen Feiertagen handelt oder ob Ferien sind. Zudem fließt in die Absatzprognose ein, ob die Geschäfte im Norden, Süden, in der Stadt oder auf dem Land liegen. Selbst die Wetterentwicklung berücksichtigt ein Großteil der Forecast-Programme. Am Ende berechnet das Warenwirtschaftssystem des Einzelhändlers daraus die optimale Bestellmenge pro Filiale.

Beim Kölner Euro-Handelsinstitut (EHI), das viele der Programme auf Herz und Nieren geprüft hat, sind sich die Forscher einig: „Für Einzelhändler ist so etwas absolut hilfreich“, sagt Softwareexperte Ulrich Spaan. Große Handelshäuser wie Metro, Kaufhof, Karstadt, die Drogeriemarktbetreiber dm oder Müller und neuerdings auch Kaufland haben die Führung bei computergestützten Planungsprogrammen übernommen. Im Mittelstand gibt es jedoch Nachholbedarf. „Leider verlassen sich immer noch allzu viel Ladenbetreiber auf ihre eigenen, rudimentären Verfahren“, sagt Spaan.

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