"Beherrschendes Oligopol": Kartellamt knöpft sich Benzinmarkt vor

"Beherrschendes Oligopol"
Kartellamt knöpft sich Benzinmarkt vor

Das Bundeskartellamt wähnt ein Oligopol der Tankstellen - und rechnet bald mit entsprechenden Ergebnissen einer Studie, wie Behördenchef Mundt dem Handelsblatt sagte. Er äußerte sich auch über Lebensmittelpreise.
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DüsseldorfDas Bundeskartellamt rechnet im Mai mit Ergebnissen der Untersuchungen des Benzinmarkts in Deutschland. "Wir gehen davon aus, dass die Sektoruntersuchung am Ende unsere Schlussfolgerungen zu einem marktbeherrschenden Oligopol für die Branche untermauert", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt dem Handelsblatt (Montagsausgabe).
Nach Angaben von Mundt sieht sich das Kartellamt die Preissetzung an jeweils 100 Tankstellen in Hamburg, Köln, München und Leipzig "sehr genau" an. Die Wettbewerbshüter gehen dabei der Frage nach ob der Kraftstoff wirklich am Freitagabend teurer, am Montag aber wieder günstiger ist. Oder: Welche Unternehmen sind die treibenden Kräfte?
Mundt ist sich sicher, dass die tiefgehende Marktanalyse Konsequenzen haben wird. Auf die Frage ob Verfahren gegen Kraftstoffkonzerne eingeleitet würden, sagte er: "Ich halte dies nicht für ausgeschlossen."

Der Kartellamtspräsident äußerte sich im Handelsblatt auch über die Lebensmittelpreise. Mundt glaubt nicht daran, dass Lebensmittel in Deutschland tatsächlich - wie immer angenommen wird - im Vergleich zu anderen europäischen Staaten am preiswertesten sind. "Wir haben sicher Wettbewerb um solche Produkte, die wir jeden Tag im Supermarkt kaufen: Milch, Joghurt, Butter. Es gibt aber auch andere Produkte im Sortiment, bei denen wir gewisse Zweifel hegen. Wir haben auch Indikatoren dafür, dass der Wettbewerb nicht generell so lebhaft ist wie wir das bislang alle glaubten" sagte Mundt.

Die Wettbewerbshüter haben deshalb eine groß angelegte Sektoruntersuchung gestartet. Auch die These, Aldi sei, obwohl nicht der größte Lebensmitteleinzelhändler, Preisführer in Deutschland, kommt auf den Prüfstand: "Den Preisdruck durch Aldi sehen wir auch. Aber eben nur für einige Produkte des täglichen Bedarfs und im Niedrigpreissegment. Aldi hat rund 800 Waren im Sortiment, ein großer Edeka-Markt bis zu 50000. Da muss man die Preisführerschaft Aldis schon differenziert sehen," sagte er.

Mundt fürchtet den weiteren Konzebntrationsprozess im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel. Vor gut zehn Jahren hätten sich noch sieben Handelsunternehmen 70 Prozent des Marktes geteilt. "Jetzt haben wir es mit den vier großen Handelskonzernen Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe und Aldi zu tun, die 85 Prozent der Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel auf sich vereinen." Und die Konzentration gehe weiter. Verhältnissen wie in anderen europäischen Ländern, wo oft nur ein oder zwei Konzerne den Markt beherrschen will Mundt auf jeden Fall verhindern. Mundt: "Irgendwann ist es mit den schönen niedrigen Preisen vorbei. Marktmacht kehrt sich ins Gegenteil um."

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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