Betriebsrat

Streit bei „Ihr Platz“ eskaliert

Verdi wirft dem Betriebsrat von „Ihr Platz“ Untätigkeit vor und bereitet dessen Entmachtung vor. Bei den Mitarbeitern der insolventen Schlecker-Tochter sorgt nicht nur das für große Verunsicherung.
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In immer mehr „Ihr Platz“-Märkten beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiter sind verunsichert. Quelle: dapd

In immer mehr „Ihr Platz“-Märkten beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiter sind verunsichert.

(Foto: dapd)

OsnabrückIm Ringen um eine Zukunftsperspektive für die verbliebenen 4350 Mitarbeiter der insolventen Schlecker-Tochter Ihr Platz ziehen Betriebsrat und Gewerkschaft offensichtlich nicht an einem Strang. Nach eigener Angabe will Verdi im Laufe des Montags ein Amtsenthebungsverfahren zur Absetzung des Betriebrats einleiten. Die Gewerkschaft wirft dem Betriebsrat der Drogeriemarktkette mit Hauptsitz in Osnabrück Untätigkeit und mangelnde Information der Belegschaft vor.

So habe sich der Ihr-Platz-Betriebsrat trotz Aufforderung durch die Gewerkschaft geweigert, am 1. August eine Betriebsversammlung einzuberufen, sagte Annegret Preußer vom Verdi-Fachbereich Handel der Nachrichtenagentur dapd. Dadurch sei es versäumt worden, die verbliebenen 4.350 Mitarbeiter über den Stand des Insolvenzverfahrens und über neue berufliche Perspektiven in einer Transfergesellschaft zu informieren.

„Die Leute wurden überhaupt nicht informiert“, sagte die Gewerkschafterin. „Sie wissen nicht, was Stand der Dinge ist, sie sind total verunsichert“. Ein Großteil der Beschäftigten wüsste nicht, wie es nach dem Aus von Ihr Platz mit ihnen weitergehe. Daher habe sich die Gewerkschaft entschlossen, am Arbeitsgericht Osnabrück ein Antrag auf Amtsenthebung des Betriebsrats zu stellen.

Preußer bestätigte damit einen Zeitungsbericht. Zudem wolle die Gewerkschaft vor Gericht eine einstweilige Verfügung erwirken. In einem Brief, der ihr vorliege, habe der Betriebsrat das Nicht-Einberufen einer Betriebsversammlung mit den Reisekosten der Teilnehmer begründet.

Eine solche Veranstaltung habe „erhebliche Kosten und damit eine Reduzierung der Masse im Insolvenzverfahren zur Folge. Dies könnte wiederum das Zustandekommen der vom Betriebsrat geforderten Transfergesellschaft gefährden“, zitiert die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Onlineausgabe) aus dem Schreiben des Betriebsrats. Ein Argument, das Verdi nicht gelten lassen will. „Da gibt es ja auch andere Möglichkeiten“, sagte Preußer.

Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Kruse zeigte sich auf dapd-Anfrage überrascht von den Vorwürfen und dem sich abzeichnenden Verfahren: „Ich kann das gar nicht erklären. Ich habe keine Nachricht davon“, sagte er. Von den deutschlandweit 480 Ihr-Platz-Filialen ist bislang mehr als die Hälfte verkauft worden.

  • dapd
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  • was noch nachzutragen ist......ip hat die erste insolvenz 2005 ganz ohne verdi gut überstanden......weil der insolvenzverwalter ein herr fox war der sein geschäft versteht..nur die danach eingesetzten "Experten" verkauften dann an nen blinden....an schlecker..das war der tod auf raten........wie werden eigentlich die insolvenzverwalter ausgewählt???......gibt es da einen wettbewerb??? wohl kaum
    sieht mir alles nach monopolstellung aus....

  • tja kruse war noch nie mein freund.....er hat so einiges verschlafen nur um nicht aufzufallen.....hat wohl von kohl gelernt....einfach alles aussitzen.....
    aber die verdi der geht es nun wirklich nicht um die mitarbeiter der geht es nur um macht und schlagzeilen die wollen nun so kurz vorm ende noch vom untergang profitieren....schlecker hatte ja mit verdi zusammen gearbeitet.....man sieht ja was daraus geworden ist.....ip war ein br ohne verdi......und wäre ip nicht von schlecker runtergezogen worden gäbe es ip und auch den br ohne verdi noch.......verdi...das sind nur viele gutbezahlte funktionäre die nicht wirklich was für die mitarbeiter tun......2% mehr lohn im handel.....ein hohn bei diesen löhnen .....es wird zeit dass diese arbeit im handel endlich mal anständig bezahlt wird....verdi nein danke....alles nur show

  • Ja es ist blöd,dass der BR erst jetzt angegriffen wird.
    Jahrelang hat Herr Kruse und Mannschaft sich versteckt, nur auf großes dringen sind sie erschienen.
    Ansonsten heiße Luft....
    Naja aber es ist für uns zu ende, dies war ein "Sterben auf Raten" seit Januar 2012.
    Allen wünsche ich alles Gute Pejuste

  • Schön dass Verdi kurz vor der endgültigen Schließung auch noch aufgewacht ist. Seit Insolvenzantrag am 26.01. hat man nichts von denen gehört, aber jetzt den Betriebsrat attackieren. Vielleicht hätten Sie den früher mal in konstruktiver Weise unterstützen sollen. Aber da wäre mehr Gehirnschmalz gefragt gewesen. Jetzt schnell noch ein bißchen auf medienwirksam machen ist aber viel einfacher.

  • Sehen sie Herr Thomas Kruse wie es ist wenn man nicht informiert ist. Jetzt kennen sie das Gefühl.

  • Sehen sie Herr Thomas Kruse wie es ist wenn man nicht informiert ist. Jetzt kennen sie das Gefühl.

  • Die Sturheit eines sog. Unternehmers, der kein Unternehmer sondern ein Kopie and Paste Manager war, der eine einmal erfolgreiche Strategie, die nur zu einer bestimmten Konstellation in der Zeit passte bis zum erbrechen wiederholte, und die Gewerkschaft Verdi, die mit ihrer PR-Strategie das"Leid" der Schleckerfrauen medienwirksam anprangerte, haben die ohnehin absteigende Marktrelevanz von Schlecker an eine Klippe gebracht, von der Schlecker im freien Fall abstürzte. Die Methoden, die Schlecker im Abwärtsstrudel anwandte waren menschenverachtend, die mediale Ausschaltung durch Verdi aber auch. Insofern hat das Aufstellen von Schlecker an den Medienpranger
    wie ein Abführmittel gewirkt, das tausende von "Schleckerfrauen" ausschied. Auch im Bankrott hat das Medienkarussell dann an der Tränenstation halt gemacht. Die Medien, die gestern noch über Ausbeutung und Sklaverei bei Schlecker schrieb, zeigten jetzt die Frauen, die über Jahrzehnte in Orten, an denen oft gar kein Geschäft mehr war, ein Geschäft führten und offen hielten. Es war so schön und alle hatten ein Auskommen. Der Effekt ist, dass über Geschäfte, die ihre Mitarbeiter hart an den gesetzlichen Möglichkeiten kurz halten und die Grenzen des moralischen Mitarbeiterverhältnisses lange überschritten haben, so schnell nicht mehr breit berichtet werden wird. Die Medien haben verstanden, dass sie Treibsatz in einem Spiel zwischen unmöglichen Unternehmern und unmöglichen Gewerkschaften waren.

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