Bilanzskandal beim Möbelriesen Steinhoff stopft die drängendsten Lücken

Nach Wochen der Verhandlungen mit den Geldgebern gibt der in Schieflage geratene Möbelgigant Steinhoff einen Zwischenbericht. Danach ist das Überleben der wichtigsten Konzerntöchter zunächst gesichert.
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Steinhoff: Möbelriese stopft die drängendsten Finanzierungslücken Quelle: Bloomberg
Steinhoff-Tochter Conforama

Der Konzern scheint sein Überleben vorerst gesichert zu haben.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfEs scheint ein mühseliger Prozess zu sein. Seit Mitte Dezember tagen die geldgebenden Banken des von einem Bilanzskandal erschütterten Möbelkonzerns Steinhoff. 10,7 Milliarden Euro schuldet er den Geldhäusern. Jetzt verkündet der Konzern nach vielen kleineren Maßnahmen, dass die Tochtergesellschaften des Konsumimperiums vorerst weiterbetrieben werden können.

Der Verkauf des soeben erst angeschafften Luxus-Firmenjets im Wert von rund 25 Millionen Euro gehörte ebenso zum Programm wie die Veräußerung von Beteiligungen und die Sicherung einer Kreditlinie in Höhe von 115 Millionen Euro. Diese Kreditlinie soll am kommenden Montag eingerichtet werden. Der Vertrag sei schon unterzeichnet. Mit der Methode „Kleinvieh macht auch Mist“ scheint der Konzern nun vorerst das Überleben gesichert zu haben.

Der im MDax gelistete Steinhoff-Konzern mit weltweit 130.000 Beschäftigten und einem für das Geschäftsjahr 2016/17 erwarteten Umsatz von 20 Milliarden Euro war Anfang Dezember ins Wanken geraten. Die Wirtschaftsprüfer hatten sich kurz vor der Bekanntgabe des Geschäftsergebnisses geweigert, die Zahlen zu testieren. Binnen drei Tagen verlor die Aktie fast 90 Prozent ihres Wertes. Kredite, die mit der Aktie besichert waren, wurden von den Banken fällig gestellt. Der langjährige Vorstandschef Markus Jooste musste abdanken.

Zu Steinhoff gehören große Möbelketten wie Poco in Deutschland, Kika/Leiner in Österreich und Conforama in Frankreich. Mit Zukäufen wie der Matratzenkette Mattress Firm in den USA und der Billigkaufhauskette Poundland im Jahr 2016 scheint sich der verschachtelte Konzern überhoben zu haben. Nach außen aber präsentierte er bis zuletzt glänzende Zahlen. Diese müssen nun über Jahre zurück neu aufgestellt werden.

Die wirksamste Geldspritze bislang war nach einem am Freitag nachmittag vorgelegten Zwischenbericht wohl der Verkauf von Aktien der südafrikanischen Beteiligungsgesellschaft PSG. Daraus allein erlöste der Konzern umgerechnet 480 Millionen Euro. Die südafrikanische Mutter zahlt mit dem Geld nun teure Kredite in Höhe von 200 Millionen Euro vorzeitig zurück. Die Firmen-Töchter hatten diese teilweise untereinander zu hohen Zinsen weiterverliehen. Hinzu kommt etwa der Verkauf einer Beteiligung am französischen Online-Portal Showroom Privé zu 78 Millionen Euro. Erst im Mai 2017 hatte die Steinhoff-Tochter Conforama diese Beteiligung zum doppelten Preis erworben. Auch der Kauf der US-Matratzenfirma, für den Steinhoff laut Geschäftsbericht vier Milliarden Euro aufgenommen hatte, erwies sich im Nachhinein als weit überteuert. Hier ist nun eine Kreditlinie von 75 Millionen US-Dollar gesichert, die bereits auch voll ausgenutzt wird.

Ein unabhängiger südafrikanischer Branchenanalyst, Syd Vianello, glaubt nicht, dass die jetzt eingeleiteten Refinanzierungsmaßnahmen reichen: „Banken wollen ihr Geld sehen, und das schnell“, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Steinhoff wird noch größere Firmenverkäufe einleiten müssen.“

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