Beihilfe zum Datenmissbrauch?
Deutsche Bahn deckt ihre Anwälte

Hartmut Mehdorn hatte absolute Aufklärung versprochen. "Was wir wissen, kommt auf den Tisch und wird selbstverständlich Parlament, Regierung und Aufsichtsrat vorgelegt", sagte der Bahnchef vor wenigen Tagen. Tatsächlich aber bleiben auch in dem nun vorgelegten Zwischenbericht viele Fragen offen - zum Beispiel die, welche Anwaltskanzlei für die Bahn Aufträge zum Bruch des Bankgeheimnisses vergab.

DÜSSELDORF. Die Datenschutzaffäre der Deutschen Bahn erfasst eine der einst renommiertesten Anwaltskanzleien der Republik. Wie die Bahn zugegeben hat, veranlasste sie im Zuge der Korruptionsbekämpfung die Untersuchung von Kontobewegungsdaten, also die Ein- und Ausgänge auf Konten, von Mitarbeitern und beauftragten Firmen im Jahr 2 000. Die Ermittlung solcher Daten ohne Zustimmung der Betroffenen ist nach Auskunft des Deutschen Anwaltsvereins strafbar.

Trotzdem vergab eine von der Bahn eingeschaltete Anwaltskanzlei solche Ermittlungsaufträge an die Privatdetektei Argen in Köln. Welche Kanzlei dafür verantwortlich zeichnete, gehörte bislang zu den wichtigen ungeklärten Fragen. Noch in der vergangenen Woche weigerte sich die Bahn während einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Bundestages, den Namen der Kanzlei zu nennen. Nach Informationen des Handelsblattes aus Bahnkreisen handelt es sich um die frühere Sozietät Oppenhoff & Rädler. Ein Bahnsprecher wollte den Namen weder bestätigen noch dementieren. Argen äußerte sich nicht.

Die Wurzeln von Oppenhoff & Rädler reichen zurück bis ins Jahr 1908, die Kölner Sozietät entwickelte sich zu einer der angesehensten Kanzleien der Republik. Nach mehreren Fusionen ging sie Anfang 2001 in der internationalen Großkanzlei Linklaters auf. Ein Linklaters-Sprecher sagte, man sei erst auf Anfrage des Handelsblattes auf den Vorfall Argen aufmerksam geworden. Inzwischen könne man ausschließen, dass die Sozietät Linklaters oder die heute bei Linklaters tätigen Anwälte jemals mit dieser Sache befasst waren.

Linklaters wollte nicht erläutern, wie sie zu dieser Gewissheit kommt. Tatsache ist, dass sich das Kölner Büro von Linklaters im vergangenen Jahr abspaltete und heute unter Oppenhoff & Partner firmiert. Einige der ehemaligen Oppenhoff & Rädler-Anwälte arbeiten heute für Oppenhoff & Partner.

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