Bier beim G7-Gipfel
Was Obama wirklich getrunken hat

Lachend prostete Barack Obama mit dem Bierglas von Karg in die Kameras – ein unbezahlbarer PR-Coup für die kleine bayerische Brauerei. Dabei hatte der US-Präsident gar nicht das süffige Weißbier aus Murnau im Glas.
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DüsseldorfFür US-Präsident Barack Obama war es nur ein Routine-Termin. Leutselig hielt er das Bierglas in die Kamera, strahlte mit der Sonne auf dem Marktplatz des bayerischen Dorfs Krün nahe der Zugspitze um die Wette, prostete Angela Merkel zu und nahm einen kräftigen Schluck Weißbier.

Für Franz Schubert dagegen war es wohl der PR-Coup seines Lebens. Denn auf dem Weizenglas prangte unübersehbar das Logo seiner kleinen bayerischen Spezialbrauerei „Karg“ aus Murnau am Staffelsee. 600 Liter seiner obergärigen Spezialität hat Schubert für die Veranstaltung im Rahmen des G7-Gipfels nach Krün geliefert. „Und die waren mittags um ein Uhr schon weg“, erzählt er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Seit einem halben Jahr beliefert Karg das Schloss Elmau mit Weißbier, wo die Staatschefs der sieben größten Industrienationen tagen. Und da der Caterer für das Weißwurstfrühstück auf dem Marktplatz von Krün nur lokale Produkte servieren wollte – von der Wurst über die Brezn bis zum Bier – lag es nahe, Schuberts Brauerei zu beauftragen.

Der Firmenchef persönlich hat das Bier nach Krün geliefert, er wurde anstandslos und rasch durch alle Kontrollen gewinkt. „Das war ein fröhlicher und gemütlicher Vormittag“, berichtet er begeistert.

Dabei durfte Obama das Bier von Karg, das nach Angaben des Firmenchefs „ein leichtes Bananen- und Nelkenaroma“ hat, gar nicht probieren. Denn für den US-Präsidenten war nur alkoholfreies Bier erlaubt – und das hat Karg überhaupt nicht im Angebot. „Deswegen bekam Obama ein Paulaner Weißbier serviert“, so Schubert. Aber er nimmt es mit Humor. „Wir wollten ja den Weltfrieden nicht gefährden, wenn ihm unser Bier so gut schmeckt, dass er einfach sitzen bleibt, statt mit den anderen Regierungschefs zu verhandeln“, sagt er und lacht.

Seit 1912 braut die Familie Karg aus Murnau Bier, der Familienbetrieb wird jetzt schon in der vierten Generation geführt. Vor 35 Jahren traf Franz Schubert eine weitsichtige Entscheidung: Er stellte die Produktion untergärigen Bieres ein und konzentrierte den Betrieb voll auf das obergärige Hefeweizen. Ein damals riskanter Schritt, der aber zum Erfolgsrezept wurde: Entwickelte sich doch das einstige Nischenprodukt zum Trendgetränk.

Kommentare zu " Bier beim G7-Gipfel: Was Obama wirklich getrunken hat"

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  • "..er wurde anstandslos und rasch durch alle Kontrollen gewinkt"

    Er wurde also gewinkt. Na dann, prost...

  • Immer diese Freibiergesichter…

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