Betriebsrat
Schlecker-Beschäftigte drohen mit Klagen

Erst die Meldung der Insolvenz, dann die gescheiterte Finanzierung der Transfergesellschaften. Für die Schlecker-Beschäftigten hagelt es Enttäuschungen. Geht es nach der Gewerkschaft, werden sie vor Gericht ziehen.
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StuttgartNach dem endgültigen Aus von Schlecker-Hilfen hat der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz die Kündigungsschreiben an rund 10.000 Mitarbeiter verschickt. Insgesamt müssen etwa 11.200 Mitarbeiter gehen, der Rest habe bereits von sich aus gekündigt, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters.

Die Schlecker-Beschäftigten sind von der Absage der Politik an eine Transferlösung enttäuscht. „Das ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar. Bayern hat sich komplett ausgeklemmt und das, was die FDP gemacht hat, war ein Armutszeugnis“, sagte Schlecker-Gesamtbetriebsrätin Christel Hoffmann am Donnerstag. Zuvor waren Gespräche der Bundesländer über Transfergesellschaften, die die Beschäftigten aufgefangen hätten, gescheitert.

„Der Tag hat uns gezeigt, welche Wertstellung Frauenarbeit in Deutschland hat. Das ist bitter.“ Knapp 10 000 Mitarbeiter erhalten die Kündigung. Nun werde der Einsatz für die verbleibenden Mitarbeiterinnen der insolventen Drogeriekette aus Ehingen weitergehen. Dazu seien in den nächsten Tagen Gespräche mit der Gewerkschaft geplant. „Trotz allem und vielleicht auch gerade deswegen: Wir werden es schaffen“, sagte Hoffmann.

Die Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast forderte eine koordinierte Aktion der Arbeitsagenturen, um den vor der Entlassung stehenden beschäftigten zu helfen. Das Bundesministerien für Wirtschaft und Arbeit müsse „eine zentrale Aktion der Jobcenter organisieren“, verlangte die Grünen-Politikerin. In einer konzertierten Aktion sollte ein Internet-Portal aufgemacht werden, um festzustellen, wo welche Stellen für die betroffenen Frauen frei und welche Qualifizierungen nötig seien. In Nordrhein-Westfalen kündigte die Arbeitsagentur bereits die Gründung eines Spezialisten-Teams für die Schlecker-Beschäftigten an. Spezielle Beratungsfachkräfte seien dafür vorgesehen.

Die Gewerkschaft Verdi warnte die Drogeriekette Schlecker vor einer Welle an Kündigungsschutzklagen. „Wir werden die betroffenen Frauen und Männer rechtlich an die Hand nehmen“, sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Es sei davon auszugehen, dass viele ihre Kündigung prüfen lassen werden. „Potenzielle Investoren werden mit unkalkulierbaren Risiken rechnen müssen.“ Zuvor waren Gespräche der Bundesländer über Transfergesellschaften, die die Beschäftigten aufgefangen hätten, gescheitert.

„Für die Frauen ist das eine Katastrophe und aus meiner Sicht ein Skandal“, sagte Nutzenberger. Den Landesregierungen von Niedersachsen, Bayern und Sachsen hätten sich aus „durchsichtigen ideologischen Gründen vor der sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung für die betroffenen Frauen“ gedrückt, kritisierte die Gewerkschafterin.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft erfüllt zwei Zwecke. Zum einen soll sie den Arbeitnehmern helfen, eine neue Arbeitsstelle zu bekommen. Was insgesamt auf ein Jahr angelegt ist, hätte, davon können wir ausgehen nur wenige Monate gedauert. Für den Insolvenzverwalter bedeutet es aber, dass er sich 11000 Kündigungsschutzklagen hätte ersparen können. Denn mit dem (freiwilligen) Wechsel in die neue Gesellschaft verzichtet der Arbeitnehmer gleichzeitig auf seine Ansprüche gegen Schlecker. Das ermöglicht es dem Insolvenzverwalter das Unternehmen in der verschlankten Form zu verkaufen, wie es für einen Investor nötig ist.
    Die Bürgschaft wäre übrigens nur dann zum Tragen gekommen, wenn Schlecker nicht verkauft worden wäre und der Insolvenzverwalter die Kosten für den neue Gesellschaft nicht hätte aufbringen können. Insofern ist das Verhalten der FDP und jetzt auch der Bundeskanzlerin skandalös. Denn in erster Linie hätte das Geld aus dem Verkauf des Unternehmens fließen müssen.

    Nunmehr muss der Insolvenzverwalter erst die Kündigungsschutzklagen abwarten. Ein Investor wird ein Unternehmen nicht kaufen wollen, wenn er befürchten muss, dass er eigentlich 5000 Arbeitnehmer oder mehr haben wird.
    Die Gewerkschaft Verdi rät daher zum Wohle des Unterenehmens allen Exschleckermitarbeitern dazu nicht zu klagen. Jedoch ist es förmlich spürbar, dass die Sozialauswahl bei 11000 Mitarbeitern nicht wirklich richtig gelaufen sein kann. Aber müssen die entlassenen Mitarbeiter wirklich auf Ihren Lohn oder ggfs. auf ihre Arbeitsstelle verzichten, nur weil dieses für ein paar Monate mehr Unsicherheit im Unternehmen verursacht? Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

  • Eine Transferegesellschaft ist so überflüssig wie ein Krebsgeschwür.

    Bisher ist es noch nicht gelungen zu belegen, dass eine Transferegesellschaft irgend einen Nutzen bei der Wiedererlangung von einem Arbeitsplatz bringt. Das ist doch nur Zeittotschlagen auf staatlich finanziertem Niveau.

    Bayern kann ich sehr gut verstehen nach dem Quelledesaster. Ich erinnere:
    "Wir brauchen 50 Mio. fur den Katalog, dann sind wir gerettet." Phillip Holzman: "ähnliche Aussagen"

    Der Staat kann Beschäftigungsrisiken auf dem Land nicht abfedern, indem er diese Arbeitsplätze subventioniert. Verdi darf ruhig mit Kündigungsschutzklagen drohen. Find ich voll in Ordnung, aber wo kein Geld ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Wenn sich dann potentielle Investoren zurückziehen, liegt das in der Verantwortung von Verdi und dem unserem Rechtssystem. Und 70 Mio. sind kein Pappenstiel, nur um einen Investor zu finden.

    Eine Transferegesellschaft hätte nur dem Insolvenzverwalter ein Erfolgserlebnis auf Kosten der Steuerzahler ermöglicht.

    Also weg mit der scheinheiligen Diskussion.

  • Von welcher (Weiter-)Qualifikation wird konkret gesprochen?

    Welches Produkt über den Scanner gezogen wird, ist doch egal? Welcher Artikel ins Regal geräumt wird, spielt doch auch keine Rolle? Und der Umgang mit Kunden sollte doch auch in jedem Laden derselbe sein.

    Und eine Qualifikation zum Ingenieur, Physiker oder Chemiker wird doch mit Sicherheit nicht im Interesse einer 50ig-Jährigen sein, oder?

    AUßerdem ist es schizophren, vor Monaten über die Bedingungen der Beschäftigten zu klagen und nun über Klagen diese Mißstände aufrecht halten zu wollen, und das auf Kosten der Arbeitnehmer, die eh schon zu viel Lohnsteuer zahlen. Erkläre das mal einer den anderen Drogerie-Angestellten, dass dafür ihr Einkommensteuer drauf geht...

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