Benko übernimmt Karstadt von Berggruen
Der Nächste, bitte!

Nicolas Berggruen beendet das Kapitel Karstadt. Der gescheiterte Sanierer zieht sich vollständig aus dem angeschlagenen Handelskonzern. Nun übernimmt Investor Rene Benko – der konnte bisher nicht als Retter glänzen.
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Der österreichische Investor Rene Benko übernimmt einem Insider zufolge die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ganz. Der bisherige Eigner Nicolas Berggruen ziehe sich vollständig zurück und gebe auch seine Minderheitsposition bei den Premium- und Sporthäusern der Gruppe auf, erfuhr Reuters am Donnerstag von einer mit der Angelegenheit vertrauten Person. Auch gegenüber dem handelsblatt wurde diese Version bestätigt.

Einem vor einigen Monaten ausgehandelten Deal zufolge werde Benko mit Beginn der kommenden Woche neuer Eigentümer der Karstadt Warenhaus GmbH, in der 83 Karstadt-Filialen gebündelt sind. Grundlage sei eine neu ausgehandelte Vereinbarung, die die vollständige Übernahme vorsehe. Dabei fließe kein Geld. Dies hatte zuvor auch „Spiegel Online“ berichtet. Mit seinem Karstadt-Investment habe Berggruen „geringfügig Geld verdient“, sagte der Insider weiter.

Berggruen war am Donnerstag nicht zu erreichen. Ein Sprecher Benkos lehnte eine Stellungnahme ab. Reuters hatte am Mittwoch aus Branchenkreisen erfahren, der umstrittene österreichische Immobilien-Investor stehe kurz vor der Entscheidung zur Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette. Er habe von Berggruen eine Kaufoption erhalten, über die er bis Ende des Monats entscheiden könne.

Mit einer Übernahme von Karstadt durch Benko könnten Spekulationen um eine Warenhausunion mit dem Konkurrenten Kaufhof wieder aufleben. Der Österreicher hatte sich bereits in der Vergangenheit erfolglos auch um die Metro -Tochter bemüht. Benko ist im deutschen Einzelhandel bereits seit Jahren kein Unbekannter mehr.

Seine Signa Holding besitzt bereits die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns sowie zahlreiche Karstadt-Immobilien. Erst im vergangenen September hatte Benko sich die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und an den Luxuswarenhäusern - dem Berliner KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München - gesichert. Berggruen kontrollierte seitdem nur noch die Mehrheit am operativen Stammgeschäft um die verbliebenen über 80 Warenhäuser.

Benko gilt als gut verdrahtet in Wirtschaft und Politik. Prominente Namen finden sich im Beirat seiner Firma Signa, darunter Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der frühere österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Der Investor ist allerdings nicht unumstritten: In einem Korruptionsprozess in Österreich wurde gegen Benko eine Haftstrafe auf Bewährung verhängt. Der Oberste Gerichtshof in Wien hatte das Urteil jüngst bestätigt. Damit gilt der 37-Jährige als vorbestraft.

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  • Wertes Handelsblatt, also manchmal hab Ihr auch ne Klatsche: seit wann war und ist dieser Herr Berggruen denn "Sanierer"?? Da drehen sich ja alle pikiert um, die das professionell betreiben. B weiß doch gar nicht, was das heißt: ein Unternehmen sanieren.

  • Es ist zum Heulen wie hier mit 17.000 Existenzen umgegangen wird. Das ist spätkapitalistische Dekadenz.
    Warum setzen diese Finanzjongleure ihre - offensichtlich vorhandene - Intellengenz, nicht dafür ein, ein Konzept für das oder die Kaufhäuser der Zukunft zu entwickeln.
    Denn alle Beteiligten wissen, dass Karstadt sie in der Form nicht hat.
    Also wird jetzt bestmöglichst ausgeschlachtet und fallengelassen.
    Das ist nicht nur zum Heulen, das ist kriminell!

  • Schaunmer mal, ob Karstadt zum lehrbuchartigen Fall von lemon squeezing wird.

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