Billigflieger-Drehkreuz
Flughafen Hahn geht das Geld aus

Der defizitäre Flughafen Hahn steht angeblich vor der Pleite. Das Eigenkapital reiche noch bis zum März 2013, meint ein Aufsichtsratsmitglied. Der Flughafen sowie der Mehrheitseigner Rheinland-Pfalz bestreiten das aber.
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FrankfurtDem defizitären Regionalflughafen Hahn droht nach den Worten von Aufsichtsratsmitglied Jochen Riebel im Frühjahr nächsten Jahres die Pleite. "Das Eigenkapital ist im März 2013 aufgebraucht und dann müsste die Geschäftsführung Insolvenzantrag stellen", sagte Riebel, der als Vertreter des Minderheitseigners Hessen im Aufsichtsrat der Flughafen Hahn GmbH sitzt, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "Mainzer Allgemeine Zeitung".

Er rate dem Land Rheinland-Pfalz als Mehrheitseigentümer, Geld nachzuschießen. "Sonst muss Insolvenzantrag gestellt werden." Ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Infrastrukturministeriums und eine Sprecherin des Flughafen Hahns wiesen diese Darstellung zurück. Das Eigenkapital des Flughafens belaufe sich auf 44 Millionen Euro und werde im nächsten Jahr nicht aufgebraucht sein, erklärten beide.

Die Finanzlage des Flughafens könne 2013 aber schwierig werden, wenn die Passagierzahlen und die Margen im Frachtgeschäft weiter zurückgingen, gab der Ministeriumssprecher zu. Deshalb prüfe das Land Rheinland-Pfalz, ob der Flughafen von Infrastruktur-Investitionen entlastet werden könne.

Der rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernte ehemalige Militärflughafen kommt seit Jahren nicht aus den roten Zahlen. Allein 2011 schlug ein Verlust von rund 10 Millionen Euro zu Buche, wie eine Sprecherin bestätigte. Riebel, CDU-Politiker und ehemaliger hessischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, forderte eine Kapitalspritze von mindestens zehn Millionen Euro durch die Eigner. "Sinnvoll wäre es, das Eigenkapital - 20 Millionen Euro waren jeweils von Hessen und Rheinland-Pfalz - wieder aufzufüllen, denn das ist in den letzten Jahren aufgebraucht worden", sagte er der Zeitung.

Der Regionalflughafen im Hunsrück wird vor allem von Ryanair angesteuert, die Passagierzahlen sind in den letzten Jahren aber zurückgegangen. Am Flughafen Hahn sind das Land Rheinland-Pfalz mit 82,5 Prozent und das Land Hessen mit 17,5 Prozent beteiligt. Staatliche Subventionen für das Projekt etwa mit zinsgünstigen Krediten haben die europäischen Wettbewerbsbehörden auf den Plan gerufen, derzeit laufen zwei EU-Verfahren gegen die Förderungen. 2009 war der Flughafenbetreiber Fraport bei der Hahn-Gesellschaft ausgestiegen, dessen 65 Prozent übernahm Rheinland-Pfalz zum symbolischen Preis von einem Euro.

Das sei damals ein schwerer Fehler gewesen, sagte Riebel der Zeitung. "Die rheinland-pfälzische Landesregierung kann es sich nicht leisten, dass innerhalb kurzer Zeit zwei Landesgesellschaften Insolvenzantrag stellen müssen", fügte er hinzu. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) war zuletzt durch die Pleite des Nürburgrings, ebenfalls Eigentum des Landes, in die Kritik geraten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Billigflieger-Drehkreuz: Flughafen Hahn geht das Geld aus"

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  • Endlich zeigt sich das Resultat des Subventionierungswahns einiger Provinzpolitiker. Deutschlandweit wird eine Irische Airline namens Ryanair vom Deutschen Steuerzahler subventioniert, während die einheimischen Wettbewerber über reichhaltige Abgaben abgezockt werden.
    So bezahlen O`Learys Flugzeuge keinen Cent Landegebühr in Hahn und seine Deutschen Piloten sind aufgrund fragwürdiger Gesetze von Einkommenssteuer gänzlich befreit, während gleichzeitig die Irischen Unternehmenssteuergesetze Ryanair eine niedrige Abgabenlast garantieren.
    Alles schön bezahlt von uns allen!

  • Wir brauchen Hahn nicht bei Kassel wird doch schon ein NEUER FLUGPLATZ gebaut.

  • Leute, Ihr habt wenig Ahnung. Wißt Ihr, wieviele Leute in dieser seit vielen jahren von der SPd kaputt regierten Region am Flugplatz Hahn ihr Geld verdienen? Wißt Ihr, wieviele Hotels in der direkten Umgebung vom Flugplatz abhängig sind ?. Wißt Ihr, was allein die Fremdenverkehrbetriebe im Hunsrück mit den ankommenden Reiseneden verdienen? Diese Liste kann man beliebig fortsetzen. Aber es ist ja wichtiger kostenlos schwarz parken zu können.
    Das ist eigentlich nur noch traurig.
    Fuerteventura

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