Berggruen gibt Fehler zu
„Das Geld war nicht das Problem von Karstadt“

In einem Interview gesteht der Ex-Investor der Warenhausgruppe Fehler ein. Man hätte „frühzeitiger“ sanieren müssen, so Berggruen. Doch ganz auf sich will er die Schuld nicht nehmen.
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Düsseldorf„Das ist auch mein Fehler“: Der Investor Nicolas Berggruen übt nach seinem Rückzug bei Karstadt auch Selbstkritik. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) gibt er zu, den deutschen Markt unterschätzt zu haben. „Andere Handelsunternehmen aus dem englischsprachigen Raum, etwa Wal-Mart, haben uns gewarnt“. sagt der Ex-Karstadt-Besitzer in dem Gespräch. Doch man habe gedacht, man würde es schaffen. „Aber sie hatten recht: Deutschland ist ein sehr spezieller Markt – das haben wir schmerzlich lernen müssen.“

In dem Interview sagt er auch, dass der Fehler gewesen sei, „ dass wir nicht frühzeitiger und entschiedener bei der Sanierung vorgegangen sind“. Doch die Bedingungen seien schwierig gewesen, so Berggruen. Man habe zugesagt, keine Standorte zu schließen, und dieses Versprechen auch eingehalten. „Aber das hat uns ab 2013 in eine sehr schwierige Situation gebracht“, erklärt Berggruen. Bei einer Sanierung sei es so, dass es am Anfang weh tue, „aber langfristig hilft es“.

Berggruen hatte die insolvente Warenhauskette im Jahr 2010 übernommen. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass er seine Anteile an den österreichischen Investor René Benko verkauft. Berggruen war oft vorgeworfen worden, er habe nicht genug in die Warenhauskette investiert. Im Gespräch mit der „SZ“ geht er auf diesen Vorwurf ein. „Das Geld war nicht das Problem von Karstadt“, so Berggruen. „Mehr Geld von mir hätte deshalb auch nichts geändert.“ Er macht strukturelle Probleme als Grund für Karstadts Krise aus: Die Häuser, die man saniert habe, hätten sich nicht besser entwickelt als Häuser, die man nicht saniert habe.

Ganz auf sich will Berggruen die Schuld daher auch nicht nehmen. Er habe sich mehr als Investor verstanden, sagt er in dem Interview. „Die operative Verantwortung lag beim Management von Karstadt“, erklärt der Deutsch-Amerikaner. Dafür engagiere man Fachleute.

Die Zukunft von Karstadt bewertet Berggruen zweigespalten. Zwar sagt er klar: „Karstadt lebt.“ Doch er stellt auch die Frage, ob es in Zukunft in fast allen deutschen Städten ein Warenhaus geben könne. Die Frage beantwortet er gleich selbst: „Ich habe da inzwischen meine Zweifel.“

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Berggruen gibt Fehler zu: „Das Geld war nicht das Problem von Karstadt“"

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  • Herr Berggruen hat persönlich keinen finanziellen Schaden genommen. Seine Investitionen erfolgten erst nach d. Verkauf von einigen "Filet-Filialen".
    Dieses Geld wurde aber auch nur teilweise eingesetzt.
    Schlimm, schlimm, aber die Gewerkschaft hat wieder einmal nur Löcher in d. Luft geguckt und stellt jetzt Forderungen und lamentiert.
    Hatten wir schon alles unter Middelhoff.
    Also wurden nochmals auf beiden Seiten unternehmerische
    Fehler weiter geführt.
    Die eigentlichen Verlierer sind die korrekten Mitarbeiter
    und die Sozialkassen, die wieder einmal mehr bezahlen müssen ohne Jemanden in Regress nehmen zu können.

  • Das Problem von Karstadt war Berggruen selbst.

    In dem Artikel wird deutlich, dass er bei Fehlannahmen immer von "man habe..." spricht. Richtigerweise sollte er so formulieren, dass es heißt "Ich habe...". Damit würde er dann auch die verbale Verantwortung für das heutige Ergebnis übernehmen. Die Schuld auf das operative Management ist obendrein billig. Als Investor wäre er verpflichtet gewesen, Karstadt umzukrempeln und auf ein solides Fundament zu stellen. Es darf bezweifelt werden, ob dies jemals sein Ziel gewesen ist. Mittel- bis langfristig wird Karstadt nicht überleben!

    Berggruen war da nur eine Zwischenetappe. Allerdings hätte er einen Turnaround einleiten können. Hier hat er kläglich versagt. Leid können einem schon heute die Unternehmen tun, bei denen er künftig einsteigen wird.

    Vielleicht ist es aber auch eine Warnung an die Aktionäre solcher Unternehmen, Verhandlungen mit einem Berggruen abzulehnen!

  • Feld war also nicht das Problem! Warum also die massiven Kürzungen der Mitarbeitergehälter? Wieder waren also die Manager vorsätzlich Schuld!!!

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