Bielefelder Mischkonzern
Oetker kommt nicht von der Stelle

Bloß keine Prognose: Nachdem das Geschäftsjahr 2011 holprig angelaufen war, wollte Richard Oetker lieber nichts Konkretes zur weiteren Entwicklung sagen. Heute zeigt sich, dass das gar nicht so verkehrt war.
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Bielefeld/Baden-BadenDer Lebensmittelriese Dr. Oetker hat sein Geschäft mit Pizza und Pudding im vergangenen Jahr kaum ausbauen können. Der Umsatz stieg um lediglich 0,3 Prozent auf knapp 1,95 Milliarden Euro, sagte Unternehmenschef Richard Oetker am Dienstag in Bielefeld. Das Ergebnis sei „befriedigend“. Zahlen nannte er nicht. Immerhin hätten die Deutschen ungebrochen Hunger auf Tiefkühlpizzen oder Paula-Pudding verspürt: Im Heimatmarkt kletterten die Erlöse um 3,3 Prozent auf 676 Millionen Euro, im Auslandsgeschäft sanken sie leicht. Rund 65 Prozent der Umsätze fährt Oetker außerhalb des Heimatmarktes ein.

Das Geschäftsjahr sei geprägt gewesen von Spannungen an den Finanzmärkten und erheblichen Preissteigerungen. Dazu kam der Verkauf der Joghurtsparte Onken, der den Umsatz um rund 56 Millionen Euro gedrückt hat. Mit dem Jahresbeginn 2012 sei man insgesamt zufrieden.

Der Lebensmittelkonzern kündigte an, dass er Marktführer Nestle im milliardenschweren nordamerikanischen Markt für Tiefkühlpizzen verstärkt Konkurrenz machen will. Oetker werde ein neues Werk in Kanada nahe der US-Grenze errichten und von 2014 an Pizzen ausliefern. Wenn das Werk erfolgreich arbeite, solle die Produktion ausgebaut werden, kündigte der zuständige Oetker-Geschäftsführer Martin Reintjes an. „Das Potenzial ist riesig - es handelt sich um den größten Markt für Tiefkühlpizzen weltweit“, betonte er.

Oetker will Nestle teil von US-Pizzamarkt wegschnappen

Dr. Oetker ist bereits seit neun Jahren in Kanada aktiv, seit drei Jahren sammelt das Unternehmen Erfahrungen in den USA. Insgesamt wolle Oetker 2012 zwischen 140 und 150 Millionen Euro investieren - deutlich mehr als die rund 94 Millionen Euro aus dem Jahr 2011. Zudem seien auch Zukäufe möglich, wenn sie zum Geschäft passten, sagte Oetker-Chef Richard Oetker. In den USA gebe es „aktuell aber keinen Ansatzpunkt“.

Expandieren will der Konzern nun auch in den Wachstumsmärkten China und Indien. Im Reich der Mitte geht Oetker mit einem kleinen Werk an den Start, Pizza sei dort eine „relativ neue Gattung“ im Lebensmittelmarkt, sagte Oetker. Zu kämpfen hatte Dr. Oetker im vergangenen Jahr mit steigenden Preisen für Rohstoffe und Energie, der Konzern drehte daraufhin selbst an der Preisschraube. Der Handel musste für Oetker-Produkte im Mittel weltweit rund fünf Prozent mehr zahlen. Für die Verbraucher konnte Geschäftsführer Andreas Unruhe aber Entwarnung für 2012 geben: Im laufenden Jahr rechne Oetker mit einer Stabilisierung bei den Preisen, betonte er.

Im Jahr 2010 hatte das Familienunternehmen einen Umsatz von gut 1,9 Milliarden Euro erzielt - 2010 war das ein Zuwachs von 8,7 Prozent. Schon vor einem Jahr wollte Richard Oetker für 2011 keine Prognose wagen. Er räumte damals ein, dass das Geschäftsjahr mäßig angelaufen sei.

Die Dr. Oetker GmbH ist Teil der Oetker-Gruppe. Dazu gehören Firmen wie die Containerflotte Hamburg Süd, das Bankhaus Lampe, eine Chemiefabrik, die Radeberger- und die Douglas-Gruppe.

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