Bewegung in den Verhandlungen
„Unwürdiges Schauspiel“ bei Karstadt-Quelle

Der angeschlagene Handelskonzern Karstadt-Quelle verhandelt weiter fieberhaft mit einzelnen Kleinaktionären, um deren Widersprüche gegen die dringend nötige Kapitalerhöhung aus dem Weg zu räumen. Beim geplanten Verkauf der Logistiksparte erlitt der Konzern einen Rückschlag.

HB ESSEN. Karstadt-Quelle-Kleinaktionär Rainer Johannes gibt seinen Widerstand gegen die geplante Kapitalerhöhung des Essener Konzerns nicht auf. „Ich erhalte die Anfechtung weiter aufrecht“, sagte Johannes dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Zuvor hatte Karstadt-Quelle erklärt, der Widerspruch des Kasseler Unternehmensberaters sei aus formalen Gründen unwirksam.

Kommt es zu keiner Einigung, kann die geplante Kapitalerhöhung über 500 Mill. Euro womöglich nicht mehr rechtzeitig über die Bühne gehen. Die Kreditzusage der Banken über 1,75 Mrd. Euro wäre damit fraglich; der Konzern stünde damit nach der Aussage von Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff vor der Insolvenz.

Karstadt-Kleinaktionär Johannes legte sich in der Vergangenheit schon einmal quer, als eine weit reichende Entscheidung anstand: Im Jahr 2002 drohte Johannes, die Einberufung einer Hauptversammlung zu verhindern, auf der der Kauf der Modekette Sinn-Leffers beschlossen werden sollte. Karstadt-Quelle-Vorstand Helmut Merkel räumte den Widerstand aus, indem er Johannes einen Auftrag als Unternehmensberater für den Konzern zukommen ließ. Johannes war 1998 als Filialleiter im Streit bei Sinn-Leffers ausgeschieden. Nachdem er seinen Widerspruch zurückgezogen hatte, konnte der beabsichtigte Kauf beschlossen werden.

Der Konzern kündigte am Mittwoch eine Erklärung zum Stand der Gespräche für Donnerstag an. Sprecher Jörg Howe sagte, den beteiligten Kleinaktionären gehe es „ausdrücklich nicht um Geld“. Bis Freitag müssen die Widersprüche aus dem Weg geräumt sein, um die Kapitalerhöhung und damit das gesamte Sanierungskonzept des Warenhausriesen nicht zu gefährden.

Mit ihren bei der Hauptversammlung am vergangenen Montag eingelegten Widersprüchen blockieren die Aktionäre die dringend benötigte Kapitalerhöhung des Konzerns um 500 Mill. €. Der Vollzug der Kapitalerhöhung ist wegen des drastisch geschrumpften Eigenkapitals überlebenswichtig - und außerdem Voraussetzung für die unter dieser Bedingung zugesagte Verlängerung der Kreditlinien über 1,75 Mrd. € für drei Jahre.

Der Betriebsratsvorsitzende des Essener Konzerns, Wolfgang Pokriefke, ist überzeugt, dass in den Verhandlungen rechtzeitig ein Ergebnis gefunden werden könne. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein paar Kleinaktionäre so verrückt sein können, 100 000 Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzten“, sagte Pokriefke, der auch Mitglied des Karstadt-Quelle-Aufsichtsrats ist. Derzeit laufe ein „unwürdiges Schauspiel“ ab, sagte er. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff hatte sich zuvor ebenfalls optimistisch über eine Lösung des Konflikts geäußert. Er sei sicher, dass fristgerecht ein Einvernehmen mit den oppositionellen Aktionären erzielt werden könne. Middelhoff sagte zudem der „Wirtschaftswoche“, Karstadt werde nicht juristisch gegen die Aktionäre vorgehen. „Die Zeit dazu haben wir ganz einfach nicht.“

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