Bieterprozess
Medienbranche wirft ein Auge auf Weltbild

Der geplante Verkauf der Weltbild-Gruppe trifft in der Buchbranche auf großes Interesse. Gleich eine ganze Hand voll Kaufinteressenten werden gehandelt: neben dem Buchhandeslkonzern Thalia und der Holtzbrinck-Gruppe steht auch das größte deutsche Medienunternehmen auf der Liste.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Der geplante Verkauf der Augsburger Weltbild-Gruppe durch die katholische Kirche stößt in der Medienbranche auf großes Interesse. Der Buchhandelskonzern Thalia mache sich bereits Gedanken über einen Einstieg, berichten Brancheninsider. Die Tochter des Hagener Handelskonzerns Douglas wollte sich dazu allerdings gestern offiziell nicht äußern. Auch andere große Spieler der Industrie zählen zu den Kaufkandidaten, darunter die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, der das Handelsblatt gehört.

Am Wochenende wurde bekannt, dass die Eigentümer von Weltbild darüber nachdenken, das Unternehmen abzustoßen oder einen Investor an Bord zu nehmen. Wann eine Entscheidung fällt, ist jedoch offen. „Wer die Kirche kennt, der weiß, dass solche Dinge mit großer Ruhe und Sorgfalt geprüft und sondiert werden“, sagte Weltbild-Chef Carel Halff gestern dem Handelsblatt. Die Augsburger Mediengruppe gehört 14 Diözesen und der Soldatenseelsorge Berlin. Mit einem Umsatz von knapp zwei Mrd. Euro und 7 400 Mitarbeitern ist Weltbilder einer der größten Spieler in der deutschen Verlagsbranche. Vergangenes Jahr stiegen die Erlöse des Konzerns um 21 Prozent, zum Gewinn macht Weltbild keine Angaben. Weltbild verdient sein Geld im In- und Ausland mit klassischem Versandhandel per Katalog, mit Internet-Shops, Buchläden und Verlagen.

Bei einem Kauf durch Thalia kämen die zwei größten deutschen Buchhandelsketten unter ein gemeinsames Dach. Unüberwindbare kartellrechtliche Hürden hat Thalia trotzdem nicht zu erwarten. Der Marktanteil würde die kritische Marke von 30 Prozent nicht erreichen, hieß es gestern in Branchenkreisen. Thalia ist mit 224 Buchhandlungen der zweitgrößte Buchhändler in Deutschland nach der DBH, einem Joint Venture von Weltbild und der Münchener Familie Hugendubel.

Thalia fährt seit Jahren einen aggressiven Expansionskurs. Alleine im vergangenen Geschäftsjahr hat Thalia 44 Buchhandlungen übernommen. Weite Zukäufe sind geplant. Der Umsatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz stieg wegen der vielen Übernahmen zuletzt um knapp 17 Prozent auf 429 Mill. Euro.

Zu den Interessenten für Weltbild zählt nach Unternehmensangaben auch die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Die Stuttgarter (Rowohlt, S. Fischer) arbeiten seit Jahren mit Weltbild zusammen. Beide Unternehmen betreiben gemeinsam den Verlag Droemer Knaur in München und den niederländischen Internetbuchhändler Bol.com. Zudem wird Deutschlands größter Medienkonzern, Bertelsmann, in der Branche als Kaufkandidat genannt.

Ob auch Partner Hugendubel einen Einstieg bei Weltbild erwägt, ist offen. Das Unternehmen wollte sich gestern nicht dazu äußern. Die Münchener haben ihre Buchläden in die DBH eingebracht, eine gemeinsame Gesellschaft mit Weltbild. Hugendubel-Chef Maximilian Hugendubel teilte gestern lediglich mit, dass er früh in die Überlegungen der Weltbild-Eigentümer eingeweiht worden sei.

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