Billig-Konkurrenz setzt Bäckereien zu
Großer Preiskampf um kleine Brötchen

Das Weizenbrötchen für zwölf Cent oder 1,29 € für ein Mischbrot: Der Billigboom setzt nun auch den Bäckereien in Deutschland zu. In Fußgängerzonen schießen Selbstbedienungsläden mit Backwaren zu Niedrigpreisen aus dem Boden und greifen die umsatzstärksten Filialen der traditionellen Handwerksbetriebe an - die Brötchen bekommt der Kunde nicht von der Verkäuferin, sondern mit einer Zange aus einer Box aus Plexiglas.

HB/dpa BERLIN/DÜSSELDORF. Rund 250 Backdiscounter haben laut Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks inzwischen in Ballungszentren eröffnet. Die Preisbrecher wollen weiter expandieren. Doch Kritiker zweifeln, ob sich das Billiggeschäft auf Dauer lohnt.

Mit Kampfpreisen teils um die Hälfte unter denen der Konkurrenz wollen die Billigbäcker alteingesessenen Geschäften die Butter vom Brot nehmen. Vor allem in 1-a-Lagen sind Handwerksbäcker alarmiert. Um die Laufkundschaft drohe ein ruinöser Wettbewerb, sagt Eberhard Groebel, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands. „Ein Fachgeschäft, neben dem ein Discounter eröffnet, hat die Zange im Genick.“ Über den Preis kontern könne es so gut wie nicht - zu groß ist der Kostenvorteil der Kontrahenten, die mit kleinerem Sortiment und viel weniger Personal auskommen. Auch die Herstellung ist billiger. Tiefgefrorene Teiglinge werden in großen Mengen geliefert und im Laden aufgebacken.

Discount-Pionier Backwerk

Als Discount-Pionier gilt die Backwerk GmbH aus dem nordrhein- westfälischen Monheim, die Anfang 2001 den ersten SB-Shop in Düsseldorf öffnete. Das Netz von 13 Filialen soll bis 2004 auf 50 Zweigstellen wachsen, heißt es in der Zentrale. In 25 Städten von Aachen über Frankfurt (Oder) bis Worms ist die Hamburger Back-Factory präsent - bis Jahresende soll die Kette doppelt so groß sein. Gesucht werden neue Standorte: in Städten über 40 000 Einwohner, beste Lage, gern neben dem Fischrestaurant oder einer Parfümerie.

Welchen Anteil sich die Billigbäcker im hart umkämpften Geschäft sichern können, ist ungewiss. Auf langfristig mindestens zehn Prozent schätzt ihn die BBE-Unternehmensberatung in Köln. „Aber auch ein Brötchen für zwölf Cent muss transportiert, hergestellt und verkauft werden“, sagt Ernst-Oliver-Schulte, Referatsleiter Backgewerbe bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die Preise seien so niedrig, dass sie sich nur bei hohen Absatzzahlen rechneten. Nach der Aufmerksamkeit zur Eröffnung müssten Kunden bei der Stange gehalten werden: „Der Punkt ist dann: Schmeckt das billige Brötchen auch?“ Klagen über minderwertige Discountwaren seien bisher aber nicht bekannt, heißt es bei der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

Handwerksverband setzt auf Qualität und Beratung

Der Handwerksverband empfiehlt seinen Betrieben, ihr stärkstes Pfund in die Waagschale zu werfen: die Qualität und Vielfalt des Sortiments sowie eine exzellente Beratung. Denn der Wettbewerb ist ohnehin schärfer geworden. 15 000 von 315 000 Arbeitsplätzen seien in diesem Jahr weg gefallen, sagt Groebel. „Die Leute essen nicht mehr Brötchen, weil sie billiger sind.“ Der Lebensmittelmarkt ist begrenzt - eine Erfahrung, die der Zunft schon seit Jahren zu schaffen macht.

Längst sind die Zeiten vorbei, da hinter jedem Verkaufstresen ein Meister Teig in der Backstube knetete. Von 47 000 Bäckereigeschäften sind inzwischen 32 000 reine Verkaufsstellen, die von zentralen Backorten mehrmals täglich beliefert werden oder Brötchen im Laden zu Ende bräunen. Konzerne wie Kamps bauten ein bundesweites Netz auf. Auch Tankstellen und Supermärkte haben sich ein großes Stück vom Kuchen erkämpft. Vielfach stehen Aufbackgeräte für ofenwarme Ware neben Regalen mit verpackten Brotscheiben.

Nahrung geben die Billigbäcker auch dem Streit um leichtere Firmengründungen ohne Meisterbrief: Verbraucherschützer und das Handwerk warnen vor einer Lockerung. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels hält dagegen in diesem Bereich die Zwänge der Handwerksordnung nicht für nötig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%