Betreiber sehen vor allem im niedrigen Preissegment noch Wachstumschancen
Private Altenheime hängen Konkurrenz ab

Die kommerziellen Betreiber von Pflegeheimen können ein rasantes Wachstum verbuchen. Börsennotierte Anbieter wie Curanum, Marseille-Kliniken und Maternus erzielten 2004 mit ihren Altenheimen hohe Zuwächse bei Umsatz und Gewinn und werden dafür von der Börse mit kräftigen Kurssteigerungen honoriert.

FRANKFURT/M. Derzeit sind nach Angaben des statistischen Bundesamts etwa 600 000 Menschen in Deutschland in Pflegeeinrichtungen untergebracht. Wegen der zunehmenden Zahl von Single-Haushalten, aber auch wegen der steigenden Lebenserwartung und des damit einhergehenden Demenz-Risikos ist die Tendenz weiter steigend.

„Anders als die Reha-Kliniken sind Pflegeheime unabhängig von der Konjunktur“, sagte Axel Hölzer, Chef der in beiden Bereichen tätigen Marseille-Kliniken auf dem HPS-Gesundheitstag in Frankfurt. Auch den bei Geschäftszahlen eher verschwiegenen Privatunternehmen wie Kursana oder Casa Reha geht es offenbar gut – zumindest wenn man die Inbetriebnahme neuer Einrichtungen als Indiz des wirtschaftlichen Erfolgs wertet.

Etwa ein Drittel der Altenheime in Deutschland werden nach Angaben des Statistischen Bundesamts von privaten Trägern geführt. Die überwiegende Zahl der Häuser gehört jedoch kirchlichen Trägern oder Wohlfahrtsverbänden, die wegen ihres juristischen Status als gemeinnützige Einrichtungen nicht gewinnorientiert arbeiten dürfen.

Ähnlich wie die Krankenhausgruppen Rhön-Klinikum, Helios und Asklepios, interessieren sich auch die größeren Pflegeheimbetreiber weniger für die solventen Selbstzahler als für den Massenmarkt. Die Selbstzahler stellen eher ein Zusatzgeschäft oder aber eine lukrative Nische für Anbieter aus dem Luxussegment dar.

„Etwa die Hälfte der Pflegebedürftigen sind Sozialhilfeempfänger“, erläutert Frank Steinhoff, Geschäftsführer der Maternus-Altenheime. Angesichts des drohenden Kollapses der Pflegeversicherungen verspricht er sich die größten Wachstumschancen von preiswerten Angeboten. Dem pflichtet auch Marseille-Chef Hölzer bei: „Es fehlt in Deutschland an Pflegeeinrichtungen der Zwei-Sterne-Kategorie.“

Kommerzielle und gemeinnützige Senioreneinrichtungen rechnen nach den selben Pflegesätzen ab. Da es für die gemeinnützigen Wettbewerber keinen Anreiz gibt, Renditen zu erwirtschaften, gelingt es professionell gemanagten Privatunternehmen relativ leicht, über Kostenvorteile Gewinne zu erwirtschaften.

Besonders ihre Personalkosten haben die privaten Pflegeheimbetreiber meist besser im Griff als die Non-Profit-Wettbewerber. Die meisten gemeinnützigen Anbieter kommen auf eine Personalkosten-Quote von 60 bis 70 Prozent, wie Helmut Braun vom Kuratorium Wohnen im Alter e.V. (KWA) bestätigt. Private Anbieter kommen dagegen auf eine Quote von 50 Prozent.



Das liegt vor allem daran, dass sich private Betreiber leichter aus dem Bundesangestelltentarif (BAT) lösen können. Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst ist bei den Managern der Branche unbeliebt, weil sich die Höhe der Gehälter nicht am Engagement der Mitarbeiter orientiert, sondern vor allem an ihrem Lebensalter und der Zahl ihrer Kinder.

Thomas Greiner, Geschäftsführer der zur Dienstleistungsgruppe Dussmann zählenden Kursana GmbH, brüstet sich daher damit, dass er die 73 Pflegeeinrichtungen der Gruppe in Deutschland BAT-frei gemacht hat.

„Gute Leute muss man aber auch ohne BAT ordentlich bezahlen“, sagt Maternus-Manager Steinhoff. Trotz steigender Arbeitslosenzahlen fehle es noch immer an Pflegekräften in Deutschland. Allmählich entspanne sich die Lage jedoch etwas. „Immer mehr Krankenhäuser entlassen Personal, das sich dann bei uns bewirbt“, sagt er.

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