Bei der Suche nach der Stromversorgung der Zukunft prallen die Interessen von Umweltschutz und Wirtschaft aufeinander
Strombranche braucht neue Kraftwerke

Es geht um sehr hohe Summen: RWE will in den kommenden Jahren drei Mrd. Euro in den Neubau von Kraftwerken investieren, Eon bis zu zwei. Und das ist erst der Anfang. In den kommenden zwei Jahrzehnten dürften bis zu 40 Mrd. Euro in die Modernisierung des deutschen Kraftwerkparks fließen.

DÜSSELDORF. Die Branche muss im großen Stil alte Kohleanlagen ersetzen sowie den Ausstieg aus der Kernenergie ausgleichen – und dabei vor allem eine Frage beantworten: Auf welche Energieträger soll sie setzen? Kohle, Gas oder die erneuerbaren Energien? Oder wird die Kernenergie doch noch eine zweite Chance bekommen?

„Die deutschen Stromversorger haben eine Mammutaufgabe vor sich“, sagt RWE-Vorstandschef Harry Roels. Zusätzlich zu den hohen Ausgaben für neue Kraftwerke seien schließlich auch milliardenschwere Investitionen in die Stromnetze nötig.

Zur Zeit wird der Energiemix klar von Kohle und Kernenergie dominiert. 2003 produzierten die deutschen Stromerzeuger rund 560 Mrd. Kilowattstunden Strom. Braun- und Steinkohle steuerten dabei die Hälfte bei, die Kernenergie mehr als ein Viertel.

Einig sind sich die Energieexperten über den Gesamtbedarf. Bis 2020 sollen rund 40 000 Megawatt an Kraftwerksleistung ersetzt werden, die Hälfte davon in Folge des Atomausstiegs. Das entspricht rund 80 Großkraftwerken und zwei Fünftel der derzeit installierten Leistung von knapp über 100 000 Megawatt. Die ersten Projekte laufen bereits an: Kleinere Kraftwerke sind im Bau, die Pläne für größere sind ausgearbeitet.

Über die Art und Weise gehen dagegen die Meinungen weit auseinander. Es geht nicht nur um Milliarden, sondern auch um Ideologien: Welcher Energieträger verstärkt zum Einsatz kommt, ist nicht zuletzt auch eine politische Frage. Geht es nach Bundesumweltminister Jürgen Trittin wird der Anteil von Wind, Sonne, Wasser und Biomasse an der Stromerzeugung deutlich steigern. Nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz soll er bis 2010 von acht auf 12,5 Prozent zulegen. Bis 2020 will Trittin sogar einen Anteil von 20 Prozent erreichen. Geht es nach Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der aus dem Kohleland Nordrhein-Westfalen kommt, werden Braun- und Steinkohle dagegen auch künftig eine dominierende Rolle spielen.

Zur großen Machtprobe war es bei den Verhandlungen um den ab 2005 geplanten Emissionsrechtehandel gekommen. Trittin wollte das Instrument nutzen, um Kohleverstromung zu verteuern, Clement hielt dagegen. Das Thema „Zukunft der Energieerzeugung“ ist so brisant, dass mehrmals der Bundeskanzler eingreifen musste und die zwei Streithähne sowie die Bosse der großen Energiekonzerne zu sich bat – vom Energiegipfel war die Rede.

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