Berlin Brandenburg International Ein Airport soll für Aufschwung Ost sorgen

Der Bau des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg International geht zügig voran - und beschert der Region einen Boom. Ausgerechnet in der Wirtschaftskrise gelang es Bauherren und Eignern, eine Finanzierung für das 2,4 Milliarden Euro teure Projekt zu stemmen.
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Diese Computersimulation zeigt den voraussichtlich im Frühjahr 2011 fertiggestellten Außenbereich des Flughafens. Quelle: dpa

Diese Computersimulation zeigt den voraussichtlich im Frühjahr 2011 fertiggestellten Außenbereich des Flughafens.

(Foto: dpa)

BERLIN. Deutschlands derzeit wohl größte Baustelle hat bereits ihr Wahrzeichen. Fast kirchturmhoch und lang wie eine Fußballarena steht als Rohbau der mächtige Gebäuderiegel, der in zwei Jahren das Tor Berlins zur Welt sein soll: das Empfangsgebäude des künftigen Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI).

Nachdem das Projekt jahrelang auf der Kippe stand und die Absicht einer Privatfinanzierung schon vor der Krise scheiterte, läuft zur Halbzeit des Bauprojekts alles nach Plan. Spätestens im Frühjahr 2011 soll der Probebetrieb beginnen, im Oktober dann der reguläre Flugverkehr.

Ausgerechnet in der Wirtschaftskrise gelang es den Bauherren und Flughafen-Eignern - den Bundesländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund - eine Finanzierung für das 2,4 Mrd. Euro teure Projekt zu stemmen. Die Europäische Investitionsbank gewährt ein Darlehen von einer Mrd. Euro, der Rest kommt von einem Bankenkonsortium.

Schon vor dem Zusammenbruch der Lehman-Bank habe diese Finanzierung gestanden, berichtet Rainer Schwarz, Chef der Berliner Flughäfen. Denn die drei Gesellschafter gaben eine hundertprozentige Bürgschaft ab, und die EU ließ sich von diesem Modell überzeugen.

Der neue Hauptstadt-Flughafen ist - vergleichbar dem Münchner Flughafen - mit zwei getrennten Pisten für den Parallelbetrieb ausgestattet. Er startet mit einer Kapazität von 65 bis 70 Starts und Landungen pro Stunde. Stolz ist Schwarz auf einen planungsrechtlichen Schachzug bei den Vorbereitungen: BBI habe im Planfeststellungsverfahren die Genehmigungen für alle weiteren Ausbauten erhalten. Damit könnte der Flughafen von derzeit 27 Mio. auf bis zu 45 Mio. Fluggäste ausgebaut werden.

"Das ist ein Asset, mit dem Berlin ziemlich allein da steht", sagt Schwarz. In der Luftfahrtbranche wird auf Frankfurt verwiesen, wo die Planung der neuen Nord-West-Landebahn in Frankfurt jahrelang von juristischen Querelen überschattet war.

Ein erstes Richtfest hat die Großbaustelle im Süden des ehemaligen DDR-Regierungsflughafens Schönefeld schon hinter sich: Der Kontrollturm der Flugsicherung überblickt bereits das Gelände in voller Höhe von 72 Metern. BBI entsteht praktisch neben dem Flughafen Schönefeld, dessen Südbahn die nördliche Start- und Landebahn des neuen Airports sein wird. Der Beton für die BBI-Südbahn ist bereits zu großen Teilen in den märkischen Sand gegossen.

Auch die unterirdische Infrastruktur des Flughafens ist weitgehend im Rohbau erstellt. Der Flughafen-Bahnhof liegt unmittelbar unter dem zentralen Terminalgebäude. Zu den wenig rühmlichen Vorbereitungen des Projekts gehört auch, dass die Bahnanbindung zur Flughafeneröffnung nur provisorisch funktionieren wird. Im weit verzweigten Berliner Bahnnetz fehlt zunächst noch eine Verbindungskurve. Das wird die schnelle Bahnfahrt von der City zum Airport noch auf Jahre bremsen.

Immerhin, auf der Straße wird BBI vom ersten Tag an großzügig angebunden sein. Noch ragen anschlusslose Autobahnbrücken wie fossile Gerippe in das von Kränen und Baufahrzeugen beherrschte Szenario, doch der Airport wird perfekt an das Straßennetz angeschlossen.

Aus der Luft wird BBI für alle Flugzeugtypen einschließlich des Riesenairbus A380 zugänglich sein. Das Flughafenkonzept mit nur einem Terminal für Linien- und Billigflieger ist bei den Airlines nicht unumstritten. Schwarz will den Airport zudem als "Hub" positionieren, als Drehscheibe zwischen Ost und West. Langstrecken-Ambitionen in Richtung Asien seien aber vor dem Hintergrund der Luftfahrtkrise um ein, "zwei Jahre verschoben".

Den Flughafenmanager beruhigt, dass sich Berlin vom internationalen Rückgang des Passagieraufkommens zumindest teilweise abgekoppelt hat. "Die Hauptstadt entfaltet allmählich ihre Funktion als Regierungssitz", sagt Schwarz. Hinter dem Projekt steht erklärtermaßen auch der Bundesverband der Fluggesellschaften in Deutschland (BDF).

Dem internationalen Trend folgend, plant BBI auch einen Einkaufstempel, der wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen soll. Rund 20 000 Quadratmeter Ladenfläche zwischen Sicherheitskontrolle und den Gates sind geplant. Die glitzernden Konsumtempel sind damit doppelt so groß wie das Shopping-Angebot im Münchener Abflugbereich.

Nicht nur Händler und Gastronomen lockt die Meile. Im Umfeld der Pisten findet ein ganz spezieller Aufschwung Ost auf. Der "Business Park" mit mehr als 100 Hektar Fläche ist Berlins größtes zusammenhängendes Gewerbegebiet. Gebaut wird dort schon an vielen Ecken und Enden. "Wir schaffen pro Tag im und am Flughafen 2,2 neue Arbeitsplätze, 40 000 insgesamt", betont der Flughafen-Chef. "Wir haben inzwischen mehr Arbeitsplätze als Einwohner", bestätigte stolz der Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld, Udo Haase, kürzlich dem "Tagesspiegel".

Im Frühjahr 2010 wird das offizielle Richtfest für BBI gefeiert. Eineinhalb Jahre später dann fällt der Startschuss. Spannend ist die parallele Schließung des Flughafens Tegel und des alten Schönefelder Airports. In einer einzigen Nacht werden beide Anlagen umziehen. Rainer Schwarz sieht es gelassen: Er ist 1992 mit dem Münchener Flughafen von Riem ins Erdinger Moos umgezogen - in nur einer Nacht.

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