„Beurger King Muslim“ ist die Antwort französischer Moslems auf McDonald’s und Co.
Wo das Hackfleisch „halal“ ist

Es ist eine dieser betongrauen Pariser Vorstädte. Mehr als 28 000 Menschen wohnen hier, die Hälfte davon ist jünger als 25 Jahre, der Ausländeranteil ist hoch, die Arbeitslosigkeit ebenso. Doch seit kurzem bringt in Clichy-sous-Bois eine neue Geschäftsidee Licht in die Alltagstristesse. Hier, an einer der Ausfallstraßen, eingebettet zwischen zwei Problemvierteln, hat Frankreichs erstes islamisches Fast-Food-Restaurant seine Türen geöffnet: der „Beurger King Muslim“, kurz BKM.

HB CLICHY-SOUS-BOIS.Der Name ist eine Anspielung auf „beur“, eine Bezeichnung für die Nachfahren der aus Nordafrika stammenden Einwanderer. Die sind zahlreich in Clichy-sous-Bois und Umgebung. Auch die Franko-Algerier Magid Mokeddem, Morad Benhamida und Malik Khiter stammen von hier. Sie hatten die Idee zu dem muslimischen Schnellrestaurant à la McDonald’s. „Früher habe ich Autos verkauft, jetzt verkaufe ich Burger“, sagt Mokeddem, mit 43 Jahren der älteste der drei Partner. „Vor einigen Jahren schon dachte ich mir, ein Fast-Food-Restaurant für Muslime, eine Alternative zu McDonalds, das wäre doch eine Marktlücke.“

Diese Lücke füllen nun Produkte wie „Koull Cheese“, „BKM“ und „Bakon Halaal“. Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich zwar nicht von Big Mac und Whopper, doch einen wichtigen Unterschied gibt es: Das Fleisch ist „halal“, stammt also von Tieren, die nach islamischen Vorschriften geschlachtet wurden, und es wird drei Mal am Tag auf seine Qualität kontrolliert. „Als Muslime hatten wir bei McDonald’s und Burger King immer Probleme mit dem Fleisch“, sagt Khiter, der jüngste der drei Jung-Unternehmer. „Wir mussten auf Fisch ausweichen. BKM ist da eine echte Alternative.“

Das sehen auch die Gäste so. Seit der Eröffnung des Restaurants vor einigen Wochen brummt der Laden. 70 Plätze bietet der in Gelb- und Rottönen gehaltene Saal, dazu eine Spielecke und draußen eine kleine Terrasse. Vor allem Familien, aber auch junge Alleinstehende und Paare zieht es hierher. Die 24-jährige Malika ist aus religiöser Überzeugung gekommen: „Es ist das einzige Restaurant, wo ich als praktizierende Muslimin Halal-Fleisch essen kann, das ist etwas Neues und macht Spaß.“ Doch auch Nicht-Muslime sind unter den Gästen: „Es schmeckt einfach“, sagt eine rothaarige Französin. „Wenn ich keine Lust habe zu kochen, komme ich her.“

Hinter der Essensausgabe steht Neilla Oiazene. Die junge Frau trägt eine rot-gelbe BKM-Schürze – und ein Kopftuch. Hier könne sie ihr Tuch aufbehalten, ohne angestarrt zu werden, sagt sie. In der Bäckerei, wo sie sonst noch arbeitet, geht das nicht. „Ich bin lieber hier. Wir sind wie eine große Familie.“

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