Bieterstreit mit US-Bank Citigroup
Immobilienkonzern IVG will Agiv übernehmen

Der Bonner Immobilienkonzern IVG greift nach der insolventen Hamburger Immobiliengruppe Agiv. Die IVG, die zu den größten Unternehmen der Branche in Europa zählt, will die Mehrheit an der Agiv Real Estate sowie deren Tochtergesellschaft Deutsche Real Estate AG übernehmen.

HAMBURG. Bis spätestens Anfang Juni soll im Zuge einer Unternehmensbewertung „ein abschlussfähiges Angebot“ unterbreitet werden. Dies geht aus einem Angebotsschreiben vom 8. April hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

Damit zeichnet sich ein Bieterstreit zwischen der IVG und der amerikanischen Citigroup ab. Denn die weltgrößte Finanzgruppe zeigt ebenfalls seit mehr als einem Monat Interesse an dem Immobilienvermögen der Agiv. Die Amerikaner schielen vor allem auf die Übernahme der Agiv-Töchter Deutsche Real Estate sowie Adler Real Estate. Sprecher der IVG Holding sowie der Agiv wollten hierzu nicht Stellung nehmen. Die Citigroup kommentiert Marktgerüchte nicht.

Schluckt die IVG die Agiv- Gruppe, würde der Bonner Konzern auf einen Schlag sein Immobilienvermögen um rund 400 bis 500 Mill. Euro auf 3,6 bis 3,7 Mrd. Euro aufstocken. Die Gesellschaft hat sich vor allem auf Gewerbe- und Logistikimmobilien konzentriert und im vergangenen Geschäftsjahr das Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 130 auf 202,6 Mill. Euro gesteigert.

Analysten halten einen Einstieg des Bonner Immobilienkonzerns für sinnvoll: „Die IVG ist im selben Segment wie die Agiv tätig. Es ist nur eine Frage des Preises, ob sich ein Einstieg lohnt“, erklärte ein Aktienexperte einer Frankfurter Großbank. Der Kurs der IVG-Aktie legte gestern um 1,35 Euro auf 11,25 Euro zu.

Die IVG will sich im ersten Schritt an der Agiv Holding sowie der Tochter Deutsche Real Estate (Dreag) mit jeweils 90 Prozent beteiligen. In einem zweiten Schritt wollen die Bonner dann die Agiv-Holding auf die Dreag verschmelzen, heißt es in dem Angebotsschreiben. Der Einstieg soll aber nur erfolgen, wenn die finanzierenden Banken auf Forderungen verzichten. Denn die IVG ist nicht bereit, Darlehen von mehr als 340 bis 350 Mill. Euro zu übernehmen. Sie bewertet das Immobilienvermögen der Agiv-Tochter Dreag mit 390 bis 410 Mill. Euro.

Derzeit wächst das Interesse an börsennotierten Immobilienfirmen in Deutschland deutlich. So hat jüngst der US-Fonds Fortress die Gagfah erworben. In die Gagfah hatte die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) ihre Immobilien eingebracht. Fortress will die Firma in den nächsten 18 bis 24 Monaten an die Börse bringen. Entsprechende Anreize setzt der Bund, der ab 2006 offenbar steuerbegünstigte Aktiengesellschaften – so genannte Real Estate Investment Trust (Reits) – zulässt.

Die Agiv-Gruppe war im vergangenen Jahr wegen Mietgarantien in Bedrängnis geraten und meldete im Dezember Insolvenz an. Anfang Februar wurde auf einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen, die Firma zu entschulden und neuen Investoren zu öffnen. Das Unternehmen verbuchte 2002 wegen Abschreibungen auf Aktien des zusammengebrochenen US-Telekom-Konzerns Worldcom einen Verlust von 134 Mill. Euro. Geschäftszahlen der Folgejahre liegen nicht vor.

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