Bilanz des Arbeitsausstandes
Streik kostet Bahn hohe Millionenbeträge

Während die GDL sowohl von neuen Streiks als auch von Verhandlungen spricht, lecken andere ihre Wunden: Der Streik der Lokführer trifft vor allem die Bahn. Doch auch andere Branchen haben mit Verlusten zu kämpfen.
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FrankfurtDer Streik der Lokführer hat die Bahn am Wochenende nach eigenen Angaben erneut viel Geld gekostet, obwohl wenn die Arbeitnehmer ihre Aktion nun schon am Samstagabend vorzeitig beenden. Insgesamt habe der Konzern durch die Arbeitsniederlegungen der Lokführer schon einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe erlitten, so das Unternehmen. „Der Schaden beträgt bislang mehr als 100 Millionen Euro und wird sich auch in dieser Größenordnung in unserer Jahresbilanz niederschlagen“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube der „Bild am Sonntag“. „Vom Imageschaden und Vertrauensverlust der DB ganz zu schweigen“, fügte er hinzu.

Die GDL mutmaßt, die Streiks könnten den Konzern inzwischen mehr kosten als ihre Tarifforderungen – allerdings nannte die Gewerkschaft keine konkreten Zahlen zur Kalkulation. Der Verkehrsökonom Christian Böttger nannte „Focus Online“ die Summe von 35 Millionen Euro pro Jahr. Der Knackpunkt der Tarifverhandlungen ist bislang jedoch nicht die Frage, ob die Lokführer mehr Geld bekommen. Die GDL will auch Tarifabschlüsse für Zugbegleiter verhandeln, worum sich bislang die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft kümmert.

Über führerlose Züge will die Bahn trotz der zuletzt häufigen Streiks der 20.000 GDL-Lokführer nicht nachdenken. Technisch sei das möglich, schon heute führen Hunderttausende Fahrgäste weltweit in fahrerlosen Zügen - etwa in Nürnberg, Paris oder Sao Paulo, sagte der Bahnchef. „Uns geht es aber darum, dass sich unsere Kunden wohlfühlen und ein optimales Sicherheitsgefühl haben. Darum sind Züge ohne Lokführer für uns derzeit kein Thema“, sagte Grube. „Wir sollten dies nicht unter dem Druck eines Streiks diskutieren und schon gar nicht damit drohen“, fügte er hinzu.

Neben der Bahn litten auch viele andere Unternehmen unter einem der längsten Streiks in der Geschichte der Bahn. Das betraf nicht nur auf Güterlieferungen angewiesene Industrieunternehmen, sondern auch die Tourismusbranche. Sie hatte mit abgesagten Stadtführungen und stornierten Hotelübernachtungen zu kämpfen. „Wir haben aus allen Landesteilen und Betrieben von Stornierungen und Nachfragen von Kunden gehört, sagte ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) der dpa. Wie hoch die Einbußen für Hotels und Gaststätten seien, lasse sich aber nicht beziffern.

„Der Streik ist für uns ein großes Ärgernis“, sagte ein Sprecher des Internationalen Congress Centers Dresden. An diesem Wochenende tagt dort die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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  • hallo freudensp.....
    ein mensch mit vornamen bahnchef und sein vorgänger haben mehr schaden im bahngeschäft angerichtet als es diese streikenden jemals könnten

  • Wenn die GDL so etwas HÄTTE, könnte man vielleicht davon ausgehen, daß da jemand ein schlechtes Gewissen bekommen hat...?! Auf dem finanziellen Schaden bleibt auf jeden Fall der Bahnkunde sitzen... oder im Zweifelsfall sowieso der Steuerzahler! ):

  • (...)
    wer zahlt diese "fuhre mist"??
    genau, der bahnkunde und der steuerzahler! BRAVISSIMO!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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