Belastendes Gutachten Küchenhersteller Alno war schon seit 2013 zahlungsunfähig

Über Jahre soll der Küchenhersteller Alno seine Insolvenz verschleppt haben, heißt es in einem Gutachten. Nun sollen ehemalige Manager haftbar gemacht werden.
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Küchenhersteller: Alno war schon seit 2013 zahlungsunfähig Quelle: dpa
Küchenhersteller Alno

In Pfullendorf (Baden-Württemberg) wurde die Insolvenz offenbar künstlich herausgezögert.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDen Verdacht äußerte Insolvenzverwalter Martin Hörmann schon auf der Gläubigerversammlung Anfang Oktober. Nun haben Gutachter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Andersch die Vermutung bestätigt: Der insolvente Küchenhersteller Alno war schon im Jahr 2013 zahlungsunfähig. Selten gab es eine längere Insolvenzverschleppung.

Mit der Ausgabe von  Anleihen im Volumen von rund 45 Millionen Euro hat sich Alno zwar damals noch über Wasser gehalten. Aber er wäre wohl schon zum Zeitpunkt der Ausgabe nicht mehr in der Lage gewesen, sie jemals zurückzubezahlen, stellt sich nun heraus.

Hörmann kündigt in einer Börsenmitteilung an, jetzt Schadensanspräche gegen die Verantwortlichen einzuleiten. Als verantwortlich gilt nicht nur der langjährigen Vorstand Max Müller. Alle seit 2013 eingesetzten Vorstände könnten zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch alle Gläubiger, die sie seither noch mit entsprechendem Druck Zahlungen gesichert haben, müssen damit rechnen, dass der Verwalter diese Zahlungen anficht und das Geld zurückverlangt.

Wer sich bei zahlungsunfähigen Firmen als Gläubiger noch mittels Zwangsmaßnahmen Zahlungen sichert, verschafft sich Vorteile gegenüber anderen Gläubigern und muss das Geld wieder in die Insolvenzmasse einzahlen (Anfechtungsrecht).

Für Aktionäre wird trotzdem nicht viel übrig bleiben. Trotz bestehender Schadensersatz- und Anfechtungsansprüche geht der Insolvenzverwalter nach derzeitigem Kenntnisstand weiter davon aus, dass es in dem Insolvenzverfahren zu keinerlei Ausschüttungen an die Aktionäre kommen wird.

Auch Anleihegläubiger können sich wenig Hoffnung machen. Das spiegelt auch der Anleihekurs wider: Die Anleihe wird derzeit zu 4,3 Prozent ihres Nennwerts gehandelt.

Der Küchenhersteller aus Pfullendorf, einst mit rund 2000 Beschäftigten und gut 600 Millionen Euro Umsatz einer der größten, musste nach einer langen Leidensgeschichte im Juli 2017 Insolvenz anmelden. Im Grunde war Alno schon seit dem Börsengang 1995 ein Sanierungsfall - trotz zahlreicher Managementwechsel.

Seit dem Börsengang schrieb Alno Verluste. Doch weder Zulieferer noch Küchen-Einkaufsverbünde wie Musterhaus MHK oder vermeintliche, aber gut verdienende Retter hatten ein Interesse an einer Pleite - und so lief das Trauerspiel, bis es nicht mehr ging.

Verwalter Hörmann kümmert sich nun um zivilrechtliche Ansprüche. Die Vorgänge haben aber auch strafrechtliche Relevanz. Erst im März gab es mit mehr als 100 Polizisten in den Geschäftsräumen von Alno, bei sechs Tochtergesellschaften und in mehreren Privatwohnungen eine Großrazzia. Vier Staatsanwälte durchforsten nun die sichergestellten Unterlagen und Datenträger. Insolvenzverschleppung ist ein Straftatbestand. Ermittelt wird gegen insgesamt zwölf Personen.

Der Küchenhersteller Alno, ist mit der Pleite allerdings nicht gänzlich am Ende. Unter dem Namen „Neue Alno GmbH“ werden in Pfullendorf in deutlich kleinerem Umfang als früher wieder Küchen hergestellt und geliefert.  In dem riesigen Werksgelände sind insgesamt rund 300 Beschäftigte im Einsatz. Ein Investor hatte in letzter Minute noch einmal Geld in die „Neue Alno“ investiert und die Fortführung gesichert.

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