Berliner Flughafenchef
Gelbe Karte für Rainer Schwarz

Für ihn ist es so eben nochmal gut gegangen: Der Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz behält seinen Posten. Seine Rolle beim Debakel um den Hauptstadtflughafen wird aber jetzt von externen Prüfern untersucht.
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SchönefeldDer Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz ist noch einmal mit einigen Schrammen davongekommen. Er musste seinen Posten am Donnerstag nicht räumen, obwohl ihn einige Vertreter aus Union und FDP heftig aufs Korn genommen hatten. Was wusste Schwarz wann wirklich über die dramatische Lage auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens? Hätte er den Aufsichtsrat schon im März sagen müssen, dass der Eröffnungstermin 3. Juni nicht zu halten ist?

Der Aufsichtsrat sprach in seiner Sitzung in Schönefeld über diese Fragen intensiv, wie der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, bestätigte. Antworten gab der Vorsitzende Klaus Wowereit (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, aber nicht. Er teilte nur mit, dass die „Haftungsfragen“, die Geschäftsführer Schwarz betreffen, nun von außen untersucht würden. Darauf hatte eine Sonderkommission von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gedrungen. Wirtschaftsprüfer und Anwälte sollen nun bis Ende März Ergebnisse vorlegen. Dann läuft die Galgenfrist für Schwarz ab. Ob es dann mit ihm weitergeht, ist offen.

Der starke Mann des Flughafenprojekts ist seit August ohnehin Horst Amann. Der neue Technikchef hält die Zügel in der Hand und hat dank guter Arbeit am Frankfurter Flughafen einen Vertrauensvorschuss. Er versicherte am Donnerstag, dass beim komplizierten und zeitraubenden Umbau der komplexen Brandschutzanlage „alles im grünen Bereich“ sei. Er sprach auch nicht von Risiken im Zeitplan. Aus seiner Sicht bestehen am Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 keine Zweifel. Dreimal wurde die Inbetriebnahme des neuen Schönefelder Flughafens schon verschoben, insgesamt um zwei Jahre.

Nach all dem Zank um die politische Verantwortung für das Flughafendesaster in den vergangenen Wochen machte Wowereit nach Sitzung ganz auf Harmonie. Einstimmig und einvernehmlich seien die Beschlüsse des Aufsichtsrats gefasst worden. Anders als von manchen beschrieben, habe der Aufsichtsrat stets das Ziel gehabt, „das Unternehmen zu fördern und den Flughafen fertigzustellen“. Die Gesellschafter hätten dem Bundestag und den Parlamenten von Berlin und Brandenburg „einvernehmlich“ empfohlen, die ermittelten Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro freizugeben. Bomba versicherte, damit seien auch seitens des Bundes „keine Bedingungen“ geknüpft.

Am Mittwoch kommender Woche wird sich zeigen, ob der Burgfrieden hält. Dann treffen sich die Etatexperten aller Bundestagsfraktionen im Haushaltsausschuss, um über die von einst 2,4 Milliarden auf inzwischen 4,3 Milliarden Euro gestiegenen Kosten für den Flughafen Berlin Brandenburg zu beraten. Für den Bund geht es jetzt noch einmal um 312 Millionen Euro, die er nachschießen soll. Die wichtigsten Männer aus dem Aufsichtsrat sollen im Ausschuss nochmals Farbe bekennen, zudem Minister Ramsauer.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Berliner Flughafenchef: Gelbe Karte für Rainer Schwarz"

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  • Stimmt genau! Rausschmeissen ohne irgendwelche Abfindung. Was hat der denn Berlin-Brandenburg beschert? Doch nur Milliardenlöcher von dem man sich hier nie wieder erholen wird und einen nicht funktionierenden Flughafen.

  • Gelbe Karte? Nein eine rote Karte her, sofort. Er hat dem Projekt vorsätzlich Schaden zugefügt und dafür noch Boni kassiert. Er muss sofort für den Schaden persönlich mit seinem Vermögen einstehen. Warum weigert man sich von der politischen Seite diesen Mann zu verklagen? Was sind seine "Leichen"?

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