Besucheransturm
"Das Parfüm" belebt die deutsche Kinobranche

Die Verfilmung des Literaturklassikers "Das Parfüm" beschert der kriselnden deutschen Kinobranche in diesem Jahr einen kräftigen Besucherzuwachs. Bereits am ersten Wochenende lockte der Film mehr als eine Million Besucher in die Kinos. Auch die Münchener Produktionsfirma Constantin Film erfreut sich an dem große Zuschauerzuspruch.

GREGORY LIPINSKI | HAMBURG "Ich gehe davon aus, dass der Film locker mehr als drei Millionen Besucher schafft, möglicherweise sogar vier Millionen", sagte Joachim Flebbe, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Cinemaxx-Gruppe. Sie gehört zu den führenden Multiplexbetreibern in Deutschland.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen hatten den Streifen bereits am vergangenen Wochenende mehr als eine Million Menschen gesehen. Er ist mit rund 50 Mill. Euro die teuerste deutsche Kinoproduktion und erzählt die Geschichte eines Frauenmörders nach dem Bestseller von Patrick Süskind. Damit hätte die Kinobranche nach "Ice Age 2", "Da Vinci Code" und "Fluch der Karibik 2" bereits den vierten Kassenknüller, der mehr als drei Millionen Besucher angelockt hat. Solche Filme erhalten den Preis "Goldene Leinwand".

Doch der Streifen dürfte nicht die letzte Goldene Leinwand in diesem Jahr sein. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich auch das Märchen "7 Zwerge - der Wald ist nicht genug" mit dem Komiker Otto Waalkes oder der neue James Bond-Streifen "Casino Royale" zu Kassenknüllern entwickeln könnten. "Ich glaube, die Branche ist wieder auf einem hoffnungsvollen Weg und erholt sich weiter", meinte der Sprecher des Cinemaxx-Konkurrenten Greater Union Filmpalast ("Cinestar").

Bereits in den ersten neun Monaten haben sich die Besucherzahlen nach Angaben des Branchendienstes "Filmecho/Filmwoche" um 5,4 Prozent auf 81,4 (77,2) Mill. erhöht. Der Umsatz der Kinobetreiber kletterte entsprechend um fünf Prozent auf rund 490 (466) Mill. Euro. 2005 hatten die Kinos hingegen noch einen heftigen Besucherrückgang von rund 20 Prozent erlitten. Fraglich ist, ob "Das Parfüm" die Kinobetreiber aus ihrem Ertragstal bringt. "Die deutschen Filmtheater brauchen mindestens zwölf goldene Leinwände, um langfristig überleben zu können", sagte ein Brancheninsider. Wachsender Preisdruck sowie verkürzte Auswertungsfenstern für Kinofilme auf DVD belasten zunehmend den Ertrag der Filmtheater. Vor allem große Multiplexbetreiber wie Cinemaxx stehen unter erheblichem Renditedruck. Der Hamburger Betreiber hatte bereits 2004 wegen kräftig gesunkener Besucherzahlen einen Verlust von knapp zehn Mill. Euro verbucht. Ob sich die Lage verbessert hat, ist unklar. Zahlen für 2005 will die Firma erst am 16. Oktober dem Aufsichtsrat vorlegen.

Erfreut von dem Besucheransturm für den Süskind-Streifen ist die Münchener Produktionsfirma Constantin Film. "Wir hoffen, dass der Film auch an den nächsten Wochenende weiter so erfolgreich ist", sagte eine Firmensprecherin. Ob Constantin-Chef Fred Kogel aber 2006 das Umsatz- und Ertragsziel anhebt, ist noch unklar. "Wir warten die weitere Entwicklung des Films ab", sagte die Firmensprecherin. Das Unternehmen will den Umsatz im laufenden Geschäftsjahr auf 250 (213,8) Mill. Euro und das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf zwölf (10,9) Mill. Euro steigern. Zusätzliche Einnahmen erhofft sich Constantin durch die weitere Vermarktung des Streifens. Denn kurz nach Weihnachten am 27. Dezember soll "Das Parfüm" auch in den amerikanischen Kinos starten.

Analysten rechnen damit, dass der Film den Münchnern 2006 einen Wachstumsschub beschert. "Es könnte einer der erfolgreichsten Geschäftsjahre für Constantin werden", sagte Ralf Marinoni, Analyst bei Equinet. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf und nennt ein Kursziel von 13,50 Euro. Der Kurs war am gestrigen Dienstag um 1,18 Prozent auf 10,90 Euro gesunken.

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