Bieterfrist ist abgelaufen
Lufthansa bietet für österreichische AUA

Die geplante Privatisierung der österreichischen Fluglinie Austrian Airlines (AUA) sorgt für internationales Interesse. Als Favorit für den zum Verkauf stehenden Anteil von 42,75 Prozent an AUA, den bisher noch die Staatsholding ÖIAG hält, gilt weiterhin die Lufthansa.

PARIS. Daneben ist Zeitungsberichten zufolge auch die französisch-niederländische Air France-KLM an AUA interessiert. Ferner werden die sibirische Fluglinie S7, Air China, Turkish Airlines und die russische Aeroflot als mögliche Bieter gehandelt.

Der französisch-niederländische Konzern Air France-KLM, der neben der Lufthansa als aussichtsreicher Kandidat gehandelt wird, wollte sich am Morgen nicht äußern. Ein Sprecher von Air China war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar, ebensowenig die zuletzt als Interessent genannte sibirische Fluglinie S7. "Kein Interesse", hieß es hingegen von den Fluggesellschaften Emirates und Aeroflot.

Die Bieterfrist für unverbindliche Angebote für die Beteiligung an Austrian Airlines lief gestern ab. Über die eingegangenen Offerten herrschte offiziell Stillschweigen. Die AUA-Aktie legte am Freitag rund zehn Prozent auf 4,96 Euro zu, notierte damit aber noch mehr als ein Drittel niedriger als vor einem Jahr. AUA wird auf dieser Basis mit rund 400 Mill. Euro bewertet.

Umworben wird AUA vor allem wegen ihres guten Ost-West-Netzwerkes. Die Lufthansa kooperiert bereits sehr eng mit der Fluglinie. Für Air France-KLM ist AUA interessant, weil die Franzosen bisher kein Netz in Osteuropa haben. Die Air-France-Aktie stieg deshalb am Freitag nach Bekanntwerden des Interesses für AUA gut fünf Prozent auf 16,43 Euro.

Die französisch-niederländische Fluggesellschaft ließ eine mögliche Übernahme von dem französischen Finanzberater Lazard prüfen, wie kurz vor Ablauf der Bieterfrist bekannt wurde. Air France wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Vermutlich wird daher erst nach Eingang der verbindlichen Angebote Ende September Klarheit darüber herrschen, ob die Gruppe von Jean-Cyril Spinetta ihr Interesse bestätigt. Auch die Höhe des Angebotes dürfte erst dann bekannt werden.

Air France, seit der Fusion mit KLM die weltweit größte Fluglinie mit mehr 19 Mrd. Jahresumsatz, soll Spekulationen zufolge bereit sein, für AUA tief in die Tasche zu greifen. Der Konzern sucht nach neuen Wachstumsgelegenheiten, seitdem der Verkehr an den Drehkreuzen Paris und Amsterdam abnimmt. Das osteuropäische Netz und die Verbindungen in den Nahen Osten würden die Strecken von Air France-KLM perfekt ergänzen. Interessant ist AUA vor allem deshalb, weil sie auf der Hälfte ihrer Routen keinen ernst zu nehmenden Konkurrenten hat.

Das Rennen mit Lufthansa dürfte allerdings eng werden für Air France. Die Deutschen haben kein Interesse, ihren wichtigsten Konkurrenten in ihr Gebiet eindringen zu lassen. Dann müsste AUA aus der Star Alliance der Lufthansa austreten und zum Skyteam übertreten. Die Lufthansa drohte offenbar schon damit, lukrative Kooperationen zu stoppen, sollte ein Konkurrent die AUA-Aktien bekommen.

Die österreichische Fluggesellschaft transportierte 2007 rund 10,8 Mill. Passagiere und erzielte einen Umsatz von 2,5 Mrd. Euro. Sie verfügt über eine junge Flotte, ist aber mit rund einer Mrd. Euro relativ hoch verschuldet und geriet wegen der hohen Kerosinpreise stark unter Druck. Für das laufende Jahr rechnet sie mit einem Verlust von 70 Mill. Euro bis 90 Mill. Euro.

Die österreichische Regierung hatte am 12. August die vollständige Privatisierung der Fluglinie bekannt gegeben. Bis Ende des Jahres soll der Verkauf des ÖIAG-Anteils von gut 42 Prozent abgeschlossen sein. Die Privatisierung ist allerdings an Bedingungen geknüpft. Eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent soll in österreichischer Hand bleiben. Außerdem soll der Firmensitz in Österreich bleiben und die Fluglinie ihren Namen behalten.

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