Beteiligungsfonds
Von Misstrauen verfolgt

„Hast Du Dollars in den Taschen, kannst du Firmen hier vernaschen." – Vom Aufstieg der Beteiligungsfonds zu einer neuen Finanzmacht in Deutschland.

FRANKFURT. Am Anfang stand Unverständnis und Ignoranz. Als die ersten angelsächsischen Beteiligungshäuser in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre ihre Brückenköpfe in Deutschland aufbauten, konnte mit dem Begriff „Private Equity“ niemand etwas anfangen. „Es waren fast keine Firmen auf dem Markt. Wenn etwas verkauft wurde, dann fast nur die hoffnungslosen Fälle“, erinnert sich Steven Koltes, Deutschlandchef von CVC Capital Partners.

Die wenigen Private-Equity-Häuser, die damals bereits in Deutschland präsent waren, hatten alle Mühe zu erklären, was sie tun. Das Geschäftsmodell, Unternehmen und Konzernteile zu kaufen, sie innerhalb von drei bis sieben Jahren umzubauen und zu einem höheren Preis zu verkaufen, war in der verflochtenen „Deutschland AG“ etwas Exotisches. „Meist wurde man für einen Banker gehalten, und die hatten nicht den besten Ruf“, sagt Koltes.

Thomas Krenz, Deutschland-Statthalter für den Mega-Fonds Permira, ist ein Pionier der Branche. Er startete 1986 mit einem ersten Fonds mit einem Volumen von heute umgerechnet 65 Mill. Euro – ein geradezu lächerlich kleiner Betrag im Vergleich zu den aktuellen Milliarden-Fonds. Der M&A-Markt in Deutschland war zu dieser Zeit unterentwickelt, eine Infrastruktur mit spezialisierten Banken und Juristen fehlte völlig. „Deutsche Konzerne hatten ein tiefes Misstrauen gegen Private Equity, Mittelständler waren die einzige regelmäßige Verkaufsquelle“ sagt Krenz im Rückblick.

Das Geschäft plätscherte so vor sich hin, bis mit dem Fall der Mauer eine historisch einzigartige Konstellation für die Private-Equity-Häuser entstand. Die Wiedervereinigung löste eine immense Nachfrage nach Kapital aus, die der heimische Markt alleine nicht befriedigen konnte. Und mit der Auflösung der DDR sammelte sich auch das Know-how für die Transaktionen an. „Die Unternehmensverkäufe der Treuhandanstalt waren dafür verantwortlich, dass Finanzinvestoren in Deutschland salonfähig wurden“, sagt Thomas Pütter, Vorstandschef beim deutschen Branchenverband BVK.

Außerdem habe der Generationswechsel in den Vorstandsetagen der Industrie den Prozess beschleunigt. Die MBA-Absolventen brachten die Kapitalmarktdenke in die Lekungsgremien und die Börse fing an, Konglomerate mit einem Malus zu bestrafen. Die Konzentration auf das Kerngeschäft wurde zum Credo der Konzernlenker. „Deutschland hat mit zeitlicher Verzögerung eine Entwicklung nachvollzogen, die andere Länder, vor allem die USA und Großbritannien, längst durchlaufen hatten“, erklärt Wilken von Hodenberg, Vorstandssprecher der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG).

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