Bedenken gegen Übernahmepläne von Rhön und Asklepios verunsichern die gesamte Branche
Kartellamt prüft Klinikfusionen

Die steigende Zahl von Krankenhäusern in der Hand privater Konzerne ruft das Bundeskartellamt auf den Plan. Nachdem die Wettbewerbshüter bereits durchblicken ließen, das börsennotierte Rhön-Klinikum am Kauf eines Krankenhauses zu hindern, nehmen sie nun auch die Asklepios Kliniken GmbH ins Visier.

FRANKFURT/M. Ein Sprecher des Kartellamts bestätigte dem Handelsblatt, dass die Behörde die geplante Übernahme der Hamburger Landesbetriebe Krankenhaus (LBK) durch die Asklepios-Gruppe (Volumen: 319 Mill. Euro) einer genauen Fusionskontrolle unterziehen werde.

Ein härteres Vorgehen der Behörde würde auf die gesamte Branche ausstrahlen und andere geplante Privatisierungsprojekte wie den Verkauf der Universitätskliniken in Gießen und Marburg in Frage stellen. Bisher hat sich das Kartellamt kaum für den Krankenhaussektor interessiert. Zwar gilt der Verkauf von Kliniken an private Betreiber mit einem Umsatz von mehr als 500 Mill. Euro als meldepflichtiges Fusionsvorhaben, doch die Wettbewerbshüter winkten diese Privatisierungen stets nach kurzer Prüfung durch. Die Klinikketten hielten sich daher nicht länger mit dem Gedanken auf, dass es kartellrechtliche Bedenken geben könnte.

Das rasante Wachstum der Branche hat das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. In den vergangenen Jahren verbuchten die Klinikketten ausschließlich durch die Übernahme neuer Einrichtungen zum Teil zweistellige Wachstumsraten. Nach Angaben des statistischen Bundesamts gehörten 2002 fast 25 Prozent der rund 2 200 Krankenhäuser in Deutschland privaten Unternehmen. Zehn Jahre zuvor waren es lediglich 15 Prozent. Neuere Daten liegen noch nicht vor, das Privatisierungstempo ist zuletzt noch gestiegen.

Eine dieser schnell wachsenden Klinikketten ist Asklepios; das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr das Rennen um die Privatisierung der LBK gemacht. Durch die mehrheitliche Übernahme der in der LBK zusammengefassten städtischen Krankenhäuser will das Unternehmen den bislang größten privaten Krankenhauskomplex in Deutschland aufbauen.

Das Kartellamt könnte diese Pläne durchkreuzen. Weil es eine marktbeherrschende Stellung der Kette in der Region Hamburg befürchtet, sei inzwischen ein Hauptprüfverfahren eingeleitet worden, sagte ein Sprecher. Die LBK versorgen rund 400 000 Patienten im Jahr und decken damit mehr als die Hälfte der Krankenhausleistungen im Großraum Hamburg ab.



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