Beispiel USA
Wie ein Fluglotsenstreik im Desaster enden kann

In den USA haben die wenigsten etwas für einen Streik übrig. Das mussten heute vor dreißig Jahren auch die Fluglotsen erfahren, die Präsident Ronald Reagan erbittert bekämpfte. Ein Vorbild für Deutschland?
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DüsseldorfBessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn für den nervenaufreibenden Job im Tower: Die Forderungen der Gewerkschaft der Deutschen Flugsicherung dürfte vielen amerikanischen Kollegen bekannt vorkommen. Einst verlangten auch die US-Fluglotsen von ihrem Arbeitgeber bessere Konditionen. Der Streik ist 30 Jahre her - und ging für die Arbeitnehmer übel aus.

Sommer 1981: Die Verhandlungen der Fluglotsen mit der zuständigen Luftfahrtaufsicht FAA ziehen sich bereits seit Monaten hin. Ohne Ergebnis. Washington will den Forderungen der Gewerkschaft nicht nachgeben: Die Regierung fürchtet einen Präzedenzfall, auf den sich fortan auch andere Angestellte, die bei Post, Flughäfen oder anderswo im öffentlichen Dienst arbeiten, berufen können. Als der engagierte Gewerkschaftsführer Robert E. Poli die Mitglieder der Professional Air Traffic Controllers Association (Patco) zum Streik anstachelt, eskaliert die Situation weiter. Doch Poli fehlt das nötige Kaliber, um die Forderungen der Fluglotsen durchzusetzen: „Er mag ein guter Fluglotse sein, aber als Politstratege ist er völlig überfordert“, sagt ein Gewerkschaftskollege damals dem „Time Magazine“.

Auch andere Gewerkschaften sehen die Streikpläne der Fluglotsen mit Skepsis. Liefern sie US-Präsident Ronald Reagan mit dem Arbeitsausstand womöglich eine Steilvorlage, um härter gegen die Arbeiterbewegung vorzugehen? Zudem hat ausgerechnet die Fluglotsen-Bewegung nur wenige Monate zuvor noch Reagans Wahlkampf unterstützt. Auch sind die Fluglotsen bei anderen Gewerkschaften nicht gerade für ihre solidarische Haltung bekannt: Die Piloten sind auf die Kollegen im Tower beispielsweise noch immer schlecht zu sprechen, weil sie ihnen beim letzten Streik in den Rücken gefallen waren. Poli will den Streik trotzdem - und führt seine Gewerkschaft in den Untergang.

Als die Lotsen am 3. August 1981 die Arbeit niederlegen, hat Reagan leichtes Spiel. Er setzt den Lotsen ein Ultimatum: „Das Gesetz ist eindeutig. Und sie verletzten das Gesetz“, sagt der Präsident in einer Pressekonferenz. Wer binnen 48 Stunden nicht wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehre, werde gefeuert.

Kommentare zu " Beispiel USA: Wie ein Fluglotsenstreik im Desaster enden kann"

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  • Ja genau, Papa Reagan, der alte Atomkriegstreiber - der die Welt an den Rand des Abgrundes gebracht hat - hat das ja gaaanz toll gemacht.

    Ihr seid ja Alle sowas von schlecht. Ihr glaubt jeden Scheiss den irgendwer in der Presse schreibt und schreit Helau.

    Mein Mann ist Fluglotse und sowohl von 25h als auch von 120000€ sowas von weit weg. Er arbeitet 38,5 Stunden in der Woche, hat 29 Tage Urlaub und 8500€ Brutto.

    Er muß mit 55 in die Übergangsversorgung, das haben wir uns nicht ausgesucht...aber man kann diesen Job auch gar nicht viel länger machen.

    Wir bekommen dann 70% von seinem letzten Brutto ohne Zulagen, das ist richtig und er MUSS mit Abschlägen zum frühestmöglichen Zeitpunkt mit 62 in Rente...wenn er sie denn erlebt, denn Fluglotsen sterben weltweit früher als alle anderen. In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Fluglotsen bei 59,8 Jahren. Soviel also zum Thema überbezahlt.

    Jedes Jahr muß er zum Medical und wenn der Doc fündig wird ist er arbeitslos. Welcher normale Arbeitnehmer muß das für sein Leben berücksichtigen. Tinnitus und schon ist ALG angesagt.

    Also mal gaaaanz gepflegt die Fresse halten, wenn man mal wieder keine Ahnung hat!

    Ich hingegen arbeite als Referentin bei einer Versicherung. Ich bin nicht ansatzweise so belastet wie mein Mann und mein Studium ist im Vergleich zu dem was er sich in den Kopf bimsen mußte ein Nichts gewesen. Ich habe regelmäßige Arbeitszeiten und meine Produktivität liegt bei etwa 50% meiner Arbeitszeit. So wie bei allen anderen Kollegen auch ,wird hier viel Zeit "totgeschwäzt". Bei meinem Mann gibt es keinen Leerlauf, wenn der arbeitet dann kommt auch was dabei heraus.

    Wenn ich einen Fehler mache dann kann ich den ggfs. beheben oder vertuschen, geht bei meinem Menne nicht.

    Und ich bekomme 5500€, wie viele andere in vielen Bürojobs mit Studium auch. Gerecht? Sicher nicht. Vor diesem Hintergrund verdienen Fluglotsen noch viel zu wenig.


    Ihr ollen Sozialneider.

  • Die Schlussfolgerung des Artikels erscheint mir seltsam. Wieso kann man Reagans Rezept in Deutschland nicht anwenden? Wir haben es hier mit einer Clique von Leuten zu tun, die halb Europa für ihre egoistischen Ziele als Geiseln nehmen wollen. Ich nenne das Sozialterrorismus. Reagen hat damals den Nagel auf den Kopf getroffen. Doch leider gehört dieser Typ von Politiker der Vergangenheit an.

  • FAA ungleich DFS

    Reagan hatte das Recht auf seiner Seite. Die FAA Lotsen waren Beamte. Die DFS Lotsen sind keine Beamte. Es wäre nett, wenn der Autor diesen Unterschied in seinem Artikel aufgeschrieben hätte. Ob ein Streik der DFS Lotsen, d.h. von Arbeitnehmern einer GmbH, zur Massenentlassung führt, ist offen. Auf jeden Fall kann Fr. Merkel sich nicht wie Hr. Reagan darauf berufen das die DFS Lotsen kein Streikrecht haben.
    Vielleicht sieht die deutsche Lösung nach einem Lotsen-Streik so aus: Die nächste Regierung bei der die FDP auf der Oppositionsbank sitzt erklärt die Flugsicherung wieder zur hoheitlichen Aufgabe und verbeamtet die Lotsen.
    Die FDP protestiert heftig gegen dieses "mehr Staat" und wird in einer Artikelserie der Bild-Zeitung als Rasselbande von Neo-Liber-Clowns lächerlich gemacht.

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