Bildungswesen in Kalifornien
US-Unis ergreifen Notmaßnahmen

Um der Rezession Herr zu werden, plant Gouverneur Arnold Schwarzenegger drastische Sparmaßnahmen – betroffen sind vor allem Schulen und Universitäten. An den kalifornischen Hochschulen regiert daher der Rotstift: Die Finanzkrise hält die Institute seit langem im Griff – jetzt wollen sie das Schlimmste verhindern.

BERKELEY/DÜSSELDORF. Glaubt man den Visionen ihrer Gründer, steht Kaliforniens Universitäten eine leuchtende Zukunft bevor. „Es werde Licht“ lautet das Motto der University of California (UC), einer der wenigen öffentlichen Bildungseinrichtungen weltweit, die mit privaten Eliteunis mithalten können. Geht es jedoch nach den Sparplänen des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger, wird es in den Hörsälen der UC in Berkeley, Los Angeles und San Francisco, bald zappenduster.

Auf das kalifornische Bildungswesen rollt eine beispiellose Kürzungswelle zu, welche die wichtigste US-Ökonomie in den kommenden Jahren empfindlich schwächen könnte. „Wir sind die Titanic, und wir sinken“, verdeutlicht George Marcus, Mitglied im UC-Verwaltungsrat den Ernst der Lage. Durch die Rezession brechen Kaliforniens Steuereinnahmen weg, deswegen will der Gouverneur 15 Milliarden Dollar einsparen, neun Milliarden davon bei Schulen und Universitäten.

Im Haushalt der UC, die an zehn Standorten knapp 200 000 Studenten ausbildet, klafft deshalb bis Juli 2010 eine Lücke von 813 Millionen Dollar. Die hochrenommierte Forschungsuniversität muss eine zwanzigprozentige Kürzung der Staatsmittel verschmerzen, aus denen sie den akademischen Betrieb zu drei Fünfteln bestreitet. Auch an der zweitwichtigsten Hochschule, der California State University (CSU), regiert der Rotstift: die CSU muss eine Kürzung von 584 Millionen Dollar verkraften.

Der finanzielle Aderlass zwingt die Unis zu drakonischen Notmaßnahmen. Die Professoren der CSU müssen ab August monatlich an zwei Tagen umsonst arbeiten. Die UC verordnet ihren Angestellten und Hochschullehrern in den nächsten beiden Semestern sogar zwei bis drei Wochen unbezahlten Zwangsurlaub. „Kein Akademiker kann es sich leisten, einfach drei Wochen die Arbeit zu verweigern“, sagt ein Professor an der UC Berkeley, der renommiertesten kalifornischen Universität. „Dieser Zwangsurlaub ist nichts weiter als eine Gehaltskürzung.“ Anders sieht es bei den Angestellten aus. Wenn Hausmeister, Bibliothekare und Büropersonal zu Hause bleiben, schlägt das auf die Lehrveranstaltungen durch. Die Studenten müssen durch die Kürzungen mit weniger Kursen, volleren Hörsälen und Einschränkungen bei wichtigen Dienstleistungen rechnen.

In Kalifornien droht eine bildungspolitische Zeitenwende. Denn die Kürzungen gefährden das 1960 im Hochschul-Masterplan gegebene Versprechen des kalifornischen Staates, jedem Schulabgänger unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten einen Platz im dreigliedrigen Universitätssystem anzubieten. Seit 1960 ist den besten 12,5 Prozent der Schulabgänger ein Platz an der UC sicher, das erste Drittel eines Jahrgangs kann mit der Zulassung an der CSU rechnen und die California Community Colleges nehmen so gut wie alle Bewerber an.

Dieses System gerät nun in Gefahr: um die drohenden Haushaltskürzungen abzufedern, wurden die Studiengebühren, die an der UC bisher knapp ein Drittel der Einnahmen sichern, bereits um sieben Prozent und für das kommende Jahr erneut um neun Prozent erhöht. An der CSU, mit 440.000 Studenten an 23 Standorten die größte US-Universität, löst man die Finanzprobleme noch pragmatischer. In den nächsten zwei Jahren werden 40.000 Studienplätze gestrichen und bis August 2010 gar keine neuen Studenten mehr aufgenommen.

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