Berggruen steigt aus

Benko bestätigt Karstadt-Übernahme

Umbruch bei Karstadt: Der Österreicher René Benko übernimmt alle Warenhäuser. Nicolas Berggruen steigt vollständig aus – und will dafür nicht mal Geld sehen.
Update: 15.08.2014 - 10:51 Uhr 4 Kommentare

Selfmade-Millionär schnappt sich Karstadt

FrankfurtDer österreichische Investor René Benko übernimmt die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ganz. Der bisherige Eigner Nicolas Berggruen ziehe sich vollständig zurück und gebe auch seine Minderheitsposition bei den Premium- und Sporthäusern der Gruppe auf, teilte Benkos Signa Holding am Freitag mit.

Schon Anfang kommender Woche soll der Österreicher die Kontrolle über die 83 Filialen übernehmen. Der Kaufpreis beträgt laut Berggruen Holdings einen Euro.

„Wir machen den Weg frei für einen Neuanfang“, wird Berggruen in einer Mitteilung zitiert. Der Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, Wolfram Keil, betonte: „Wir sind bereits umfangreich bei Karstadt engagiert – somit war die komplette Übernahme der Karstadt Warenhaus GmbH angesichts der aktuellen Lage die logische Konsequenz.“ Signa übernehme damit auch die operative Verantwortung und verschaffe dem Unternehmen Klarheit über die künftige Eigentümerstruktur. Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass im Warenhauskonzern Ruhe einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie zügig beraten, verabschiedet und umgesetzt würden.

Die Signa Holding besaß bisher bereits die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns sowie zahlreiche Karstadt-Immobilien. Erst im vergangenen September hatte Benko sich die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und an den Luxuswarenhäusern - dem Berliner KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München - gesichert. Berggruen kontrollierte seitdem nur noch die Mehrheit am operativen Stammgeschäft um die verbliebenen gut 80 Warenhäuser.

Karstadt kämpft seit Jahren mit Verlusten und sinkenden Umsätzen. Berggruen, Sohn des verstorbenen Mäzens und Kunstsammlers Heinz Berggruen, hatte Karstadt 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen. Damals war er auch von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden. Die Stimmung ist aber umgeschlagen, denn auch Berggruen schaffte es nicht, Karstadt auf Kurs zu bringen.

Der oberste Arbeitnehmervertreter von Karstadt gibt sich kämpferisch. Der Warenhauskonzern habe auch mit Benko eine Zukunft, sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt der Zeitschrift „Textilwirtschaft“ (Freitag) vor der endgültigen Bestätigung der Übernahme. „Wir haben Konzepte für mehr Regionalität und Variabilität, die sich ohne große Investitionen umsetzen ließen“, so Patzelt. „Ich werde versuchen, Benko davon zu überzeugen.“ Benko müsse zeigen, „dass er gewillt ist, in Karstadt umgehend und ausreichend zu investieren“, forderte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied und zuständig für den Handel, am Freitag.

In der kommenden Woche wollte der Karstadt-Aufsichtsrat ursprünglich über einen neuen Sanierungsplan beraten, der nach den Worten der Konzernführung „keine Tabus“ mehr kennen sollte.

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4 Kommentare zu "Berggruen steigt aus: Benko bestätigt Karstadt-Übernahme"

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  • Und ich erinnere mich immer wieder, ich seh es noch vor mir, wie Frau Ursula von der Leyen, übrigens die nächste Kanzlerin, damals freudig mit Herrn Berggruen vor die Kameras trat. Na klar wird jetzt Karstadt filletiert. Sehr schade, hat in manchen großen Häusern eine tolle Gourmetkantine.

  • Man kann's nicht glauben: erst vor kurzen wurde vom Amtsgericht Wien ein Urteil wegen Korruption gegen Benko bestätigt. Nun übernimmt er Karstadt vollständig. Wahrscheinlich wird's noch schlimmer als unter Berggruen. Die "Sahnestückchen" werden "aufgepäppelt" (auf Kosten der anderen Filialen) und dann baldmöglichst mit großem Gewinn veräußert, der Rest geht dann in Insolvenz. Mal sehen wie lange das dauert. Metro kann sich schon mal Gedanken um seinen Kaufhof machen, ob dieser dann noch verkauft werden soll (muß?)

  • Benko wird Karstadt filetieren. Karstadt ist tot!

  • Es ändert alles nichts an der Tatsache das keiner den maroden Laden übernimmt NUR um Geld zu verlieren. Das wäre auch schön blöd aber es wäre auch schön blöd das anzunehmen.

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