Billigflieger Easyjet kooperiert mit Norwegian Airlines

Der britische Billigflieger Easyjet schließt einen Deal mit Norwegian Airlines. Dabei hatte sich eigentlich die irische Ryanair Hoffnungen auf eine Kooperation gemacht – für Ryanair-Chef O´Leary ein Rückschlag.
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Easyjet kooperiert mit Norwegian Air. Quelle: Reuters
Konkurrenzkampf

Der Konkurrenzkampf zwischen den Airlines in Europa wird mit harten Bandagen ausgetragen.

(Foto: Reuters)

Der Konkurrenzkampf zwischen den Airlines in Europa wird mit harten Bandagen ausgetragen. Besonders Ryanair-Chef Michael O´Leary teilt gern hart aus. Doch nun bekommt der Ire möglicherweise die Quittung: Easyjet vereinbarte eine Kooperation mit Norwegian Airlines – ein Deal, auf den sich auch Ryanair Hoffnungen gemacht hatte.

Am Morgen hatte Easyjet-Chefin Caroline McCall den Start von „Worldwide by Easyjet“ verkündet: Auf der Website von Easyjet können zukünftig nicht nur die Flüge der orangefarbenen Gesellschaft aus Großbritannien gebucht werden, sondern auch die Angebote von Norwegian und der kanadischen Gesellschaft WestJet. Damit können die Passagiere von Easyjet auch Flüge aus Europa heraus buchen, Easyjet selbst fliegt nur Ziele in Europa an. Norwegian dagegen bietet auch Flüge auf der Langstrecke an. Zudem sollen die Passagiere zukünftig leichter in die Langstreckenjets der Partner umsteigen, verspricht Easyjet, zunächst nur am Londoner Flughafen Gatwick, doch in Zukunft will man weitere Flughäfen ins Programm nehmen.

Auch Ryanair hat ein derartiges Angebot angekündigt und darüber unter anderem mit Norwegian gesprochen. Nun hat Easyjet den Deal vermeldet – und Ryanair-Chef O´Leary offenbar die Quittung für kritische Kommentare zu Norwegian erhalten. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass Monarch und Norwegian derzeit knapp bei Kasse sind und diesen Winter vielleicht nicht überleben werden“, hatte O`Leary nach Angaben des Branchendienst aero.de vor einigen Tagen gesagt. Schon in wenigen Monaten drohe Norwegian das Geld auszugehen. „Sie haben vier Milliarden Schulden und sie verbrennen in unglaublichem Tempo Barmittel“.

Norwegian beeilte sich zwar um Schadensbegrenzung, aber trotzdem verloren die Aktien der Airline deutlich, als O`Learys Worte die Runde machten. Tatsächlich enthielt die Mitte Juli präsentierten Halbjahreszahlen von Norwegian auch Zahlen, die bei Experten die Alarmglocken schrillen ließen: So war zwar der Umsatz um 17 Prozent auf 7,7 Milliarden Norwegische Kronen (umgerechnet rund 827 Millionen Euro) gestiegen, die Kosten legten aber zugleich um 45 Prozent zu.

Die spektakulärsten Airline-Pleiten
2017: Air Berlin
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Mit Air Berlin hat die zweitgrößte Airline Deutschlands Insolvenz angemeldet. Die Pleite bahnte sich seit längerem an: Das Unternehmen mit rund 8.600 Beschäftigten schrieb seit Jahren Verluste und hielt sich hauptsächlich durch Finanzspritzen ihres Großaktionärs Etihad noch in der Luft. Am Freitag drehte die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate den Berlinern aber den Geldhahn zu. Mit dem Kredit von 150 Millionen Euro stellt nun der Bund den Flugbetrieb vorerst sicher.

Harter Wettbewerb
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Air Berlin ist kein Einzelfall. Die goldenen Zeiten der Luftfahrt sind seit der Liberalisierung des Marktes, die in den 1980er-Jahren einsetzte, vorbei. Seitdem regiert ein knallharter Wettbewerb die Lüfte. Auch die Branchenkrise nach den Anschlägen des 11. September 2001 und das Aufkommen der Billigflieger sorgen dafür, dass viele bekannte Airlines in die Pleite gerutscht sind.

1991: Pan American Airways
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Wie kein zweites Unternehmen stand „Pan Am“ für das glamouröse Jet-Zeitalter. 1927 flogen die ersten Postflugzeuge unter dem Namen zwischen Florida und Havanna. Schnell wurde das Unternehmen zu einer der größten US-Fluggesellschaften. Die Airline war eine der ersten, die Interkontinentalflüge anbot, und setzte zahlreiche Standards in der zivilen Luftfahrt. Das blau-weiße „meatball“-Logo von Pan American genießt bis heute Kultstatus.

1991: Pan American Airways
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In den 1980er-Jahren begann der Stern von Pan Am zu sinken. Durch die Deregulierung des US-Marktes kamen zahlreiche Konkurrenten auf. 1988 wurde über dem schottischen Lockerbie eine Maschine durch einen Terroranschlag zum Absturz gebracht, was das Vertrauen der Öffentlichkeit erschütterte. 1991 folgte die Übernahme durch Delta Air Lines.

1992, 1995 und 2001: Trans World Airlines
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Auch TWA gehörte zu den Pionieren der Luftfahrt. Gegründet 1930 als „Transcontinental and Western Air“, machte der exzentrische Milliardär Howard Hughes („The Aviator“) das Unternehmen zur zeitweise größten Airline der Welt. Hinter Pan Am war TWA die inoffiziell zweite Flaggschiff-Gesellschaft der USA. 1985 kaufte der Investor Carl Icahn TWA.

1992, 1995 und 2001: Trans World Airlines
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In den 1990er-Jahren musste TWA zwei Mal in kurzer Folge Gläubigerschutz beantragen. 1996 starben beim Absturz einer Boeing 747 über dem Atlantik 230 Menschen. Die stark geschrumpfte Airline kam 2001 wieder in finanzielle Schwierigkeiten und wurde von Konkurrent American Airlines übernommen.

2001: SwissAir
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1931 gegründet galt die Airline wegen ihrer finanziellen Stabilität lange als „fliegende Bank“. Aufgrund der politischen Neutralität der Schweiz konnte SwissAir zahlreiche lukrative Ziele in Afrika und im Nahen Osten anfliegen.

Trotzdem wird man in Oslo die Worte von O´Leary nicht gern gehört haben – zumal das Verhältnis ohnehin schon etwas angespannt war, nachdem Norwegian in diesem Jahr rund 140 Piloten von Ryanair abgeworben hat.

Bei Ryanair reagierte man auf die Nachrichten des britischen Konkurrenten gelassen. „Die Gespräche über Anschlussverbindungen mit anderen Airlines laufen weiter“, sagt ein Ryanair-Sprecher auf Anfrage. Und auch Analysten glauben nicht, dass Ryanair nun schlechte Karten hat. „Der Deal wird dazu führen, dass mehr und auch andere Kunden auf die Website von Easyjet schauen“, erklärt Airline-Experte John Strickland von JLS Consulting, das sei natürlich gut für Easyjet. Aber letztlich sei die Auslastung von Easyjet ohnehin schon so hoch – zuletzt bei 97 Prozent – dass die Kooperation keine großen finanziellen Auswirkungen haben dürfte. Außerdem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, meint Strickland: „Die Nachricht könnte wie ein rotes Tuch auf O´Leary wirken“.

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