Bilanz-Pressekonferenz
Arcandor verfehlt selbstgesteckte Ziele

Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff bleibt sich bis zum Ende treu. Auch auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz zündete der scheidende Konzernlenker gestern wieder einmal ein Feuerwerk von Nebelkerzen, um eines zu verschleiern: Nicht eines seiner selbstgesteckten Ziele hat der 55-Jährige Finanzjongleur in der Essener Konzernzentrale erreicht.

ESSEN. Trotz der angeblich erfolgreichen Sanierung des Essener Konzerns präsentierte Middelhoff am Ende des Geschäftsjahrs (bis 31. September) einen Verlust von 746 Mio. Euro in den Büchern – bei einem auf 1,2 Mrd. Euro halbierten Eigenkapital.

Vor allem die Karstadt-Warenhäuser, die wegen überbordender Rabattaktionen im vergangenen Geschäftsjahr 272 Mio. Euro (Ebit) verloren, drückten den Konzern tief ins Minus. Aber auch der mäßige Geschäftsgangs des Arcandor-Versandgeschäfts rund um den Kataloghändler Quelle kostete Arcandor Geld.

Nicht einmal das verbesserte Ergebnis aus der voll konsolidierten 52-Prozent-Beteiligung am Touristikkonzern Thomas Cook konnte das Ergebnis retten. 48 Mio. Euro Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit verlor der Konzern, im Jahr zuvor hatte er an dieser Stelle noch ein Plus von 15 Mio. Euro verbuchen können.

Geschönt wird dies alles wieder einmal durch Bilanztricks. Ein Betriebsergebnis (Ebitda) von mehr als 800 Mio. Euro – freilich vor Holdingkosten und außerordentlichen Belastungen - hatte Middelhoff zuletzt für das nun abgelaufene Geschäftsjahr versprochen. Doch die 820 Mio. Euro, die er gestern präsentierte, schaffte er nur durch die Änderung von Bilanzierungsregeln. Ohne die 63 Mio. Euro Gebühren für den Weiterverkauf von Ratenkrediten, die Middelhoff nun erstmals dem Finanzergebnis statt dem Ebitda auflastete, hätte er die 800-Mio.-Marke klar verfehlt.

Auch das Versprechen, im Versandhandel in keinem einzigen Quartal mehr rote Zahlen zu schreiben, war ohne diesen Bilanztrick nicht einzuhalten. Hätte Arcandor die ursprüngliche Bilanzierung beibehalten, wären Quelle und Co im letzten Quartal beim Ebitda mit elf Mio. Euro ins Minus gerutscht.

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