Billigflieger
Gespielte Empörung

In ganzseitigen Zeitungsanzeigen wirft der irische Billigflieger Ryanair der BBC Verleumdung vor. Elf Falschbehauptungen habe der Sender in einem Fernsehbericht über Ryanair verbreitet. Als öffentlichkeitswirksame Revanche verschenkt Ryanair für jede angebliche Falschbehauptung 100 000 Freiflüge. Ein PR-Coup – mal wieder.

LONDON. Michael O’Leary, der Chef des irischen Billigfliegers Ryanair ist für seine markigen Sprüche bekannt, gerne erregt er Aufsehen und plappert auf Pressekonferenzen in zahlreiche Mikrofone. Mal bezeichnet er seine Wettbewerber als „Vollidioten“ und prognostiziert ihnen den baldigen Untergang. Ein anderes Mal denkt er laut über Toilettengebühren an Bord und Preisaufschläge für Dicke nach. In den vergangenen Tagen reagierte er eher schmallippig auf Medienanfragen. Einem Team des BBC-Politmagazins „Panorama“ wollte er partout kein Interview gewähren. Er bestand darauf, entweder live ins Programm geschaltet zu werden oder aber ungeschnitten zu Wort zu kommen. Panorama lehnte ab.

Mitte September starte ein Team der BBC einen letzten Versuch und fing O’Leary bei einem Termin in Dublin ab. In blauen Jeans, offenem Hemd, die Lesebrille ins angegraute Haar geschoben, trat O’Leary vor die Kamera, doch statt auf die Fragen des Reporters einzugehen, zupfte er am Mirkofon, schnitt Grimassen und bestand darauf sich nur dann ernsthaft zu äußern, wenn sein Statement ungeschnitten gesendet würde.

Und so zeigte die BBC Anfang der Woche einen dreißigminütigen Film über die irische Fluglinie – ohne O’Learys Einschätzungen, dafür mit seinen Eskapaden.

Schon Tage vor der Ausstrahlung übte Ryanair Druck auf die BBC aus. Ryanair warf dem Sender vor Rundfunkgebühren zu verschwenden und veröffentlichte als Beleg die 25seitige Korrespondenz mit den BBC-Journalisten im Internet. Am Tag vor der Sendung kündigte Ryanair an, dass man für jeden inhaltlichen Fehler des Senders 100 000 Flüge verschenken werde.

Schon häufiger hat Michael O’Leary Freiflüge verteilen lassen, um Öffentlichkeit zu erhaschen. Als es ihm zum wiederholten Mal nicht gelang den irischen Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen, kündigte er aus Protest an, für jede Million Euro, die Aer Lingus Verlust mache 1 000 Flüge zu verschenken. Letztendlich musste er 107 000 Passagiere umsonst auf die Reise schicken.

Vor wenigen Wochen gab O’Leary wieder einen aus. Im Vorfeld der irischen Volksabstimmung zum Lissabon-Vertrag bot Ryanair unter dem Motto „eine Million Gründe, um mit ‚Ja’ zu stimmen“ eine Million Freiflüge nach Irland an.

Den aktuellen Zwist mit der BBC bauscht O’Leary bewusst auf, um einen neuen PR-Coup zu lancieren. Und so echauffierte er sich, die Sendung müsse in „Bananarama“ umbenannt werden und sprach von „übler Verleumdung“.

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