Beteiligungsspezialisten sind gut beschäftigt
Feuerwehr-Fonds sanieren Unternehmen

Die steigende Insolvenzwelle in Deutschland ruft immer mehr Beteiligungsfonds auf den Plan, die sich auf Sanierungsfälle oder Unternehmen mit deutlichen Ertragsproblemen konzentrieren. „Gerade im klassischen produzierenden Gewerbe gibt es zahllose Unternehmen mit prima Produkten, die trotzdem kein Geld verdienen“, meint Hans Albrecht, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Nordwind Capital.

MÜNCHEN. Mit einem Fonds, der auf 300 Mill. Euro ausgelegt ist, will Albrecht in den nächsten vier bis fünf Jahren sechs bis zehn Firmen übernehmen. Der Experte für außerbörsliche Eigenkapitalbeteiligungen (Private Equity) will die Firmen umstrukturieren und nach einigen Jahren weiterverkaufen oder an die Börse bringen. Branchenbeobachter sagten am Rande der „Super Return“-Konferenz in München, institutionelle Investoren aus den USA, Europa und Asien hätten sogar 600 Mill. Euro zusagen wollen, der Zeichnungsschluss werde jedoch bei 300 Mill. Euro bleiben.

Albrecht zielt auf Unternehmen, die mindestens 100 Mill. Euro Umsatz erwirtschaften. „Im mittleren Segment des Private Equity-Geschäfts lassen sich noch lukrative Deals finden, bei den großen Übernahmen werden heute abenteuerliche Preise bezahlt“, sagt Albrecht, in dessen Team frühere Banker wie Hans Maret (Sal. Oppenheim) oder ehemalige Industriekapitäne wie Anton Schneider (Deutz) arbeiten. Albrecht leitete zuvor das Europageschäft des US-Investors Carlyle.

Auch Roman Zeller, Geschäftsführer von Alix Partners, sieht in der Sanierungsberatung ein Zukunftsgeschäft. Die deutsche Tochter des US-Konzerns werde beispielsweise von Kreditinstituten wie der Deutschen Bank oder der Citigroup zur Hilfe gerufen, wenn es bei einem Kreditnehmer klemmt. Hinter Alix Partners steht der Beteiligungsfonds Questor, der Kapital für „Firmen unter Stress“ bereitstellt. Von ursprünglich 1,2 Mrd. Dollar seien rund 70 % investiert, der nächste Fonds werde ungefähr eine Mrd. Dollar schwer, erklärt Zeller. Bevorzugte Branchen seien der Maschinen- und Anlagebau sowie der Handel. Ein weiterer Schwerpunkt seien Unternehmen von Private Equity-Fonds, die schlecht laufen. „Die Fonds müssen ihre Portfolios bereinigen, viele Investments sind am Ende ihrer Halteperiode“, sagt Zeller.

Christian Hollenberg vom Spezialfonds Orlando sieht trotz der riesigen Auswahl an Not leidenden Firmen - rund ein Drittel des Mittelstands stehe mit einem Bein in der Insolvenz - nur wenig attraktive Beteiligungsobjekte. „Es gibt nicht viele Firmen mit einem gesunden Kern“, sagt der Krisenexperte. Das Geschäft verlange lokale Expertise, deshalb würden es Newcomer schwer haben, im Markt Fuß zu fassen.

Einig waren sich die Fachleute, dass die hohen Renditen bei Restrukturierungen oft mit deutlichen Jobverlusten erkauft werden.

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