Beide Parteien einigen sich außergerichtlich
Rewe erhält Schadensersatz von Ex-Chef Berninghaus

Die Kölner Handelsgruppe Rewe erhält von ihrem ehemaligen Vorstandssprecher Ernst Dieter Berninghaus Schadensersatz – nach Rewes Darstellung elf Mill. Euro. Auf eine Beilegung ihres Streits hatten sich beide Parteien am Freitag außergerichtlich geeinigt.

cs DÜSSELDORF. Dem Vergleich war Mitte Juni eine Zivilverhandlung vor dem Landgericht Köln vorausgegangen, bei der das Kölner Unternehmen von dem 39-Jährigen eine Summe von knapp 27 Mill. Euro gefordert hatte.

Bei dem Streit ging es um eine für Rewe teure Übernahme: Im Februar 2000 hatte sich Berninghaus – damals Mitglied der Rewe-Geschäftsleitung – für den Kauf der Siegburger Internetfirma Nexum stark gemacht. Als Rewe das Unternehmen wenig später von dem Schweizer Eigentümer Parabola AG für 25,68 Mill. Euro übernahm, strich Berninghaus ohne Wissen seines Arbeitsgebers aus dem Umfeld des Verkäufers eine Provision von 6,5 Mill. Euro ein. Doch der Neuerwerb erwies sich als Flop, Rewe musste die Tochter 2002 komplett abschreiben.

Erst im Sommer 2004 brachte die Steuerfahndung das Verfahren gegen Berninghaus ins Rollen, der wenige Monate zuvor an die Spitze des Konzerns gerückt war. Die Kölner Behörde hatte Rewe zunächst verdächtigt, durch den Deal Gelder steuerfrei in die Schweiz transferiert zu haben. Als sich dafür keine Belege fanden, richtete sich der Verdacht gegen Berninghaus.

Für die Karriere des einstigen Hoffnungsträgers bedeutete dies das Aus. Aufsichtsratschef Klaus Burghard reiste in die Schweiz, wo sich Berninghaus aus gesundheitlichen Gründen aufhielt, und legte dem Topmanager den Rücktritt nahe.

Der gab zwar inzwischen zu, heimlich 6,5 Mill. Euro für das Geschäft eingestrichen zu haben. Vor Gericht vertraten seine Anwälte aber die Meinung, die Firma Nexum sei zum Zeitpunkt des Kaufs mindestens 25 Mill. Euro wert gewesen. Ein Schadensersatzanspruch, so Berninghaus’ Rechtsbeistand Michael Witzel von der Anwaltssozietät Lovells, habe daher nicht bestanden. Um dies zu belegen, hatte die Kanzlei schon im Juni ein Wertgutachten vorgelegt, dass den Kaufpreis als fair einstufte. Ein zweites – mit derselben Aussage – folgte vor wenigen Tagen. Die Kanzlei Lovells sieht sich nach dem Vergleich in der Einschätzung bestärkt: „Der Vorwurf, die Nexum-Transaktion sei nicht werthaltig gewesen, ist damit vom Tisch“, sagte ein Sprecher.

Tatsächlich orientieren sich die nun vereinbarten Schadensersatzzahlungen nicht an der Höhe des Nexum-Verlustes, sondern an den Geldleistungen, die Berninghaus – teilweise unrechtmäßig – erhalten hat. So leitet er Rewe die Provisionszahlungen über 6,5 Mill. Euro weiter und verzichtet auf seine Abfindung in Höhe von drei Mill. Euro. Der restliche Teil der Summe errechne sich aus Pensionsansprüchen, die man dem Ex-Chef nun gestrichen habe, sagte ein Rewe-Sprecher.

Schon vor der Gerichtsverhandlung im Juni hatte Berninghaus drei Mill. Euro aus dem Provisionserlös an Rewe weitergereicht. Den Rest wollte er damals mit seiner Abfindung verrechnen.

Der Vereinbarung sei eine eidesstattliche Erklärung des ehemaligen Vorstandssprechers über dessen Vermögensverhältnisse vorausgegangen, ließ Rewe mitteilen. Berninghaus’ Anwälte stellten dagegen klar, dass dies nicht gleichzusetzen sei mit einem Offenbarungseid.

Für Berninghaus ist die Sache damit noch nicht beendet. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn – wegen Betrugs und Steuerhinterziehung. Wann es zu einem Prozess kommen wird, ist aber noch unklar.

In diesem Zusammenhang muss auch der ehemalige Metro-Manager Ralf Bender mit einem Verfahren rechnen. Er hatte Berninghaus für den Nexus-Kauf ein Gefälligkeitsgutachten verschafft.

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