Betriebsräte und Aufsichtsräte der Fluggesellschaften beraten am Montag über Zusammenschluss
Air-France-Chef forciert Fusion mit KLM

Am Montag Abend könnte Europa einen neuen Branchenführer im Luftverkehr bekommen. Informierte Kreise in Paris und Amsterdam gehen davon aus, dass die französische Air France und die niederländische KLM auf Betriebsrats- und Aufsichtsratssitzungen ihre Fusion besiegeln. Vor zwei Wochen hatten die beiden Fluggesellschaften entsprechende Sitzungen in letzter Minute abgesagt.

cn PARIS. Allerdings besteht die niederländische Regierung noch auf umfassende Garantien für den Flughafen Amsterdam-Schiphol. Premierminister Jan-Peter Balkenende nannte dies „die Schlüsselfrage“ der Verhandlungen. Die Niederländer befürchten, dass Schiphol im Falle einer Fusion zu Gunsten des Flughafens Charles de Gaulle-Roissy bei Paris Umsatz und Verbindungen verliert.

Die niederländische Regierung ist Mehrheitsaktionär von Schiphol und hält noch 14 % der Anteile von KLM. Dank einer „goldenen Aktie“ kann sie zudem alle strategischen Entscheidungen der KLM-Führung verhindern. Nach einem operativen Halbjahresverlust von 318 Mill. Euro braucht KLM jedoch dringend einen Partner. Fusionen mit Europas Noch-Marktführer British Airways und mit Alitalia scheiterten in letzter Minute.

Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta beschwichtigte. „Der Hub in Amsterdam-Schiphol ist ein Trumpf für die Niederlande, ein Trumpf für Europa, ein Trumpf für KLM. Und für das neue Gemeinschaftsunternehmen wird er ebenfalls ein Trumpf sein“, sagte Spinetta. Der niederländische Premierminister signalisierte Entgegenkommen. Balkenende sagte, seine Regierung stehe einer Fusion positiv gegenüber.

Französische Gewerkschafter gehen davon aus, dass Spinetta die Details des Deals auf der Betriebsratsversammlung Montag Nachmittag bekannt geben wird. Am frühen Abend trifft sich dann der Aufsichtsrat von Air France. Spinetta hat bereits versichert, im Falle einer Fusion würden keine Stellen zusätzlich gestrichen. Dennoch will der Air-France-Chef durch den Zusammenschluss in den kommenden fünf Jahren insgesamt 400 Mill. Euro einsparen.

Geht die Fusion durch, bedeutet das zugleich die Privatisierung von Air France. Das sagte Frankreichs Finanzminister Francis Mer. Der Anteil des Staates würde „automatisch“ von 54 % auf etwa 40 % sinken. Die Hälfte davon will Mer zudem verkaufen, sobald er den Aktienkurs als attraktiv ansieht. Probleme mit der EU-Wettbewerbsbehörde erwarten die Airlines nicht. Die EU-Kommission hat bereits angedeutet, dass sie eine Konsolidierung der europäischen Luftfahrtindustrie begrüßen würde.

Air France und KLM wollen dem Vernehmen nach eine Holding schaffen, an der die Franzosen einen Anteil von 80 bis 85 % halten. Die beiden Marken sollen erhalten bleiben. Analysten wie Martin Borghetto von der US-Investmentbank Morgan Stanley halten eine komplette Fusion mittelfristig wegen sozialer Probleme für nur schwer durchsetzbar.

Durch eine Fusion von Air France mit KLM entstünde die nach Umsatz größte Fluggesellschaft der Welt. Nach geflogenen Kilometern wäre Air-France-KLM die Nummer drei hinter den US-Carriern American Airlines und Continental. Erheblich gestärkt würde zudem die Air-France-Allianz SkyTeam, die mit Marktführer Star Alliance unter Führung der Lufthansa konkurriert. Durch eine Fusion mit Air France dürfte KLM auch seine Allianz-Partner Northwest und Continental ins Sky Team mitbringen.

Immer unwahrscheinlicher wird die mögliche Beteiligung von Alitalia an der Fusion Air France/KLM. Air-France-Chef Spinetta deutet an, er wolle erst nach einer Fusion mit KLM über einen Ausbau der Kooperation mit Alitalia verhandeln. Deren Chef Guiseppe Bonomi sagte daraufhin: „Mir gefällt dieser Zwei- Phasen-Ansatz überhaupt nicht.“ Alitalia und Air France sind durch eine zweiprozentige Überkreuzbeteiligung miteinander verbunden. Zudem ist Alitalia Mitglied von SkyTeam.

Die defizitäre Staatsairline Alitalia befürchtet, links liegen gelassen zu werden. Ministerpräsident Silvio Berlusconi telefonierte vergangene Woche mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Pierre Raffarin und versprach, die Privatisierung von Alitalia zu beschleunigen, wenn Air France eine Dreierfusion mit KLM und Alitalia ins Auge fasst.

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