Bemühungen um ein besseres Image
Für Geldtransporteure gelten bald neue Regeln

Der Heros-Skandal hat schwere Image-Schäden hinterlassen. Jetzt wollen die Geldtransporteure sich neu positionieren. Als zukünftiges Betätigungsfeld gilt das Bargeld-Recycling. Ein riesiger Markt, den die Bundesbank jetzt frei macht.

FRANKFURT. Zwei Jahre nach dem "Heros-Skandal" werben Deutschlands Geld- und Werttransporteure um Vertrauen und bemühen sich um neue Geschäftsfelder. "Was uns noch Sorge macht, sind die Preise. Wir leiden nach wie vor unter dem Preiskrieg, den Heros über die Branche gebracht hat", sagte der neue Vorsitzende der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW), Michael Mewes, vor der Presse. Nach wie vor seien die Preise um 20 Prozent zu niedrig. Mewes appellierte an die Mitgliedsunternehmen: "Wer heute beim Preis zu sehr nachgibt, wird morgen Probleme haben, die neuen Aufgaben zu bewältigen."

Die Heros-Gruppe, die etwa 50 Prozent aller Bargeldtransporte in Deutschland ausführte, stellte Anfang 2006 Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, nachdem Betrugsvorwürfe gekannt geworden waren. Führungskräfte des Unternehmens hatten über 500 Mill. Euro unterschlagen oder veruntreut. Heros-Eigentümer Karl-Heinz Weis wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Der BDGW hat nach eigenen Angaben zurzeit 43 ordentliche Mitgliedsunternehmen mit 79 Niederlassungen und 28 außerordentliche Mitglieder. Der Marktanteil der Mitgliedsunternehmen beläuft sich auf 95 Prozent. Insgesamt beschäftigt die Branche 8 000 Mitarbeiter, davon zwei Drittel im Geldtransport und ein Drittel in der Geldbearbeitung. Im vergangenen Jahr setzte die Branche rund 500 Mill. Euro um.

Mewes erwartet eine weitere Konsolidierung. "Wer in diesem Konzert mitspielen will, wird sich zu einer größeren Betriebseinheit durchringen müssen", sagte er. In den letzten zehn Jahren seien rund 50 Unternehmen ausgeschieden.

Ein neues Geschäftsfeld eröffnet sich für die Geld- und Wertdienstleister mit der "Richtlinie des EU-Parlaments über Zahlungsdienste im Binnenmarkt". Sie wurde im November 2007 veröffentlicht und muss binnen zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. Nach dem Gesetzentwurf werden die Wertdienstleister erstmals in das "Cash-Recycling" eingebunden. Sie können Bargeld auf seine Echtheit prüfen und wieder in den Kreislauf geben. Sie benötigen allerdings eine Erlaubnis als "Zahlungsinstitut" mit eigenen Konten für die Bargeldent- und-versorgung. Voraussetzung für das Banknoten-Recycling ist laut Mewes die Nutzung von Banknoten-Bearbeitungsgeräten, die die Bundesbank erfolgreich getestet hat. Bisher war nur die Bundesbank berechtigt, Banknoten auf Echtheit zu überprüfen. Sie strebt aber künftig nur noch einen Anteil von rund 50 Prozent am Recycling-Volumen an. Das sind jährlich rund zehn Mrd. Banknoten. Der Rest wird professionellen Bargeldakteuren überlassen.

Mit der Richtlinie erkenne die Politik erstmals an, dass die Tätigkeit der Geld- und Wertdienste über die reine Transporttätigkeit weit hinausgehe, sagte Mewes. Neben der rechtlichen Voraussetzung komme es nun darauf an, die praktische Voraussetzung für die Durchsetzung des Cash-Recycling zu schaffen. Die BDGW-Unternehmen seien "bereit, die damit verbundenen Herausforderungen anzunehmen". mak

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