Betrug bei Autopreis „Gelber Engel“: ADAC rauscht in die Vertrauenskrise

Betrug bei Autopreis „Gelber Engel“
ADAC rauscht in die Vertrauenskrise

Alles korrekt, niemand hat betrogen: So hat sich der ADAC vor wenigen Tagen noch gerechtfertigt. Jetzt muss der Club kleinlaut zugeben, dass die Stimmzahlen gefälscht waren – und wohl nicht nur in diesem Jahr.
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BerlinWas für ein Eklat: Nach Berichten über Manipulationen beim Autopreis des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) hat der zuständige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter Fehler eingeräumt und sämtliche Funktionen und Aufgaben niedergelegt. Der 60-jährige Chefredakteur der ADAC-Mitgliederzeitung „Motorwelt“ hat bei Gesprächen mit der ADAC-Führung am Freitag zugegeben, gefälschte Stimmzahlen bei der Leserwahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ veröffentlicht zu haben, berichtete die „Bild am Sonntag“. ADAC-Sprecher Christian Garrels bestätigte am frühen Sonntagmorgen den Bericht.

Die Zahl der abgegebenen Stimmen sei in der Kategorie Lieblingsauto der Deutschen „geschönt“ und höher dargestellt worden, teilte der Autoclub am Sonntag in München mit. Das Geständnis bezog sich auf die diesjährige Wahl – doch der Skandal könnte noch größere Ausmaße annehmen als zunächst bekannt. Denn die Teilnehmerzahlen zu der Umfrage sollen von Ramstetter über Jahre hinweg nach oben geschönt worden sein. Dies habe ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigt, berichtet das Blatt in seiner Montagausgabe.

Ramstetter, der seit Jahren auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ war, habe - so der ADAC in seiner Mitteilung vom Sonntag - „die alleinige persönliche Verantwortung“ übernommen und alle Funktionen beim ADAC niedergelegt. Obermair kündigte in der „Süddeutschen Zeitung“ eine umfassende Aufklärung an. Wenige Tage zuvor hatte er die Manipulationsvorwürfe noch als „Unterstellungen“ zurückgewiesen. Ramstetter habe seinen persönlichen Fehler zugegeben und sein Fehlverhalten entschuldigt. Er bedauere, der Glaubwürdigkeit des ADAC Schaden zugefügt zu haben.

Die ADAC-Spitze ordnete demnach eine interne Prüfung der Preisvergabe auch in den vergangenen Jahren an. Das könnte jedoch schwierig sein, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. So sollen einige Statistiken „angeblich unmittelbar nach der jeweiligen Preisverleihung vernichtet“ worden sein. Doch: „Auf Nachfrage soll Michael Ramstetter eingeräumt haben, die veröffentlichten Zahlen bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen auch in anderen Jahren weitgehend frei erfunden zu haben.“ Der Betrug soll laut Obermair unentdeckt geblieben sein, weil - so zitiert die Zeitung den Geschäftsführer - Ramstetter dafür gesorgt habe, dass er allein Zugang zu allen Abstimmungsauszählungen gehabt habe.

2015 soll der Leserpreis dann in einem notariell beaufsichtigten Verfahren vergeben werden. Zur umstrittenen Frage, wie viele Teilnehmer bei den Abstimmungen mitmachen, will der ADAC allerdings auch in Zukunft keine konkreten Zahlen nennen. Dafür sehe man keinen Grund, sagte Ramstetter noch am Samstag gegenüber der Zeitung „Euro am Sonntag“.

In einer Pressemitteilung betonte der ADAC am Sonntagmorgen, dass weder die Geschäftsführung noch das Präsidium irgendeinem Zeitpunkt über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl unterrichtet gewesen sind. Ferner weist der Club darauf hin, dass von allen neun Preiskategorien des „Gelben Engel“ lediglich die durch Leserwahl ermittelte Preiskategorie „Lieblingsauto“ von den Vorgängen betroffen ist.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Dienstag unter Berufung auf interne Dokumente des ADAC über Vorwürfe berichtet, wonach die Umfrage unter den Lesern manipuliert wurde. Demnach stimmten deutlich weniger Leser bei der Wahl ab, als vom ADAC offiziell angegeben. Der VW-Golf, der zum diesjährigen Lieblingsauto der Deutschen gekürt wurde, habe zehn Mal weniger Stimmen erhalten als behauptet, berichtete die Zeitung.

Der Eklat sorgt für Unbehagen bei den deutsche Automobilkonzernen. Sie fordern eine vollständige Aufklärung über Fälschungen bei der Vergabe des Autopreises. Ein Sprecher von VW-Chef Winterkorn sagte zu „Bild am Sonntag“: „Die Verantwortung für die Korrektheit der Verleihung seiner Preise trägt allein der ADAC. Glücklicherweise ist der Golf das meistverkaufte Auto in Deutschland und daher ganz unabhängig von Fehlern bei der ADAC-Preisvergabe objektiv das Lieblingsauto der Deutschen. Wir erwarten vom ADAC eine vollständige Aufklärung der Vorgänge. Erst danach können wir entscheiden, wie wir mit dem Preis ‚Lieblingsauto der Deutschen‘ umgehen, dessen Wertigkeit beschädigt ist.“ Bei BMW sieht man das ähnlich. Ein Sprecher: „Wir erwarten vom ADAC eine vollständige Aufklärung der Vorgänge.“ Bei Daimler dagegen hält man sich bedeckt: Vorgänge, die den ADAC betreffen, wolle man nicht kommentieren.

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  • Hallo,
    ich sehe das etwas anders. Von gut 18 Millionen angeschriebenen Mitgliedern, haben wohl nur 10 Tausend abgestimmt, das ist auch nicht sagend. Mir ist wichtig, dass ich auf der Straße geholfen bekomme.

  • Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Gehirnwäsche. Laut politisch angeordnetem Zwangsbeitrag fürs Staatsfernsehen ist dort auch immer eine Lieblingspolitikerin der Deutschen zu erkennen.

  • der adac ist auch in seinen beiträgen viel zu teuer die gleichen leistungen kosten bei der huk als schutzbrief nur 8 eur

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